Arbeitsrecht: Diese Regeln gelten bei der Arbeit in Luxemburg

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ArbeitsrechtDiese Regeln gelten bei der Arbeit in Luxemburg

TRIER – Dass eine Anstellung im Großherzogtum für Pendler und Grenzgänger viele Vorteile mit sich bringt, ist kein Geheimnis. Im Folgenden sind einige Aspekte zusammengefasst, die das luxemburgische vom deutschen Arbeitsrecht unterscheiden.

von
Jana Knoblich
Wenn ein Luxemburger Arbeitnehmer heiratet, müssen ihm drei Tage Sonderurlaub bewilligt werden. (Symbolbild)

Wenn ein Luxemburger Arbeitnehmer heiratet, müssen ihm drei Tage Sonderurlaub bewilligt werden. (Symbolbild)

Pixabay

Derzeit steht Luxemburg an der Spitze der attraktivsten europäischen Staaten. Dort zu arbeiten, bringt so manche Vorteile für Pendler und Grenzgänger, wie eine gute Bezahlung und eine attraktive Besteuerung. Dennoch gibt es bei der Unterzeichnung des Arbeitsvertrags einiges im Hinterkopf zu behalten. «Vielen kommt Luxemburg nicht als Ausland vor. Aber im Arbeitsrecht erscheint uns einiges aus deutscher Sicht als unlogisch», zitiert der Trierische Volksfreund den deutsch-luxemburgischen Steuerexperten Stephan Wonnebauer.

Die Unterschiede fangen beim Lohn an. In Luxemburg liegt der nicht qualifizierte Mindestlohn bei monatlich 2313,38 Euro. Auf dessen Basis werden oft Ladenhilfen eingestellt, denn den Ausbildungsberuf des Verkäufers oder der Verkäuferin kennt man dort nicht, so Wonnebauer gegenüber dem Trierischen Volksfreund (Bezahlschranke). Wer höher qualifiziert ist und sich dennoch auf eine Hilfstätigkeit bewirbt, der wird auch nur für diese bezahlt. Eine im Nachhinein offenbarte Qualifikation berechtigt nicht zum Erhalt des qualifizierten Mindestlohns, welcher bei 2776,05 Euro im Monat liegt.

Weiterhin sei in den meisten Arbeitsverträgen ein Luxemburger Ort als Arbeitsstandort festgeschrieben. Ergo muss, wer – wenn auch nur vorübergehend – ins Ausland nach Berlin oder Madrid oder sonst wohin versetzt werden soll mit einer maßgeblichen Veränderung im Arbeitsvertrag rechnen. Wenn der Arbeitnehmer in die Versetzung einwilligt, muss der Arbeitgeber weiterhin nur den vereinbarten Bruttolohn zahlen. Die sozialversicherungs- und steuerrechtlichen Nachteile, die bei einer Versetzung entstehen, muss der Arbeitnehmer ausbaden.

Überstunden müssen beantragt werden.

In Luxemburg sind gesetzlich 26 Tage Urlaub bei einer Fünf-Tage-Woche vereinbart. Laut Stephan Wonnebauer sollen diese «grundsätzlich auch in dem Jahr genommen werden, da sie sonst verfallen». Es gebe aber auch Sondervereinbarungen. Hier gelte es noch zu beachten, dass angehäufte Urlaubstage aus mehreren Jahren die Dauer des ausgezahlten Arbeitslosengeldes bei einer Kündigung um die entsprechenden Tage verkürzen.

Wenn Arbeitnehmer Überstunden machen wollen/müssen, dann müsste der Arbeitgeber diese offiziell bei der Inspection du Travail et des Mines (ITM) beantragen. Laut Wonnebauer haben die offiziell genehmigten Überstunden einen bestimmten Vorteil: «Sie sind steuerfrei und können eins zu 1,5 abgefeiert werden. Geht das nicht, müssen Überstunden mit plus 40 Prozent ausgezahlt werden». Da eine Zeiterfassung grundsätzlich vorgeschrieben sei, liege die Beweispflicht für inoffizielle Überstunden beim Arbeitnehmer. Allerdings würden dann dieselben Regeln greifen, wie beim Urlaub. «Wird der Arbeitsvertrag gekündigt, werden Überstunden in Urlaubsansprüche umgewandelt, die die Auszahlung des Arbeitslosengeldes für diese Zeit sperrt», so Wonnebauer.

In Bezug auf Sonderurlaub verhält sich das Großherzogtum sehr großzügig. Für eine Hochzeit oder die Eintragung einer Lebenspartnerschaft werden dem Arbeitgeber drei Tage Urlaub gewährt. Sogar für Bewerbungsgespräche muss dem Arbeitgeber ein Tag Sonderurlaub bewilligt werden.

Keine «grundlose Befristung» wie in Deutschland

Arbeitsverträge sind in Luxemburg im Regelfall unbefristet. Auf Befristungen kann in Ausnahmefällen zurückgegriffen werden. Zum Beispiel, wenn ein Unternehmen nur für einen befristeten Zeitpunkt bedarf an zusätzlicher Arbeitskraft hat. Eine «grundlose Befristung» wie sie in Deutschland verbreitet ist, gibt es in Luxemburg nicht,

Die Probezeit von zwei Wochen bis zu sechs Monaten kann nicht verlängert werden. Eine Krankheit unterbricht allerdings die Probezeit, wodurch sie verlängert wird.

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