Gegenbewegung: Diese Teenager leben ganz ohne Handy und Social Media

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GegenbewegungDiese Teenager leben ganz ohne Handy und Social Media

In New York treffen sich Schüler und Schülerinnen, die eines gemeinsam haben: Sie alle wurden ihre Handys freiwillig los. Die Bewegung gewinnt jedes Mal mehr Anhänger.

von
Karin Leuthold
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Eine Gruppe Schüler und Schülerinnen trifft sich jeden Sonntag in einem Park im New Yorker Vorort Brooklyn.

Eine Gruppe Schüler und Schülerinnen trifft sich jeden Sonntag in einem Park im New Yorker Vorort Brooklyn.

Screenshot Youtube/Lynn Ma
Die Teenager haben ihre Handys aufgegeben. Viele benutzen ein altes Klapphandy ohne Internetzugang.

Die Teenager haben ihre Handys aufgegeben. Viele benutzen ein altes Klapphandy ohne Internetzugang.

Screenshot Youtube/Lynn Ma
Die Gruppe nennt sich «Luddite Club» – der Begriff «Luddite» bezeichnet diejenigen, die Technologie verweigern.

Die Gruppe nennt sich «Luddite Club» – der Begriff «Luddite» bezeichnet diejenigen, die Technologie verweigern.

Screenshot Youtube/Lynn Ma

Logan, Jameson, Odille und Lola treffen sich jeden Sonntag in einem Park in Brooklyn. Egal, ob es regnet, windet oder schneit. Die Teenager-Gruppe sitzt einfach im Kreis zusammen, jemand erzählt von einem spannenden Buch, andere über ihre Hobbys. Sie alle haben ihre Smartphones aufgegeben und führen ein Leben ohne Social Media. Diese Jugendlichen sind Mitglieder des «Luddite Club» – der Begriff «Luddite» bezeichnet diejenigen, die Technologie verweigern.

Highschool-Schülerin Lola Shub bezeichnet sich selbst als ehemalige «Screenagerin». Selfies und gedankenloses Scrollen durch soziale Medien gehörten zu ihrem Alltag, bevor sie die Gruppe an der Murrow High School traf, sagt sie zu «Business Insider». Lola und eine Freundin schlossen sich dem «Luddite Club» sofort an. Ihre Freundin verzichtet aktuell ganz auf ihr Smartphone, Lola tauschte ihr iPhone gegen ein Klapphandy ohne Internetzugang ein. Wer Mitglied der Gruppe werden will, muss diese einzige Regel befolgen: keine Smartphones.

Soziale Medien bergen Suchtgefahr

Die Teenager treffen sich immer am selben Ort, vor der Bibliothek des Prospect Parks, immer zur selben Zeit. «Wir haben keinen Kontakt zueinander, also muss man kommen», erklärt Odille der «New York Times». Oft bringt jemand eine Gitarre mit, und wenn alle da sind, gehen sie im Park laufen. «Im Sommer bringen wir Hängematten mit», fügt Club-Mitgründerin Logan hinzu.

Ihr erstes Handy bekam die 17-Jährige mit zehn, das erste Smartphone mit elf. Sie erstellte sofort ein Instagram-Profil und schlief beim Licht des Bildschirms ein. Auf Social Media bewunderte sie hübsche, gut gekleidete Mädchen. Im Vergleich zu ihnen fühlte sich Logan anders. In ihren Insta-Storys zeigte sie «zufällige Bilder», hinter denen aber enorm viel Planung steckte.

Logan war 14, als die Pandemie begann, ihr Konsum sozialer Plattformen schoss in die Höhe. Die Jugendliche konnte nicht mehr zwischen den Dingen unterscheiden, die sie tat, weil sie sie wollte, und den Dingen, die sie nur tat, um «lässige Bilder» davon posten zu können. 

Ein Leben ohne Smartphone – wäre das was für dich?

«Chemie im Gehirn» änderte sich

Den Verlust ihres Handys bezeichnet sie nun als Befreiung. Sie spürte in dem Moment, wie sich die «Chemie im Gehirn» veränderte. Sie begann wieder, Bücher zu lesen, war kreativer. Klar habe es auch Nachteile mit sich gebracht, erinnert sich Logan. Ab und zu fühlte sie sich sehr einsam. Ohne Smartphone zu leben, habe am Anfang ihren «sozialen Tod» bedeutet, gibt sie zu. Bis sie eines Abends an einem Konzert Jameson traf. Auch er hatte nur ein Klapphandy. Zwei Wochen später trafen sich die beiden erneut in der Bibliothek. Sie gingen in den Park und quatschten stundenlang – es war der Beginn des «Luddite Club».

Heute hat Logan keine Angst mehr, sozial ausgeschlossen zu werden. Sie habe das Gefühl, einen Teil von sich selbst wieder gefunden zu haben. Nur im Ausgang sei es kompliziert, ein Uber zu bestellen, meint sie. Da müsse sie zuerst ihre Eltern anrufen, damit sie das für sie tun.

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