«Emily in Paris» – «Die Serie zeigt nur die perfekten Ecken der Stadt»
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«Emily in Paris»«Die Serie zeigt nur die perfekten Ecken der Stadt»

Kürzlich startete auf Netflix die zweite Staffel der Hit-Serie «Emily in Paris». Auch diesmal bedienten sich die Macher an zahlreichen Klischees.

Paris gilt als die Stadt der Liebe: Croissants, der Louvre, der Eiffelturm – die Stadt strotzt nur so vor Charme und hinreißenden Touristenattraktionen. So zumindest wird Frankreichs Hauptstadt in der erfolgreichen amerikanischen Netflix-Serie «Emily in Paris» dargestellt. Doch entspricht dieses Bild der Realität?

Nein, finden viele Franzosen und Französinnen, bei denen die Serie für Ärger sorgt. Auch das Model Anja Leuenberger (29) hat aufgrund ihres Jobs schon viel Zeit in Paris verbracht, lief mehrmals an der Pariser Fashionweek und kennt die französische Kultur bestens.

Klischee: Die Franzosen sind faul

In «Emily in Paris» werden die Franzosen und Französinnen als faule Flaneure dargestellt, die erst um zehn Uhr ins Büro kommen und ewig lange Mittagspausen machen – wenn sie überhaupt etwas essen. Meistens rauchen sie bloß Zigaretten.

Anja sagt dazu: «Dass die Franzosen faul sind, kann ich nicht bestätigen. Besonders im Fashion Business gibt es so etwas wie Faulheit nicht wirklich. Da arbeiten alle hart.» Einen Funken Wahrheit habe die Darstellung aber dennoch: «An die Zigaretten kann ich mich durchaus erinnern.»

Klischee: Paris ist sauber und schön

In der Serie wird die Stadt von ihrer besten Seite gezeigt: Es gibt keine Armut, keine Obdachlosigkeit und keine Baustellen. «Paris ist tatsächlich wunderschön», bestätigt Anja. Dennoch ist ihr bewusst, dass die Realität düsterer aussieht als die Darstellung: «In Serien werden immer nur die perfekten Ecken einer Stadt gezeigt und für die Sets wird alles perfekt hergerichtet.»

Zur Sauberkeit sagt sie: «Ich habe Paris ziemlich sauber in Erinnerung, bis auf die U-Bahn! Die fand ich immer ein bisschen dreckig und alt. Aber das ist halt der Pariser Charme.»

Klischee: Franzosen können keine Fremdsprachen

Mehrere Szenen in «Emily in Paris» lassen die Franzosen und Französinnen so aussehen, als würden sie keine Fremdsprachen sprechen. Anja sieht das anders: «Franzosen und Französinnen sind sehr gebildet und viele von ihnen können gut Englisch.» Dennoch sei die Muttersprache die bevorzugte Sprache: «Sie wissen es sehr zu schätzen, wenn man versucht, Französisch zu sprechen.»

Klischee: Die Franzosen sind unhöflich

In der Serie werden die Bewohnerinnen und Bewohner von Paris mehrfach als unhöflich dargestellt. So bieten sie etwa keine Hilfe an, liefern bloß knappe Antworten oder geben der Serien-Hauptrolle Emily keine Auskunft. Anja sagt dazu: «Ein Mensch wird immer so behandelt wie er andere Menschen behandelt.» Ist Emily also selbst Schuld? Das Model findet jedenfalls: «Meiner Erfahrung nach sind Franzosen und Französinnen nicht unhöflich. Sie sind bloß sehr direkt.»

Klischee: Franzosen sind hoffnungslose Romantiker

Wenn die amerikanischen Produzentinnen und Produzenten eines über Paris zu wissen scheinen, dann, dass der Ort als die Stadt der Liebe gilt. So werden die Männer meist als gutaussehende, romantische Sex-Götter dargestellt, die nicht besonders viel von Treue halten. Die Frauen wiederum laufen in der Serie Tag und Nacht in High Heels, teuren Designer-Klamotten und mit perfekt gestylten Haaren umher.

«Das Leben in Frankreich ist vor allem Croissants und Sex», heißt es in der Serie. Doch ob das stimmt? Diese Frage lässt Anja offen – und antwortet schlicht: «Ich war in Paris immer nur, um zu arbeiten.»

(L'essentiel/Lara Hofer)

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