Assad im Interview – «Die Welt wird einen hohen Preis zahlen»
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Assad im Interview«Die Welt wird einen hohen Preis zahlen»

Der syrische Machthaber Assad hat dem russischen TV-Sender RT ein exklusives Interview gewährt. Assad sieht sich als letzte Bastion gegen den Islamismus.

Die Familie Assad ist in Syrien seit über vierzig Jahren an der Macht: Ein Druse präsentiert Bilder von Bashar al-Assad (l.)und seinem Vater Hafiz.

Die Familie Assad ist in Syrien seit über vierzig Jahren an der Macht: Ein Druse präsentiert Bilder von Bashar al-Assad (l.)und seinem Vater Hafiz.

AFP

Lange hat er sich nicht zu Wort gemeldet, doch jetzt hat der syrische Machthaber Baschar al-Assad dem russischen Sender RT ein Interview gewährt. Dieses wird morgen Freitag, 9. November, ausgestrahlt. Einige Auszüge davon wurden aber bereits jetzt veröffentlicht. Assad nimmt in dem Interview unter anderem Stellung zur Möglichkeit einer ausländischen Intervention im syrischen Bürgerkrieg: «Wir sind die letzte Bastion von Säkularismus, Stabilität und Koexistenz in der Region (Koexistenz unter den vielen Ethnien und Konfessionen in Syrien, Anm. d. Red.). Ein Angriff wird einen Dominoeffekt in der Region auslösen, der die ganze Welt vom Atlantik bis zum Pazifik betreffen wird. Die gesamte Welt würde in Mitleidenschaft gezogen.»

Weiter sagte Assad: «Ich bin keine Marionette des Westens.» Er werde auch nicht in ein «westliches oder irgendein anderes» Land gehen führte Assad fort, als Antwort auf das Angebot des britischen Premiers David Cameron. «Ich bin Syrer. Ich bin in Syrien geboren, ich muss in Syrien leben, und ich werde auch hier sterben.» Er gehe nicht davon aus, dass es zu einer westlichen Intervention in seinem Land komme, sagte Assad weiter. «Sollte es dennoch dazu kommen, weiß niemand, was geschehen wird.» Der latent drohende Unterton manifestiert sich schließlich in der Aussage: «Der Preis einer westlichen Intervention wird hoch, so hoch, dass die ganze Welt ihn nicht zahlen können wird.»

Zum dritten Mal Granaten auf Golanhöhlen eingeschlagen

Derweil sind nach israelischen Angaben erneut syrische Mörsergranaten auf den Golanhöhlen eingeschlagen. Die drei Geschosse hätten niemanden verletzt, teilten die israelischen Streitkräfte mit. Es sei davon auszugehen, dass es sich bei dem Beschuss um ein Versehen gehandelt habe. Es war allerdings bereits das dritte Mal innerhalb einer Woche, dass die Grenze auf dem Golan von syrischer Seite aus verletzt wurde.
Erst am Samstag waren drei syrische Kampfpanzer in die Zone eingedrungen, in der sich nach dem Waffenstillstandsabkommen von 1974 nur UNO-Truppen aufhalten dürfen.

Trotz einer Beschwerde Israels bei den Vereinten Nationen wurden sie erst vier Tage später wieder abgezogen. Israel betonte allerdings, der Vormarsch der Panzer sei nicht gegen das eigene Land gerichtet gewesen. Nach syrischen Angaben sollten sie dort syrische Rebellen bekämpfen. Auch ein israelisches Armeefahrzeug war am Montag von verirrten Kugeln aus Syrien getroffen worden.

Neue Flüchtlingswelle in die Türkei

In Syrien selbst haben schwere Kämpfe zwischen Regierungstruppen und Rebellen im Nordosten Syriens zu einer neuen Flüchtlingswelle über die Grenze in die Türkei geführt. Die Gefechte seien am Donnerstag in der Provinz Al Hasaka nur einige hundert Meter von der türkischen Grenzstadt Ceylanpinar ausgebrochen, meldete die amtliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu. Viele Bewohner der Region flüchteten in die Türkei.

In einem Video der Nachrichtenagentur Dogan waren Menschen zu sehen, die in Panik davonrannten und Schutz suchten. Auf türkischer Seite verstärkten die Streitkräfte die Sicherheitsvorkehrungen an der Grenze. Indessen stoppten die türkischen Behörden am Donnerstag erneut ein Flugzeug aus Armenien, das auf dem Weg nach Syrien war, um sicherzustellen, dass keine militärische Ausrüstung an Bord war.

(L’essentiel Online / gux)

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