Releases der Woche – Die Streber von Alt-J holen sich ein Bad-Boy-Kostüm

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Releases der WocheDie Streber von Alt-J holen sich ein Bad-Boy-Kostüm

Die britischen Nerds haben plötzlich Swag und Muse spielen beim Abschlussball. Die Musik-News der Woche.

Hier präsentieren wir dir wöchentlich ein neues Album und ein frisches Musikvideo.

Album der Woche: Alt-J – «Reduxer»

Alt-J sind alles außer sexy. Das nasale Falsett von Sänger Joe Newman klingt häufig nach Jungenchor, die orientalischen Samples lösen Assoziationen zur World-Music aus und die sphärischen Flächen sprechen eher Radiohead-Nerds als Partytiger im Club an. Auf dem neuen Album «Reduxer», quasi einer Neuauflage des Vorgängers «Relaxer» (2017), borgen sich die Briten nun die Coolness von Rappern und Soundtüftlern aus allen musikalischen Himmelsrichtungen.

Der Begriff Remix-Album wird «Reduxer» nicht ganz gerecht: Die neuen Versionen basieren auf alten Aufnahmen, die aber auf den Kopf gestellt werden. Im Zentrum stehen die neuen Stimmen, die Alt-J wie ein völlig anderer Act klingen lassen. Pusha-T übernimmt den Lead in «In Cold Blood», der Franzose Lomepal gibt «3WW» einen souligen Twist und mit Kontra K ist auch ein deutscher Rapper mit an Bord.

Jeder von ihnen hat mehr Attitude im kleinen Finger als die gesamte Alt-J-Besetzung zusammen. Frontmann Newman streut nur vereinzelt seine ursprünglichen Zeilen ein, damit man die Songs überhaupt noch erkennt.

In der neuen Version von In Cold Blood hilft der Berliner Kontra K Alt-J aus. (Video: Youtube / Alt-J)

Statt Klacker-Percussion hört man Trap-Beats, statt nebliger Gitarren 808-Bässe, statt eines jaulenden Hundes Hip-Hop-Swag. Mit «Reduxer» sprechen Alt-J eine völlig neue Zielgruppe an und fordern ihre Fan-Base heraus. Das Umstyling der Songs lässt die Streber fast schon aussehen wie Bad Boys; und das kann einer Band, die sich im Kunststudium kennengelernt hat, grundsätzlich nie schaden.

Video der Woche: Muse beim Abschlussball

Anfang November erscheint mit «Simulation Theory» das neue Muse-Album. Die bisher veröffentlichten Videoclips erinnern alle an «Stranger Things» und auch «Pressure» steckt voller 80s-Sci-Fi. Muse treten an einem Highschool-Abschlussball auf, der eskaliert, nachdem plötzlich Monster auftauchen. Zum Glück hat Gaststar Terry Crews eine Laserkanone dabei.

«Who you gonna call? Matt Bellamy!» Das neue Muse-Video steckt voller 80s-Referenzen. (Video: Youtube / Muse)

(L'essentiel/nei)

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