Zugverkehr in Luxemburg – «Die Straße ist noch gefährlicher als die Schiene»

Publiziert

Zugverkehr in Luxemburg«Die Straße ist noch gefährlicher als die Schiene»

LUXEMBURG - Eine Woche nach dem tödlichen Zugunglück läuft der Bahnverkehr zwischen Luxemburg und Thionville wieder an – der Schock ist manchen Pendlern noch anzumerken.

Die Züge von Frankreich nach Luxemburg waren am Dienstag prall gefüllt. Doch viele Reisende äußerten Verständnis für die Engpässe nach dem fatalen Zugunglück.

Die Züge von Frankreich nach Luxemburg waren am Dienstag prall gefüllt. Doch viele Reisende äußerten Verständnis für die Engpässe nach dem fatalen Zugunglück.

L'essentiel

Nach dem tödlichen Bahncrash bei Düdelingen ist der Zugverkehr zwischen Luxemburg und Thionville am Dienstagmorgen wieder teilweise angelaufen. Einige Pendler hatten jedoch ein mulmiges Gefühl im Bauch. «Ich habe mich normalerweise immer in den ersten Waggon hinter den Lokführer gesetzt. Heute morgen bin ich allerdings in den zweiten Waggon eingestiegen», erzählt Albane, 40, bevor er am Hauptbahnhof Luxemburg in den Zug einsteigt.

«Ich bin mir sicher, dass alle Sicherheitsvorkehrungen getroffen wurden, bevor die Strecke freigegeben wurde. Das CFL-Personal ist sehr freundlich und arbeitet effizient», sagt Albane, der in Luxemburg wohnt und im Gegensatz zu den allermeisten Bahnreisenden auf der Strecke zum Arbeiten nach Frankreich pendelt. Die meisten, die von Luxemburg in Richtung Thionville reisen, haben weitere Strecken vor sich. So wie Claire, 20, die zu ihrer Universität fährt.

Züge überfüllt

In der entgegengesetzten Fahrtrichtung sah die Sache schon anders aus. «Der Zug ist winzig», sagen die Pendlerinnen Gaëlle, 29, und Anissa, 22, die in den völlig überfüllten Abteilen kaum Sitzplätze gefunden haben. Weil die SNCF keine Züge nach Luxemburg schickten, muss die CFL den Bahnbetrieb an diesem Dienstag alleine stemmen. Das führt natürlich zu Engpässen. «Der erste Zug am Morgen war komplett voll, wir mussten auf den nächsten warten. Wir haben flexible Arbeitszeiten, aber nicht alle Beschäftigten haben diese Möglichkeit.»

Viele Bahnreisende begegnen den Unannehmlichkeiten auf der Fahrt nach Luxemburg trotzdem mit Gelassenheit. Bei der Abfahrt in Hettange-Grande (F) löst ein Lokführer Gelächter unter den Fahrgästen aus, als er sie bittet, noch näher zusammenzurücken, um weitere Passagiere einsteigen zu lassen. «Es ist traurig, dass es im Jahr 2017 noch tödliche Bahnunfälle gibt. Der Zug ist unsere einzige Alternative. Der Verkehr auf der Straße ist noch gefährlicher als der auf der Schiene», sagen Gaëlle und Anissa.

(Séverine Goffin/L'essentiel)

Deine Meinung