Aufregung um Verbot – «Die Portugiesen sind immer die Deppen»

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Aufregung um Verbot«Die Portugiesen sind immer die Deppen»

LUXEMBURG – Ein Facebook-Post von Integrationsministerin Cahen über Portugiesisch in der Schule löst heftige Reaktionen aus. Auch das Ministerium meldet sich.

Der Stein des Anstoßes: Integrationsministerin Corinne Cahen stimmt auf Facebook einem Kommentar zu, in dem es um ein Portugiesisch-Verbot geht. Der Post wurde inzwischen wieder gelöscht. (Bild: Tageblatt)

Der Stein des Anstoßes: Integrationsministerin Corinne Cahen stimmt auf Facebook einem Kommentar zu, in dem es um ein Portugiesisch-Verbot geht. Der Post wurde inzwischen wieder gelöscht. (Bild: Tageblatt)

Kleiner Beitrag, große Wirkung: Ein schon vor Wochen getätigter Facebook-Kommentar von Integrationsministerin Corinne Cahen (DP) hat am Montag eine wahre Flut an Reaktionen aufgelöst. Die Ministerin soll in dem Posting die Entscheidung eines Schullehrers gutgeheißen haben, der seinen Schülern im Unterricht verboten hatte, Portugiesisch zu sprechen. Auf der Facebook-Seite von L'essentiel tobt seitdem eine kontroverse Debatte darüber, ob der Lehrer bzw. die Ministerin richtig gehandelt haben. Zuvor hatten mehrere portugiesische Medien und das Tageblatt über den Fall berichtet.

Wie eine Sprecherin der Ministerin am Dienstag gegenüber L’essentiel betont, habe es sich bei dem Posting um ein großes Missverständnis gehandelt. Die Ministerin wollte mit ihrem Kommentar lediglich anmerken, dass sie es begrüße, wenn Lehrer im Unterricht die Landessprache forcieren. Das sei an vielen Schulen im Land gängige Praxis. Mit einem Verbot anderer Sprachen wie Portugiesisch habe das überhaupt nichts zu tun, es gehe rein um den Unterricht. «Der Bildungsminister und die Integrationsministerin haben zuletzt wieder klar betont, dass sie die Mehrsprachigkeit in den Schulen fördern wollen. An der Position hat sich nichts geändert», so die Sprecherin. Die Beherrschung der Muttersprache sei zudem eine wichtige Basis für das Erlernen weiterer Sprachen.

Eine Frage des Respekts

Auf der Facebook-Seite von L‘essentiel erhielt Cahen jedenfalls großen Beifall. «Richteg!!! Mär sin hei an letzebuerg an net an Portugal!», schreibt User Patrick W. stellvertretend für viele andere empörte User. Für Yves B. ist die verwendete Sprache eine Frage des Respekts: «Ich arbeite an einem Lyzeum und habe heute noch zu meinen Schülern gesagt, dass wir im Unterricht auf Luxemburgisch sprechen. Ich finde es normal, dass im Klassenzimmer immer die Sprache gesprochen wird, die jeder versteht. Das ist eine Sache des gegenseitigen Respekts.»

Andrea Sp. will hingegen keinen einzigen ausländischen Schüler kennen, der kein Luxemburgisch könne: «Man muss immer den Kontext beachten. Wenn ich draußen auf der Straße Französisch oder Italienisch sprechen will, dann mache ich das auch. Wenn ich in der Schule sitze und meinem Kollegen in einem privaten Gespräch etwas auf Italienisch sagen will, dann mache ich das auch. Das darf mir keiner verbieten, solange es nicht irgendjemandem schadet. Grundsätzlich sollte aber während des Unterrichts generell nicht gesprochen werden – egal in welcher Sprache!»

Sammy C. erinnert daran, dass sehr viele Vorurteile über die portugiesischen Migranten in Luxemburg kursieren: «Immer werden die Portugiesen für die Deppen gehalten. Der Portugiese, der seit 50 Jahren im Land ist, weder Luxemburgisch noch Französisch spricht, im portugiesischen Café sitzt, portugiesisches Radio und Fernsehen konsumiert, nur mit portugiesischen Freunden zusammensitzt. Natürlich gibt es solche Leute, aber nicht alle sind so.» Langsam reiche es ihm mit dem ewigen Gerede über die Integrationsunwilligkeit der «Lusoburguês»: «Wir leben eben in einem Land, in dem viele Portugiesen leben und vor allem auch für uns arbeiten. Es ist klar, dass sie sich integrieren müssen, aber keiner hat das Recht ihnen zu verbieten, ihre Muttersprache zu sprechen.»

(Jörg Tschürtz/L'essentiel)

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