In Luxemburg gedreht – «Die Oscar-Auswahl war eine Überraschung»

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In Luxemburg gedreht«Die Oscar-Auswahl war eine Überraschung»

LUXEMBURG - «La petite chambre», eine luxemburgisch-schweizerische Co-Produktion mit Michel Bouquet in einer der Hauptrollen, kommt am Freitag auf die Leinwand. Ein Interview mit den Regisseurinnen.

Welche Szenen haben Sie in Luxemburg gedreht?

Véronique Reymond: Alle Szenen, die drinnen spielen, zum Beispiel in der Wohnung von Rose (Anmerkung der Redaktion: Florence Loiret Caille spielt diese Rolle). Wir haben zudem eine Konzert-Szene in der Abtei Neumünster gedreht. Und auch die ganze Postproduktion, wie das Schneiden und der Ton, wurden in Luxemburg gemacht.

Stéphanie Chuat: Die Innenszenen haben wir in einem alten Gebäude an der Cote d’Eich gedreht. Es sollte danach abgerissen werden. Dort konnten wir uns auf den persönlicheren Teil der Geschichte konzentrieren, abgeschlossen von der Außenwelt.

Hatten Sie ein Wörtchen mitzureden, als es um Luxemburg als Drehort ging?

S.C.: Da es sich um eine Co-Produktion handelt, war dies in den Verträgen so vorgesehen. Das war aber kein Problem für uns. Die Filmindustrie in Luxemburg erlebt einen Aufschwung. Die Schweiz ist ein kleines Land. Wir brauchen Partnerschaften, zumal «La petite chambre» kein Low-Budget-Film ist. Wir waren froh über diese Co-Produktion. Der erste Film, den ein Regisseur macht, ist immer schwer zu finanzieren, allerdings hatten wir den Vorteil, dass Michel Bouquet schon vorher zugesagt hatte.

Die Schweiz hat Ihren Film für den Oscar des besten fremdsprachigen Films vorgeschlagen, bis in die Endauswahl hat er es aber nicht geschafft. Waren Sie enttäuscht?

S.C.: Nein, sehr erfreut. Dass der Film für den Oscar vorgeschlagen wurde, war schon eine große Überraschung für uns. Wir hatten selbst ja nicht einmal daran gedacht. Das Lobbying ist enorm und die Chancen daher nicht gleich verteilt.

V.R.: Der Film war auch schon in der Auswahl des Filmfestivals von Locarno. Wir haben sehr gute Kritiken erhalten. Danach wurde er auf anderen Festivals in der Schweiz gezeigt, wo er im Januar schließlich in die Kinos kam. Und dann die Auswahl für die Oscars… Dadurch stieg natürlich die Aufmerksamkeit für den Film und viele Leute bekamen dadurch Lust, ihn sich anzusehen.

Ihr Film zeigt einen alten Mann, der nicht ins Altersheim ziehen will. Warum interessieren sich zwei junge Frauen wie Sie für ein solches Thema?

V.R.: Ich hatte eine sehr starke Bindung zu meiner Großmutter, die 17 Jahre lang in einem Altersheim gelebt hat. Sie hatte akzeptiert, aus ihrer Wohnung auszuziehen. Stéphanie war ihrer Großmutter auch sehr nahe. In der Schweiz ist die alternde Gesellschaft ein großes Thema. Wir sind jung, denken an unsere Karriere, daran, Geld zu verdienen und vielleicht irgendwann ein Kind zu bekommen. Doch werden wir älter und liegen irgendwann anderen auf der Tasche. Also wird uns dieses Thema einmal betreffen. Und dann interessieren uns auch die Beziehungen in der Familie. Eines Tages wird sich die Frage nach dem Altersheim vielleicht für unsere Eltern stellen und wir müssen dann eine Entscheidung treffen.

Als Regisseurinnen sind Sie deutlich in der Minderheit. Ist der Blick auf die Welt, den sie auch in ihrem Film vermitteln, ein anderer als der eines Mannes?

V.R.: Es ist ein weiblicher Blick, jedoch fordern wir keine andere oder feministische Ansichtsweise ein. Wir sprechen über Themen, die uns berühren, zum Beispiel die Komplexität menschlicher Beziehungen. Ich würde einfach sagen, dass wir eine eigene Sensibilität haben.

Kerstin Smirr/L'essentiel Online

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