Gemeindewahlen – «Dieses Ergebnis hat niemand kommen sehen»

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Gemeindewahlen«Dieses Ergebnis hat niemand kommen sehen»

LUXEMBURG – Wie reagieren die Parteizentralen auf die Resultate der Kommunalwahlen? Wir haben uns bei den Chefs von CSV, DP, LSAP und Déi Gréng umgehört.

Die Gemeindewahlen sind geschlagen, für die Parteien gilt es nun die Ergebnisse zu analysieren. Die Schlussfolgerungen fallen jedoch in allen Lagern unterschiedlich aus.

Die CSV hält mit ihrer Freude nicht hinterm Berg. «Diese Wahlen waren selbstredend ein Erfolg», sagt der Parteivorsitzende Marc Spautz. «Wir haben in den Proporzgemeinden 209 von 600 Sitzen gewonnen.» In Bissen, Hesperingen, Rambruch, Habscht-Hobscheid und Clerf regieren die Christsozialen mit absoluter Mehrheit. Besonders stolz ist Spautz auf die Mandatseroberungen in Esch/Alzette und Luxemburg-Stadt. «Wir hatten auf zwei Sitze mehr gehofft, aber wir nicht gedacht, dass die LSAP so stark verliert», sagt Spautz zu L'essentiel. «Unsere Strategie mit jungen Kandidaten funktioniert.»

«Paradoxe» Situation in der Hauptstadt

Bei der DP ist man mit dem Ausgang der Kommunalwahlen nicht unglücklich. Parteipräsidentin und Familienministerin Corinne Cahen sagt auf Nachfrage, sie sei sogar «sehr zufrieden». Die Koalitionsgespräche seien im Gange, aber schon jetzt sei klar, «dass wir unsere zwei absoluten Mehrheiten in Mondorf und Bartringen behalten werden». In der Hauptstadt habe man schon im Vorhinein mit Verlusten gerechnet. «Aber wir sind sehr froh, dass wir Platz eins verteidigen konnten», so Cahen.

Auch bei Déi Gréng zieht man eine positive Bilanz. Ko-Parteipräsidentin Françoise Folmer zeigte sich «rundum zufrieden. Wir haben landesweit drei Prozentpunkte auf 16 Prozent zugelegt. Von Gemeinde zu Gemeinde gibt es aber Unterschiede». In Differdingen habe Roberto Traversini eine perfekte Kampagne geführt, findet Folmer. In der Hauptstadt sei die Situation «paradox», weil man mehr Stimmen geholt habe, aber dennoch Gefahr laufe, auf die Oppositionsbank verbannt zu werden. Folmer hat jedoch Hoffnung, dass sich die DP vielleicht doch noch bekehren lässt.

LSAP: «Das sah niemand kommen»

Ernüchterung herrscht im Lager der LSAP. Parteipräsident Claude Haagen spricht von «Ergebnissen, die keineswegs gut sind. Die CSV ist der klare Gewinner, wir haben nur Schadensbegrenzung betrieben». Der wiedergewählte Bürgermeister von Diekirch bedauert den Verlust der Hochburg Esch/Alzette: «Dieses Ergebnis hat niemand kommen sehen.» Lichtblicke gab es für die Sozialisten nur in Düdelingen, Diekirch und Mertert-Wasserbillig.

Alle sind sich einig, dass die Ergebnisse der Kommunalwahlen nichts mit den Chamber-Wahlen 2018 zu tun haben. «Da gibt es keinen Zusammenhang», sagt Corinne Cahen. Die Wahlsysteme seien auf Gemeinde- und Nationalebene verschieden, meint auch Claude Haagen. Und für Marc Spautz sind es «zwei Paar Schuhe». Der CSV-Parteichef gibt aber zu, dass die Resultate «uns Auftrieb geben». Françoise Folmer stellt zufrieden fest, dass die Akzeptanz für Déi Gréng in der Bevölkerung steige und die Bürger die Arbeit der Partei anerkennen.

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(Joseph Gaulier/L'essentiel)

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