Thanatophobie – Diese Menschen haben echt Angst vor dem Ende
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ThanatophobieDiese Menschen haben echt Angst vor dem Ende

LUXEMBURG - Für die einen ist der Weltuntergang am Freitag ein Scherz, anderen bereitet er Panik-Attacken. Denn die Angst vor dem Tod kann krankhaft sein.

«Ich habe Angst! Ich mache mir in die Hose! Ich will nicht daran denken, aber die Zeitungen und das Fernsehen lassen mich ständig daran denken.» Mit diesen Worten hat «Lucky» einen Artikel zu den Spekulationen um den Weltuntergang am 21. Dezember auf L’essentiel Online kommentiert. «Lucky» gehört nicht zu den Personen, die mit einem Augenzwinkern über das Ende der Welt sprechen können. Wie viele andere, leidet sie unter Todesängsten. Diese Krankheit gibt es wirklich und sie heißt: Thanatophobie.

Auch Marco ist betroffen: «Mit einem Countdown bis zum vermeintlichen Weltuntergang zu zählen, mag ein humoristischer Einfall von «L’essentiel Online» sein, aber Leute wie ich, die unter Thanatophobie leiden, können nicht darüber lachen», erklärt der 22-Jährige. Seit der junge Mann 2008 ganz plötzlich seinen Großvater verloren hat, leidet er unter Panikattacken. «Ich wache schweißgebadet auf und schreie. Das kommt einfach so über mich», berichtet Marco. Dann beruhige er sich auch schnell wieder, aber die Angst vor dem Tod «habe ich immer im Hinterkopf».

«Weltuntergang kann zur Obsession werden»

«Der Weltuntergang kann für jemanden, der unter Angststörungen leidet, zu einer wahren Obsession werden», erklärt Dr. Charles Pull vom Labor für mentale Störungen in Luxemburg. Auch sonst birgt die Nachrichtenlage viele Themen, die Angstzustände hervorrufen können: «Ein Attentat, ein Flugzeugabsturz oder ein Amoklauf wie in den USA können die Ängste zusätzlich stimulieren», weiß der Experte.

Klopft ein Patient an die Tür des Arztes mit der Bitte um Beistand wegen des Weltuntergangs, dann versucht dieser es mit einer Portion Philosophie: «Wenn die Mayas das Ende der Welt wirklich vorhergesagt haben, dann können wir daran nichts ändern. Es nützt also nichts, sich unnötige Sorgen zu machen.»

Eine Krise am 21. Dezember?

Ob das einen verängstigten Patienten tatsächlich beruhigt, ist aber zweifelhaft, denn, so erklärt Dr. Pull: Die Angst vor dem Tot ist schwieriger zu behandeln als andere Phobien. «Wer Angst vor Spinnen hat oder vor dem Fliegen, der kann die Konfrontation damit vermeiden. Beim Tod ist das unvermeidbar.»

Angstzustände lindern kann zum Beispiel an den Buddhismus angelehnte Meditationstechnik. So hat Marco gelernt, sich ohne Hilfe anderer zu beruhigen: «Ich denke dann an schöne Dinge», erklärt der Informatik-Student. Aber die Angst kann jederzeit wiederkommen: «Ich könnte am 21. Dezember die Krise bekommen, aber das lässt sich nicht vorhersagen.»

(Nastassia Solovjovas/L'essentiel Online)

Wann ist die Angst vor dem Tod eine Thanatophobie?

«Es gibt Menschen, die leichter Phobien erleiden als andere», weiß Dr. Charles Pull. Dies kann genetisch bedingt sein oder mit Erlebnissen der Person zu tun haben. «Eine Phobie tritt oft auf, wenn ein geliebter Mensch plötzlich verstirbt oder jemand vor den eigenen Augen stirbt.» Und auch die Erziehung trägt ihren Teil dazu bei.

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