Anschlagsangst an EM – Doppelte Ringe und offene Jacken gegen Terror

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Anschlagsangst an EMDoppelte Ringe und offene Jacken gegen Terror

Bald ist EM in Frankreich. Zum geltenden Ausnahmezustand kommt ein gigantisches Sicherheitsaufgebot. Denn allen ist klar: «Wir dürfen uns nicht sicher fühlen.»

Der Ball ist rund, das Spiel dauert 90 Minuten – und die Terrorgefahr ist allgegenwärtig. So könnte man Sepp Herbergers berühmtes Bonmot für die EM 2016 abändern.

Denn ab 10. Juni heißt es in Frankreich nicht nur 51-mal Anpfiff, sondern auch: 10.000 private Sicherheitskräfte, 300 Polizisten aus 23 Ländern, zigtausende Polizisten und Soldaten aus Frankreich selbst, Anti-Terroreinheiten und Geheimdienstmitarbeiter aus dem In- und Ausland. Das Ziel für sie heißt: Innerhalb von 20 Minuten auf jeden Terrorangriff reagieren, egal wo im Land dieser geschieht.

Doppelte Sicherheitsringe und geöffnete Jacken

Was für einen gigantischen Umfang die Sicherheitsvorkehrungen während des drittgrößten Sportereignisses der Welt erreichen, macht Jacques Lambert, Präsident des EM-Organisationskomitees, im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen» (FAZ) deutlich.

Die Stadien in Paris, Saint-Denis, Lens, Lille, Bordeaux, Toulouse, Marseille, Nizza, Lyon und Saint-Etienne sind jeweils von zwei Sicherheitsringen umgeben, vor denen private Sicherheitskräfte beide Male Tickets kontrollieren.

Es gibt mobile Barrieren, Metalldetektoren vor den Stadioneingängen, Videokameras. Weit vor dem Eingang müssen die Zuschauer ihre Jacken öffnen – wohl das deutlichste Zeichen der Angst vor potenziellen Selbstmordattentätern. Sogenannte Spotters, die Gefahrengruppen schnell ausmachen, sind doppelt und dreifach präsent.

Und dann gibt es noch die Fanzonen. Zwei Drittel der erwarteten 10 Millionen Fans werden sich die Spiele in diesen Bereichen anschauen. Die größte Fanzone ist in Paris, am Fuße des Eiffelturms, und fasst 90.000 Zuschauer. «Die Sicherheit in den Fan-Meilen, die in der Verantwortung der Städte liegt, wird im Prinzip mit dem gleichen System garantiert, also mit doppeltem Sicherheitsring», so OK-Chef Lambert.

«Es ist nicht einfach»

Sicherheit in diesem Umfang zu gewährleisten, das kostet Zeit. Das weiß auch Lambert: «Der doppelte Sicherheitsring hat zur Folge, dass der Einlass ins Stadion etwas länger dauern wird. Wir öffnen die Stadien rund drei Stunden vor Spielbeginn.»

Auf die Frage, ob so denn überhaupt Fußball-Feierstimmung aufkommen könne, sagt Lambert: «Unsere Aufgabe ist, dafür zu sorgen, und es ist nicht einfach.»

«Wir dürfen uns nicht sicher fühlen»

Dass Frankreich Ende Juni zu einer Bastion der Sicherheit wird, daran müssen sich wohl eher die Touristen gewöhnen. Für die Franzosen gehören maschinenpistolenbehangene Soldaten vor dem Eiffelturm, in Tarnanzüge gekleidete Polizisten auf den Straßen und patrouillierende Legionäre in der Metro seit der Verhängung des landesweiten Ausnahmezustands bereits zum Alltag.

Und so schnell wird sich das auch nicht ändern: Am Dienstag hat der französische Senat eine Verlängerung des Notstandes bis Ende Juli mit großer Mehrheit gebilligt. Die Nationalversammlung muss noch in der kommenden Woche grünes Licht geben, erwartet wird ebenfalls eine breite Mehrheit. Wenig Wunder angesichts der mahnenden Worte von Innenminister Bernard Cazeneuve: «Was auch immer wir für Vorsichtsmaßnahmen ergreifen, wir dürfen uns nicht sicher fühlen.»

(L'essentiel/gux)

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