Luxemburg – Diskriminierung erreicht 2020 neuen Rekord
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LuxemburgDiskriminierung erreicht 2020 neuen Rekord

LUXEMBURG – Das Zentrum für Gleichbehandlung hat 203 Fälle von Benachteiligung im Jahr 2020 bearbeitet. Mit 184 neuen Fällen ist das ein Allzeithoch.

Besonders häufig wurden Fälle von Diskriminierung aufgrund einer Behinderung gemeldet.

Besonders häufig wurden Fälle von Diskriminierung aufgrund einer Behinderung gemeldet.

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Die Unterstützung für die Opfer von Diskriminierung nimmt zu, die Toleranz ab und das Gesetz gibt Betroffenen mehr Handhabe. Bis Diskriminierung ganz aus dem Alltag in Luxemburg verschwunden ist, wird es allerdings noch einige Zeit dauern. Das belegen auch die Zahlen, die das Zentrum für Gleichbehandlung (CET) am Donnerstag mit seinem Jahresbericht vorgestellt hat. So wurden 203 Fälle im Jahr 2020 bearbeitet. 19 die aus dem Vorjahr übrig geblieben waren und 184 neue Fälle. Gleichzeitig legen Zahlen des Diskriminierungsbarometer 2020 nahe, dass die Dunkelziffer bei Diskriminierung weitaus höher liegt. Laut der Erhebung hätten 20 Prozent der Befragten angegeben, dass sie sich in der Vergangenheit diskriminiert gefühlt hätten. Jedoch gaben nur 10 Prozent an, diese auch angezeigt zu haben. Zwei Drittel der Betroffenen hatten nichts unternommen.

Am häufigsten wurden Menschen aufgrund einer Behinderung benachteiligt (49 Fälle). Danach folgt die Diskriminierung wegen der ethnischen Herkunft in 44 Fällen und auf Basis des Geschlechts in 39 Fällen. Laut CET hingen 15 Prozent der Fälle mit der Pandemie zusammen. Die Beschwerdeführer sahen sich etwa in ihrem Zugang zur Kommunikation eingeschränkt, beklagten Verzögerungen bei Verfahren. Insgesamt seien viele Menschen durch die sich ständig ändernden Bedingungen verunsichert gewesen, gibt das CET in seiner Mitteilung an.

45 Stellenanzeigen beanstandet

Stellenanzeigen sind in Luxemburg eine Quelle für Ungleichbehandlung. Daher nehmen die Mitarbeitenden des Zentrums regelmäßig Stellenanzeigen in den Alltagsmedien unter die Lupe. Letztes Jahr verstießen 45 Anzeigen gegen den Grundsatz der Gleichbehandlung. Das Ergebnis sei jedoch positiv zu werten. So sei die Zahl der diskriminierenden Anzeigen über die Jahre hinweg stetig gesunken.

Im Jahr 2020 hätten sich insbesondere Menschen über 51 Jahre an das CET gewendet. 39 Prozent der Fälle betreffen Menschen mit luxemburgischer Staatsangehörigkeit und 56 Prozent sind EU-Bürger, die sich benachteiligt sehen. Jeder zehnte gemeldete Fall ist nach Angaben des CET eingestellt worden. Die Diskriminierung konnte in diesen Fällen entweder nicht nachgewiesen werden oder das Gesetz war auf diese nicht anwendbar.

(hoc/nc/L'essentiel)

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