Patagonien – Diese Königspinguin-Kolonie hat sich verirrt

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PatagonienDiese Königspinguin-Kolonie hat sich verirrt

Königspinguine existierten bisher lediglich in der Antarktis und im Zoo. Nun lebt in Chile eine Kolonie, die man selbstständig besuchen kann.

Es ist eine aufwendige Reise, die Pinguinliebhaber und Wildlife-Fans bis anhin antreten mussten, wenn sie den zweitgrößten Pinguin der Welt, den Königspinguin, fast hautnah und außerhalb eines Zoos erleben wollten. Sie mussten in die Antarktis reisen, nach Südgeorgien oder auf die Falklandinseln. Das ist vor allem teuer: Diese abgelegenen Orte lassen sich nämlich nur an Bord eines Expeditionsschiffes besuchen.

Auf dem Patagonien-Roadtrip

Seit einigen Jahren aber existiert eine neue Möglichkeit, um Königspinguine in freier Wildbahn zu beobachten. Und sie ist fast komplett auf dem Landweg zu erreichen (samt einer kurzen Fahrt mit der Autofähre vom Fest- nach Feuerland): die Königspinguin-Kolonie der Bahía Inútil, ganz im Süden von Chile. Die Region heißt Patagonien, die Insel Feuerland.

Natürlich, Feuerland befindet sich auch nicht gerade ums Eck. Aber wer ohnehin auf einem Roadtrip durch Patagonien unterwegs ist, kann sich hiermit eine weitere vorzügliche Destination für die Planung notieren.

Die nutzlose Bucht

Wie aber kamen die Königspinguine nach Chile? Biologen würden sagen: Königspinguine waren eigentlich schon immer da, dies zeigt auch ihr lateinischer Name: Aptenodytes patagonicus. Bloß in letzter Zeit nicht. Knochenfunde deuten darauf hin, dass Kolonien dieser großen Pinguinart bereits seit Jahrhunderten auf Feuerland lebten.

In den letzten Jahrzehnten wurden immer wieder einzelne verirrte Königspinguine in Patagonien gesichtet. Aber erst 2010 siedelte sich eine Gruppe in der Bahía Inútil an. Warum? Das kann verschiedene Gründe haben. Vielleicht kamen sie bei einem Sturm vom Kurs ab, vielleicht folgten sie Fischschwärmen.

Ironischerweise bedeutet der Name der Königspinguin-Meeresbucht an der Magellanstraße «nutzlose Bucht». Dies, weil sie für das Anlegen von Schiffen ungeeignet ist und keinen Schutz bietet. Für die Königspinguine ist sie alles andere als unnütz. Die Kolonie zählt heute etwa 90 Individuen.

Der Parque Pingüino Rey

Ein Jahr, nachdem sich die Pinguine niedergelassen hatten, wurde zum Schutz der Kolonie der Parque Pingüino Rey gegründet. Das Ziel: ihnen ein so natürliches Leben wie nur möglich zu ermöglichen. Für Besucher heißt das: Abstand halten. Die Wege sind klar markiert, beobachtet wird durch Schlitze in großflächigen Holzwänden.

Nichtsdestotrotz: An diesem abgeschiedenen Ort die einzigen wild lebenden Königspinguine außerhalb der Antarktis zu beobachten, ist schlicht grandios.

(L'essentiel)

Trip-Tipp:

Die Besucherzahl im Parque Pingüino Rey ist limitiert. Am besten, man meldet sich vorher bereits online an. Montags ist der Park geschlossen. Der Eintritt kostet 12.000 Chilenische Pesos. Wer mit dem Auto anreist, sollte jede Möglichkeit zum Tanken nutzen. Die Anfahrtsstraße besteht aus Schotter.

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