Parasiten auf der Haut – Die Krätze ist zurück
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Parasiten auf der HautDie Krätze ist zurück

LUXEMBURG - Die Krätze – das klingt nach Aussätzigen im Mittelalter. Dabei ist die ansteckende Hautkrankheit bei uns wieder auf dem Vormarsch.

Krätze ist bei uns wieder auf dem Vormarsch.

Krätze ist bei uns wieder auf dem Vormarsch.

AFP

Erst rund um die Feiertage sind in einer Schule in Differdingen mehrere Kinder an Krätze erkrankt. «Das ist nicht besonders glücklich, aber wir konnten vermeiden, dass Panik ausbricht. Die Eltern haben gut reagiert, auch wenn für sie die Krätze eine Krankheit aus dem Mittelalter ist», meint Roberto Traversini, Schöffe der Gemeinde Differdingen.

Bei den Fällen in der Differdinger Schule handelt es sich nicht um eine Ausnahme, weiß Dr. Pierre Weicherding von der Gesundheitsinspektion. Bereits 2002 hatte es eine Krätze-Welle in Krankenhäusern und Altenpflegeheimen gegeben. «Wir können die Zahl der Krankheitsfälle aber nicht genau beziffern, weil die Hautkrankheit nicht meldepflichtig ist», so Weicherding. «Aber wir wissen, dass die Zahl der Fälle besonders in Osteuropa steigt.»

Teure Behandlung

Trotz ihres schlechten Rufs ist die Krätze keine besonders schlimme Krankheit. «Es ist unangenehm. Wenn ein Patient zu viel kratzt, kann es zu Infektionen kommen. Aber eigentlich ist diese Krankheit leicht zu behandeln», erklärt Dr. Weicherding.

Zur Behandlung gehört das gründliche Waschen der Kleidung des Kranken und regelmäßiges Eincremen mit einer Spezialsalbe. Diese ist jedoch teuer: Eine Tube kostet bis zu 50 Euro, die nicht von der Krankenkasse CNS zurückerstattet werden. Meistens müssen direkt mehrere Tuben angeschafft werden, denn das Umfeld des Kranken sollte direkt mitbehandelt werden. Die Parasiten befallen über Hautkontakt schnell ein neues Opfer. Tabletten gegen Krätze sind in Luxemburg nicht erhältlich.

Krankheit tritt oft erst vier bis sechs Wochen nach Ansteckung auf

In Differdingen stellten die Ärzte schnell klar, dass sich die Eltern keine Vorwürfe zu machen brauchten, weil ihre Kinder von der Krätzemilbe befallen waren. «In der Vergangenheit war Krätze die Krankheit der Armen und derer, die auf engem Raum hausten. Heute hat der Milbenbefall nichts mehr mit mangelnder Hygiene zu tun», versichert Dr. Weicherding.

Besonders gefährlich ist die parasitäre Hautkrankheit übrigens durch ihre hohe Ansteckungsgefahr. Zudem ist die Inkubationszeit lang. Die Krankheit kann erst vier bis sechs Wochen nach der Ansteckung ausbrechen. Daher müssen oft Familienmitglieder eines Kranken mitbehandelt werden. Tritt Krätze in Schulen oder anderen Einrichtungen auf, müssen diese nicht zwingend schließen. Tödlich ist die Krankheit bei weitem nicht, denn, so Pierre Weicherding: «Die Parasiten haben ein Interesse daran, dass ihr Träger weiterlebt.»

(Fatima Rougi/L'essentiel Online)

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