Marion Maréchal-Le Pen – Die jüngste und extremste des Le-Pen-Clans
Publiziert

Marion Maréchal-Le PenDie jüngste und extremste des Le-Pen-Clans

Bei den Regionalwahlen in Frankreich holte sie 42 Prozent der Stimmen. Marion Maréchal-Le Pen, die Lieblingsenkelin des FN-Gründers, gilt als «die Gefährlichste» der Familie.

Mit einem triumphalen Wahlsieg bei den französischen Regionalwahlen hat der rechtsextreme Front National (FN) ein politisches Erdbeben ausgelöst. «Das ist ein wunderbares Ergebnis», jubelte am Sonntagabend Parteichefin Marine Le Pen. Nicht nur sie hat in ihrer Region Nord-Pas-de-Calais-Picardie mit 42 Prozent im ersten Wahlgang einen klaren Sieg verbucht, auch ihre Nichte Marion Maréchal-Le Pen könnte mit einem ähnlichen Ergebnis beim zweiten Durchgang die südfranzösische Region Provence-Alpes-Côte d'Azur erobern.

Zwar stammen beide Frauen aus der gleichen Familie, dennoch distanziert sich die 46 Jahre alte Tante oft von der 25-jährigen Nichte. Denn Marion Maréchal-Le Pen ist bei gewissen Themen, wie etwa bei der Einwanderungspolitik, noch radikaler als die FN-Vorsitzende.

Rasante Politkarriere bei den Le Pens

Maréchal-Le Pen wurde lange Zeit als die hübsche kleine Enkelin des Front-National-Gründers Jean-Marie Le Pen belächelt. Doch 2012 gelang der blonden Nachwuchspolitikerin eine kleine Sensation: Mit nur 22 Jahren zog sie als jüngste Abgeordnete in die Nationalversammlung ein. Dort tritt sie immer selbstsicherer auf und scheut auch Rededuelle mit dem wortgewaltigen sozialistischen Premier Manuel Valls nicht. «Hinter ihrer sanften Erscheinung verbirgt sich ein Charakter aus Stahl», hatte mal ihre Tante über sie gesagt.

Ihre politische Karriere begann Marion Maréchal-Le Pen in gewisser Weise als Zweijährige in den Armen ihres Großvaters: Anfang der 90er-Jahre posierte der heute 87-jährige Le Pen für ein Wahlkampfplakat mit seiner strohblonden Lieblingsenkelin, der Tochter von Marine Le Pens älterer Schwester Yann.

Zwei Jahrzehnte später war es wieder der Familien-Patriarch, der sie ins Rampenlicht schob: Er drängte die widerwillige Jurastudentin zu ihrer Kandidatur bei den Parlamentswahlen 2012. Spitzenkandidatin in der südfranzösischen Provence-Alpes-Côte d'Azur wurde sie bei den jetzigen Regionalwahlen, weil ihr Großvater nach seinen erneuten antisemitischen Ausfällen auf eine Kandidatur verzichten musste. Eine Marionette ihres Großvaters oder ihrer Tante will Maréchal-Le Pen aber nicht sein, wie sie selbst betont.

Wie der Opa so die Enkelin

Ihrem provokativen Großvater steht die junge Blondine in Sachen Fremden- und Islamfeindlichkeit kaum nach. So meinte sie zum Beispiel, dass Muslime nur Franzosen sein könnten, wenn sie sich Sitten und Lebensart zu eigen machten. Oder dass Muslime «nicht exakt denselben Rang haben» könnten wie Christen — was ganz dem französischen Gleichheitsideal widerspricht.

Die strenggläubige Katholikin, leidenschaftliche Motorradfahrerin und Mutter einer kleinen Tochter stand zudem bei den Protesten gegen eine Einführung der Homo-Ehe an vorderster Front, während sich ihre Tante bedeckt hielt. Auch ging Marine Le Pen auf Distanz, als ihre Nichte etwa ankündigte, sie werde den Familienberatungsstellen die Gelder streichen, weil sie die Abtreibung als banalen Eingriff abtäten.

Ihren politischen Erfolg habe Marion Maréchal-Le Pen vor allem ihrem attraktiven Aussehen zu verdanken, meint Christian Estrosi, der in der Region Provence-Alpes-Côtes-d'Azur für Sarkozys Partei Die Republikaner kandidierte. In einem Interview mit Le Figaro vergangenen Sommer beschrieb er sie als «die extremere und gefährlichste aller Le Pens». Immerhin: Anders als ihre Tante und ihr Großvater ist die 25-Jährige gegen eine Wiedereinführung der Todesstrafe.

(L'essentiel/kle)

Deine Meinung