Der letzte Tropfen – Diesen Wein trank Jesus zum Abendmahl
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Der letzte TropfenDiesen Wein trank Jesus zum Abendmahl

Beim letzten Abendmahl reichte Jesus seinen Jüngern Wein, den er als sein Blut bezeichnete. Experten haben nun eruiert, was wirklich in den Bechern war.

Es war am Donnerstag des jüdischen Pessachfestes im Jahr 30 oder 33, als Jesus mit den zwölf Aposteln das letzte Mahl vor seiner Kreuzigung feierte. Man weiß heute ziemlich genau, wo es stattfand, wer daran teilnahm und was gegessen wurde. Doch welchen Wein Jesus mit seinen Jüngern teilte, ist kaum erforscht. Geht gar nicht, dachten sich die Betreiber von Vivino, einer beliebten Online-Community für Weinliebhaber, und holten sich professionelle Hilfe.

Um etwas Licht ins önologische Dunkel zu bringen, haben die Vivino-Macher ein hochkarätiges Expertenteam auf den Fall angesetzt. Sie rekrutierten einen Theologieprofessor aus San Francisco, einen Bio-Archäologen aus Philadelphia, einen Professor für landwirtschaftliche Genetik und einen Weinkenner aus der Vivino-Community.

Süss und dick

Die Experten machten sich also an die Arbeit und trugen zahlreiche Hinweise zusammen. So hatte der Nahe Osten zu Zeiten Christi bereits eine jahrtausendealte Weinbautradition. Zwar weiß niemand, welche Traubensorten damals verwendet wurden, doch gehen die Experten davon aus, dass die Trauben an der Rebe oder auf Matten getrocknet wurden, um einen sehr süßen, dicken Wein zu erhalten. Dieser wurde dann oft noch mit Harzen gemischt, um ihn haltbar zu machen, sowie mit Granatapfel oder Zimt aromatisiert.

Welchem heutigen Erzeugnis würde dieser Rebensaft entsprechen? Laut Patrick McGovern, dem Bio-Archäologen des Teams, dürfte er am ehesten mit einem Amarone vergleichbar sein. Die norditalienischen Winzer trocknen die Trauben für den Amarone ebenfalls auf Strohmatten, bevor sie sie keltern. So entsteht ein süßer, schwerer, dunkler Wein, der durchaus vergleichbar ist mit den Weinen aus dem Heiligen Land.

Ganz sicher sind sich die Experten mit ihrem Urteil allerdings nicht. «Wir können nicht mit Sicherheit wissen, was in den Bechern beim letzten Abendmahl war», so McGovern. Doch er wäre durchaus bereit, neuen Hinweisen nachzugehen: «Wenn mir jemand den Heiligen Gral findet und ihn zu mir ins Labor schickt, könnten wir ihn analysieren und euch dann das Ergebnis mitteilen.»

(L'essentiel/jcg)

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