Von Markow bis Kim Jong-nam – Die spektakulärsten Giftanschläge
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Von Markow bis Kim Jong-namDie spektakulärsten Giftanschläge

Kim Jong-nam wurde mit Nervengift getötet. Der Fall erinnert an weitere Verbrechen in der jüngeren Geschichte.

Giftmorde sind ein Bestandteil der realen Spionagewelt, so wie James Bonds Lizenz zum Töten in die Fiktion gehört. Bei dem bulgarischen Dissidenten Georgi Markow wurde 1978 das Gift Rizin benutzt, bei Kim Jong-nam, dem Halbbruder des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong-un, wurde das Nervengift VX zum Verhängnis. Hier ein kurzer Überblick über einige spektakuläre Fälle:

Kim Jong-nam
Der in Ungnade gefallene Halbbruder des nordkoreanischen Staatschefs wurde am 14. Februar inmitten anderer Reisender auf dem Flughafen von Kuala Lumpur mit einem chemischen Spray besprüht. Nach Angaben der malaysischen Ermittler entpuppte sich die Substanz als das Nervengift VX. Kim Jong-nam zeigte schnell Krankheitssymptome und starb noch auf dem Weg ins Krankenhaus. Den Sanitätern sagte er zuvor noch, dass er von zwei Frauen mit etwas besprüht worden sei.
Aufnahmen von Überwachungskameras sollen den Anschlag auf den Halbbruder von Nordkoreas Diktator Kim Jong-un zeigen. Die malaysische Polizei hat bisher nicht Nordkorea als Auftraggeber des Giftmords bezeichnet. Ermittlern zufolge haben aber vier Nordkoreaner den Frauen das Gift gegeben.

Alexander Litwinenko
Dem ehemaligen russischen Geheimdienstagenten wurde am 1. November 2006 in einem Londoner Hotel ein Tee mit einer tödlichen Dosis Polonium-210 gereicht. Drei Wochen später starb er an akuter Strahlenkrankheit. Zehn Jahre danach, im Januar 2016, kam ein britischer Richter zu dem Schluss, dass der russische Präsident Wladimir Putin möglicherweise persönlich einen Plan des Geheimdienstes FSB zur Ermordung Litwinenkos gebilligt habe. Litwinenko, ein Kreml-Kritiker, hatte noch auf dem Totenbett diesen Vorwurf erhoben. Bis heute wurde niemand wegen der Tötung Litwinenkos zur Rechenschaft gezogen.

Wiktor Juschtschenko
Im September 2004 wurde der damalige ukrainische Präsidentschaftskandidat von einer schweren Dioxinvergiftung aus seinem Wahlkampf katapultiert. Juschtschenko überlebte, sein Gesicht war allerdings von der fast tödlichen Dosis gezeichnet. Mit der Orangenen Revolution kam er schließlich doch noch ins Präsidentenamt. Im Oktober 2005 wurde offiziell ein Mordversuch gegen Juschtschenko festgestellt und der ukrainische Generalstaatsanwalt Swjatoslaw Piskun dafür verantwortlich gemacht.

Chaled Maschaal
Agenten des israelischen Geheimdienstes Mossad sprühten dem Führer der militanten palästinensischen Hamas-Bewegung 1997 eine Substanz in ein Ohr, als er in Amman spazieren ging. Es wurde vermutet, dass es sich um ein dem Schmerzmittel Fentanyl ähnliches Mittel gehandelt hatte. Maschaal überlebte, weil der jordanische König Hussein damit drohte, die gefangen genommenen Mossad-Agenten auf einem Platz der Hauptstadt öffentlich hängen zu lassen, sollte Israel kein Gegenmittel liefern. Israel lieferte, und der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu sah sich auch noch gezwungen, etliche palästinensische Gefangene im Austausch gegen die Mossad-Agenten freizulassen.

Georgi Markow
Der bulgarische Dissident wartete im September 1978 an einer Haltestelle an der Londoner Waterloo Bridge auf den Bus, als er einen Stich in den Oberschenkel verspürte. In der Spitze eines Regenschirms war ein Rizin-Kügelchen in Stecknadelgröße versteckt, das ihm injiziert wurde, wie britische Forscher herausfanden. Der Journalist und Regimekritiker starb nach vier Tagen. Für seinen Tod wurde nie jemand zur Verantwortung gezogen. Es war einer der berühmtesten Mordfälle des Kalten Kriegs. Über den Verdacht, dass wohl der sowjetische Geheimdienst KGB und die bulgarische Geheimpolizei dahintersteckten, kam man damals nicht hinaus.

(L'essentiel/woz/NXP)

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