Auch «Lewa» weg? – Dortmunds Spitzenteam vor dem Zerfall
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Auch «Lewa» weg?Dortmunds Spitzenteam vor dem Zerfall

Dortmund fegt Real Madrid mit 4:1 aus dem Stadion. Doch der Jubel wird gestört von Abgangsmeldungen: Neben Mario Götze werden auch Robert Lewandowski und Mats Hummels gehen. Die Frage ist nur wann.

Borussia Dortmund steht nach dem 4:1 gegen Real Madrid im Halbfinal-Hinspiel der Champions League kurz vor dem ersten Finale in der Königsklasse seit dem letzten Titelgewinn 1997. Großer Mann des Abends war im Signal Iduna Park Robert Lewandowski, der alle BVB-Tore erzielte. Doch die «Welt» titelt am Tag danach: «Vier Tore mit einem bitteren Beigeschmack.»

Der Beigeschmack hat mit der Zukunft des 24-Jährigen zu tun. Der Pole soll nämlich bei den Bayern schon unterschrieben haben. Dies behauptete zumindest Enrique Reyes, Berater von Bayern-Coach Jupp Heynckes, im spanischen Radiosender «Cadena Cope» kurz vor der Partie. War es nur ein weiterer Versuch, den BVB vor dem wichtigen Spiel zu destabilisieren? Hört man Lewandowski nach der Partie reden, kommen Zweifel auf: «Ich kommentiere diese Meldung nicht. Was am Saisonende passiert, werden wir sehen.» Ein Treueschwur war das jedenfalls nicht. Schon im Februar hieß es, dass der Deal definitiv sei.

Verzichtet Dortmund auf viel Geld?

Auch Dortmund-Boss Hans-Joachim Watzke gibt sich bedeckt, verrät aber nach dem Spiel gegenüber «Sky», dass es sein «expliziter Wunsch ist, dass Lewandowski auch in der kommenden Saison beim BVB spielt». Der Angreifer besitzt im Gegensatz zu Mario Götze keine Ausstiegsklausel. Aber sein Vertrag läuft nur noch bis Sommer 2014.

Verkauft Dortmund nicht Ende Saison, dürfte die Ablösesumme für den Stürmer, der 2010 für 4,5 Millionen Euro von Lech Posen kam, futsch sein. Damit würde der Verein wohl auf mindestens 30 Millionen Euro verzichten, denn der Marktwert des Polen liegt aktuell bei 28 – und er senkt sich nicht, trifft er weiterhin. So viel Geld nicht zu nehmen, nur damit Lewandowski noch eine Saison im schwarzgelben Dress aufläuft, kann sich der Verein eigentlich nicht leisten.

Der schwierige Start von Lewandowski beim BVB

Dabei hatte der Pole zu Beginn seiner Zeit in Deutschland Mühe, sich durchzusetzen. Er kam im ersten Jahr nicht an Lucas Barrios vorbei – und wenn er spielte, vergab er Chancen im Multipack. Trotzdem wurde er in jener Saison mit acht Toren bester Joker der Bundesliga. In 33 Bundesligaspielen wurde der 1,84 m große Spieler 18-mal ein- und 9-mal ausgewechselt. In der zweiten Saison gelang dann der Durchbruch. In 34 Partien traf «Lewa» 22-mal und stand immer in der Startelf (13 Auswechslungen).

In der aktuellen Spielzeit steht Lewandowski nach 27 Partien schon bei 23 Liga-Toren. Nur zweimal war er nicht über 90 Minuten im Einsatz. Im Schnitt trifft er jetzt alle 100 Minuten. In der ersten Saison waren es alle 199 Minuten, in der zweiten alle 130. Dazu kommen zehn Treffer in elf Partien der Champions League. In der Bundesliga, wie auch der Königsklasse liegt die Torjägerkrone noch drin. Der «Poker» gegen Real ist sein vorläufiger Höhepunkt.

Auch Hummels vor Absprung?

Neben Götze könnte Dortmund also auch Lewandowski an die Bayern verlieren. Doch damit nicht genug: Auch Mats Hummels soll vor dem Absprung stehen – auch er soll zu den Bayern gehen. Für den Innenverteidiger wäre es eine Rückkehr. Von 1995 bis 2008 spielte er für den Rekordmeister. Dort schaffte er den Sprung in die erste Mannschaft aber nicht. Hummels brachte es nur auf zwei Einsätze bei den Profis und verdiente sich seine Sporen bei den Reserven in der Regionalliga ab.

Vater und Berater Hermann Hummels umschiffte gegenüber Sky gestern vor dem Spiel das Thema so gut wie möglich und erklärte: «Mein Sohn hat einen Vertrag bis 2017. Freuen wir uns auf das Spiel.» Der 24-jährige Sohnemann selbst verriet nach dem Triumph ebenfalls nichts: «Ich habe mit niemandem gesprochen. Ich kann nichts dazu sagen.» Auch das war kein Treueschwur.

Es könnte also knüppeldick kommen für den BVB – und dies ausgerechnet während den vermutlich erfolgreichsten Wochen der letzten 15 Jahre. Mit Götze, Lewandowski und Hummels würde dem Team das Rückgrat rausgerissen.

(L'essentiel Online/fox )

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