Sex im US-Wahlkampf – Die Schlammschlacht ist eröffnet

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Sex im US-WahlkampfDie Schlammschlacht ist eröffnet

Mit der Vergewaltigungsklage gegen Trump wird Sex zum riskanten Wahlkampfthema für Clinton, Cruz und selbst für Sanders.

Als Ehemann müsste sich Ex-Präsident Bill Clinton eigentlich über jeden Skandal um Donald Trump freuen. Doch durch die Vergewaltigungsklage gegen den wahrscheinlichen Rivalen seiner Frau Hillary im Endkampf um die US-Präsidentschaft haben auch der Schürzenjäger Clinton und seine Hillary einiges zu verlieren.

Bill Clinton war nämlich ebenso wie Trump mit dem Ex-Banker und verurteilten Pädophilen Jeffrey Epstein befreundet. Dieser New Yorker Milliardär organisierte in den 1990er-Jahren Party-Flüge zu seinen Villen in Florida und auf einer privaten, zu den Virgin Islands gehörenden Insel in der Karibik. Clinton soll mehrmals zugegen gewesen sein, als sowohl in der Luft wie auch am Boden minderjährige Mädchen den Männern sexuell zu Diensten waren.

Probleme für Clinton?

Epstein wurde wegen Engagements einer minderjährigen Dirne verurteilt und sass eine Freiheitsstrafe von 13 Monaten ab. Die aktive Beteiligung Bill Clintons ist bisher nirgendwo dokumentiert. Das hinderte Donald Trump aber nicht daran, Anfang letzten Jahres darauf anzuspielen. Er sagte, Bill sei «ein netter Kerl», doch er werde «viele Probleme bekommen wegen der berühmten Insel».

Trump machte die Sex-Vorwürfe, bevor er seine Kandidatur bekanntgab. Jetzt, in den Tagen vor der wichtigen Vorwahl im Gliedstaat Indiana, ist die Schlammschlacht in fünf Akten offiziell eröffnet:

1. Die Vergewaltigungsklage gegen Trump

In der am Donnerstag vor Bundesgericht in Kalifornien eingereichten Klage gegen Trump und Epstein nimmt die heute 34-jährige Katie Johnson kein Blatt vor den Mund. Laut den auf heavy.com einsehbaren Gerichtsdokumenten behauptet die Frau, im Sommer 1994 als 13-Jährige in einer Wohnung in Manhattan von Trump vergewaltigt worden zu sein. Die Klageschrift führt detailliert aus, der Baulöwe und Epstein hätten das Mädchen und eine weitere «Sex-Sklavin» an mehreren Tagen zu verschiedenen drastischen Geschlechtsakten gezwungen. Trump habe die Frau entjungfert und ihr Geldscheine für eine Abtreibung hingeworfen. Die Frau verlangt einen Schadenersatz von 100 Millionen Dollar.

Über seinen Anwalt Alan Garten wies Trump die Klage als «Schwindel» zurück. Laut «Daily Mail» hat Garten unter der angegebenen Telefonnummer keinen Anschluss der Frau gefunden. Ihr angebliches Wohnhaus nordöstlich von Palm Springs wurde bis letztes Jahr von einem Mann bewohnt und gehört jetzt einer Bank. Überdies macht Garten geltend, die Klageschrift sei von einer rechtskundigen Fachperson verfasst worden und nicht von der ungebildeten Frau, die nach eigenen Angaben bloß ein Vermögen von 278 Dollar besitzt. US-Medien haben bisher kaum über die Klage berichtet.

2. Bill Clintons Affäre mit Monica Lewinsky

Trump hat mehrfach angedeutet, er werde im Bedarfsfall die Lewinsky-Affäre des damaligen Präsidenten Bill Clinton ausschlachten, die 1999 beinahe zu dessen Amtsenthebung geführt hätte. «Wenn Hillary Clinton oder ihr Team Donald Trump als sexistisch kritisieren, dann werden wir dieses Thema absolut vorbringen», sagte Trumps Sprecherin Katrina Pierson. «Denn da gibt es noch viel zu diskutieren, was noch nicht öffentlich bekannt ist.»

3. Die fünf Affären von Ted Cruz

Das Supermarktheft «National Enquirer» erregte Ende März mit der Behauptung Aufsehen, der texanische Senator Ted Cruz habe seine Frau Heidi mit nicht weniger als fünf Frauen betrogen. An den Affären des republikanischen Kandidaten seien Arbeitskolleginnen, eine Lehrerin und eine Prostituierte beteiligt gewesen, schrieb das Blatt, ohne Namen zu nennen. Cruz sagte, die Geschichte sei vollends erfunden. Sie hat bisher wenig bewegt.

4. Bernie Sanders' Glaube an die freie Liebe

Bei Hillary Clintons demokratischem Rivalen Bernie Sanders muss man auf der Suche nach etwas auch nur entfernt Anrüchigem tief in der Vergangenheit wühlen. 1963, kaum war er an der University von Chicago eingeschrieben, brach der junge Sozialist eine Lanze für die freie Liebe. «Uni-Verwaltern darf es nicht erlaubt sein, Studenten daran zu hindern, Geschlechtsverkehr zu haben, falls diese dies wünschen», schrieb Sanders in einem langen Manifest. «Die Administratoren dieser Universität sind nämlich so wenig fähig, Sex zu reglementieren, wie sie fähig sind, Knochenbrüche zu heilen.»

Ob Sanders noch heute zu seinem Sex-Manifest steht, ist nicht bekannt. Im Unterschied zu seinen Rivalen muss er deswegen immerhin nicht um seine Kandidatur fürchten.

(L'essentiel/sut)

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