Ceuta und Melilla – Die Symbole der «Festung Europa» in Marokko

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Ceuta und MelillaDie Symbole der «Festung Europa» in Marokko

Immer wieder versuchen Flüchtlinge, die spanischen Exklaven in Marokko zu erreichen. Die EU-Außengrenze in Afrika steht seit Jahren unter Dauerdruck.

Wenn die Namen Ceuta oder Melilla in den Schlagzeilen auftauchen, hat das immer denselben Grund: Flüchtlinge, meist aus Sub-Sahara-Afrika versuchen, erfolgreich oder nicht, die massiven Grenzzäune zwischen den spanischen Exklaven und Marokko zu überwinden. Solche Versuche hat es in den vergangenen zehn bis fünfzehn Jahren immer wieder gegeben, in kurzer Abfolge in den letzten Monaten, zuletzt am vergangenen Wochenende.

Die beiden spanischen Städte stehen seit Jahren symbolisch für den Begriff der «Festung Europa», wie er im Zusammenhang mit den Migrationsströmen, die Richtung EU drängen, oft gebraucht wird. Denn Ceuta und Melilla sind die einzigen Landgrenzen zwischen Europa und Afrika und darum ständiger Gegenstand von Konflikten, Diskussionen und eben Versuchen von Flüchtlingen, EU-Boden zu betreten.

Marokko profitiert von der Grenze mit der EU

Die beiden Exklaven stellen die EU zwar regelmäßig vor Probleme, weil sie Schengen-Außengrenzen sind und Spanien immer wieder auf Unterstützung aus Brüssel drängt. Deren Status als spanisches und damit europäisches Territorium ist jedoch mehr oder weniger unbestritten. Zwar hat Marokko nach seiner Unabhängigkeit 1956 einen Gebietsanspruch auf die beiden Städte erhoben, aber nie konkrete Schritte unternommen, um sich die Küstenstädte einzuverleiben – unter anderem, weil Marokko vom Handel über die Landgrenze zu Spanien und zur EU profitiert.

Dass diese Gebiete im Zuge der Entkolonialisierung nicht an Marokko gingen, hat damit zu tun, dass sie nie offizielle Kolonien oder Teil einer Kolonie waren. Der Anspruch Spaniens auf Ceuta und Melilla ist älter als die Kolonialisierung Nordafrikas. Schon im 15. Jahrhundert eroberten Spanier die damaligen Berber-Städte als Stützpunkte in ihrem Kampf gegen Piraten. Sie wurden darum gar nie als marokkanisch betrachtet.

Für die rund 84.000 Einwohner von Ceuta ist sowieso klar, dass sie Spanier sind. «Wir sind so spanisch wie die Menschen in Madrid oder Valencia», sagte eine 30-jährige Frau einst gegenüber dem britischen «Telegraph», «es wäre undenkbar zu versuchen, die Stadt an Marokko abzutreten.» Dafür nehmen es die Spanier auch in Kauf, quasi in einer Festung eingesperrt zu leben.

Marokko hat seinen eigenen Stacheldrahtzaun gebaut

Zwar tauchen Ceuta und Melilla, wie eingangs erwähnt, meist nur bei großen Flüchtlingsanstürmen an den Grenzzäunen und -übergängen in den europäischen Medien auf, Flüchtlinge branden aber durchaus nicht nur in Wellen an diese Grenze. In den Waldgebieten des Monte Gurugú nahe Melilla campieren das ganze Jahr über mehrere zehntausend Menschen. 2014 waren es laut dem «Spiegel» um die 30.000. Rund 2000 Menschen gelangten in jenem Jahr auf europäischen Boden.

Spanien und Marokko arbeiten im Bereich des Grenzschutzes und der Abwehr der Flüchtlingsströme zusammen. Die marokkanische Grenzpolizei hat seit 2005 die Zahl der Kontrollen in den Gebieten um Ceuta und Melilla stark ausgebaut. Immer wieder gab es sogar Vorwürfe, dass Flüchtlinge festgenommen und einfach an der Südgrenze des Landes in der Wüste ausgesetzt worden seien. Wie die «New York Times» 2014 schrieb, hat Marokko in einem Abstand von rund 500 Metern zum spanischen Grenzzaun ebenfalls eine Stacheldraht-Barriere errichtet.

(L'essentiel/ofi)

Grenz-Befestigungen

Die Grenzzäune bei Ceuta und Melilla existieren bereits seit 1993 – schon damals mehrheitlich durch die EU finanziert. Die Anlage wurde 1995 und 1998 weiter ausgebaut. 2005 wurde der Zaun außerdem von drei auf sechs Meter erhöht. Damals kam es auch zum ersten großen Sturm auf die Grenze. Mehrere Hundert Menschen versuchten die Zäune zu überwinden. Spanische und marokkanische Grenzwächter schossen mit Gummigeschossen und zum Teil mit scharfer Munition in die Menge, dabei kamen mindestens acht Menschen ums Leben. Weitere große Anstürme gab es in den Jahren 2008, 2012, 2013, 2014, 2016 und jetzt am Wochenende vom 17. bis 19. Februar.

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