Airline-Krise: Die Mitarbeiter «erkennen Luxair nicht mehr wieder»

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Airline-KriseDie Mitarbeiter «erkennen Luxair nicht mehr wieder»

LUXEMBURG – Kritik an den Arbeitsbedingungen und Unsicherheit bezüglich der Spitze des Konzerns – die Gewerkschaften bereiten sich auf die Demonstration im Rahmen der Tripartite Luftfahrt vor.

von
Thomas Holzer
Die Arbeitsbedingungen bei Luxair haben sich verschlechtert.

Die Arbeitsbedingungen bei Luxair haben sich verschlechtert.

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Wohin steuert Luxair? Die Frage rückt vor dem Hintergrund einer gewerkschaftsübergreifenden Demonstration auf dem Kirchberg in den Fokus. OGBL, LCGB und NGEL-SNEP gehen kommenden Montag gemeinsam für bessere Arbeitsbedingungen bei dem luxemburgischen Konzern auf die Straße. «Es ist wichtig, mit der Tripartite im Blick, ein Zeichen zu setzen, denn die Arbeitnehmer beschweren sich immer wieder. Seit dem Treffen mit der Chefetage diesen Sommer ist nichts unternommen worden», so Paul de Araujo, der Sekretär des LCGB.

Grund der Spannungen sind die Arbeitsbedingungen seit der Wiederaufnahme des Luftverkehrs nach der Pandemie-Pause. Von Seiten der Arbeitnehmer heißt es, der Arbeitsrhythmus sei katastrophal geworden: «Das Flugpersonal fliegt hin und her, mit mehreren Zwischenlandungen und Starts an einem Tag und Arbeitszeiten, die bis zu 14 Stunden dauern», so De Araujo. Hinzu kämen die Ruhetage, die «in letzter Minute» wegen Abwesenheiten anderer gestrichen würden.

An Attraktivität eingebüßt

Das Bodenpersonal, das «den Stress der Reisenden» aushalten müsse, und das Cargo Center, wo es inzwischen die Norm geworden sei, auf Zeitarbeitnehmer zurückzugreifen, blieben nicht verschont. Die Erklärung für die zusätzliche Herausforderung liegt nach Ansicht der Gewerkschaften eher in dem Wunsch begründet, Kosten zu sparen, als dass das Management in der Pandemie harte Maßnahmen hat treffen müssen. Der Gewerkschafter selbst erkennt an: «Wir haben Personalabbau vermieden, während andere Betriebe massenhaft entließen.» Aber um welchen Preis?

Die Gehälter wurden bis 2023 eingefroren, die Gehälter bei Neueinstellungen begrenzt und das Unternehmen, einst das Flaggschiff der luxemburgischen Wirtschaft, ist angesichts der Veränderungen im Luftfahrtsektor und der zunehmenden Konkurrenz durch Billigflieger weniger attraktiv geworden. Die Angestellten «erkennen Luxair von früher nicht wieder, auf allen Ebenen und in allen Berufsgruppen», sagt De Araujo.

Die Airline leide somit unter vermehrten vorzeitigen Abgängen und habe Mühe, qualifizierte Bewerber einzustellen, was die genannten Probleme verstärke. Das Management des Unternehmens, unter Leitung von Gilles Feith, der im Juni 2020 mitten in der Pandemie an die Spitze von Luxair trat, gerät somit ins Kreuzfeuer der Kritik.

Vor der ebenfalls für Montag angesetzten Tripartite Luftfahrt fängt die Gerüchteküche an zu brodeln. Verkehrsminister François Bausch (Déi Gréng) bezeichnete die Spekulationen über einen möglichen Wechsel des Luxair-CEOs zur Leitung des Lux-Airport als Reaktion auf eine parlamentarische Anfrage als «komplett falsch und erfunden».

In einer am Donnerstag veröffentlichten Mitteilung sprach der Verwaltungsrat dem Management und dem CEO der Luxair sein Vertrauen aus. Die gegenwärtigen Herausforderungen seien einer «mehr als schwierigen Erholung» des Unternehmens nach der Corona-Pandemie geschuldet, sowie der aktuellen Energiekrise. «Luxair ist dabei, sich finanziell zu erholen, aber die Aussichten sind immer noch schwierig», so der Vorsitzende des Verwaltungsrates, Giovanni Giallombardo.

Im Bemühen um Beschwichtigung erkennen die Verwaltungsratsmitglieder «eine hohe Arbeitsbelastung und notwendige Flexibilität» bei den Angestellten an. Den Angestellten des Unternehmens dankte man. Die Arbeitsbelastung sei hoch und Flexibilität notwendig. Gleichzeitig lud der Verwaltungsrat die Gewerkschaften und die verschieden Verhandlungspartner zu einem Gespräch, bei dem die Kritikpunkte auf den Tisch gebracht werden sollen. Dort reagiert man verhalten: «Wir begrüßen die Initiative und warten auf die offizielle Einladung», so Paul De Araujo, «aber das reicht nicht aus. Wir brauchen klare Antworten und Taten». Der Demonstrationstermin am Montag werde definitiv stattfinden.

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