Plagiat – Dr. Leichtgemacht

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PlagiatDr. Leichtgemacht

Ex-Doktor Karl-Theodor zu Guttenberg hätte für seinen Titel gar keine Copy-Paste-Dissertation schreiben müssen. Den Doktor nur fürs eigene Ego gibt es viel einfacher.

Hätte der deutsche Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg gewusst, dass eines Tages alles herauskommt, hätte er wohl von Anfang an auf «seinen» Doktortitel verzichtet. So aber wird der Strahlemann von der Opposition zum Rücktritt aufgefordert, von den Medien als «Dr. Googleberg» verulkt – und ausgestanden ist seine erste richtige Krise noch nicht.

Dabei hätte es für den Freiherrn von und zu Guttenberg wesentlich einfachere Möglichkeiten gegeben, seine Titelverliebtheit im privaten Rahmen auszuleben. Möglichkeiten, bei denen er sich die Mühe hätte sparen können, über Seiten hinweg Artikel und Publikationen anderer abzukupfern.

«Dr. Guttenberg, please proceed to the gate!»

Am einfachsten geht das beim Fliegen. Bei der Fluggesellschaft Lufthansa etwa kann man – wenn man will – als Doktor oder gar als Professor mitfliegen. Wer sich beim Boarding genug Zeit lässt, kommt in den Genuss, über Lautsprecher ausgerufen zu werden: «Dr. Guttenberg, please proceed to the gate!»

Ohne Schwierigkeiten zu einem Dokument mit Doktortitel kommt auch, wer sich eine Kreditkarte bestellt. Ein Kreuzchen am richtigen Ort, und schon wird aus Herrn Guttenberg – Doktor Guttenberg. In gewissen Kreisen öffnet der «Dr.» vor dem Namen mehr Türen als eine goldene Kreditkarte. Legal ist das natürlich nicht.

Gewisses Maß an Skrupellosigkeit

Aber es geht noch einfacher: Der schnellste Weg zum Doktor führt darüber, sich einfach bei jeder Gelegenheit so zu nennen. Dass das lange funktionieren kann, zeigte vor einem Jahr der Fall Sudaro. Entsprechend angefertigte Stempel, Visitenkarten oder Türschilder helfen, die konstruierte Fassade als glaubwürdig erscheinen zu lassen.

Noch glaubwürdiger ist ein Abdruck mit vorangestelltem Doktor in einem offiziellen Organ wie dem Telefonbuch. Um sich ohne Nachweis für die geführten Titel im Telefonbuch zu verewigen, braucht es allerdings bereits ein gewisses Maß an Skrupellosigkeit. Kundenberater Tomaso Di Nisio beim Herausgeber des Schweizer Telefonbuchs sagt, bei den Titeln vertraue man den Kunden: «Bei Ärzten kriegen wir das innerhalb von Wochen mit, wenn sich einer mit falschen Federn schmückt.» Der Fachverband sei sehr aufmerksam.

Universitäten als «Titelmühlen»

Wer wenigstens den Schein wahren will, etwas für seinen Doktortitel getan zu haben, schreibt sich bei einer «Titelmühle» ein, wie der «Freien und Privaten Universität Herisau». Gegen die Entrichtung hoher «Studiengebühren» werden dort pseudoakademische Grade vergeben. Die Abschlüsse sind jedoch staatlich nicht anerkannt, wie Sekretärin Adriana Schmid auf Anfrage bestätigt.

Das bekam auch der deutsche CDU-Politiker Dieter Jasper zu spüren. Anfang 2010 wurde publik, dass er seinen Doktor-Titel an der mittlerweile nicht mehr existierenden «Freien Universität Teufen» erworben hatte. Dass ein solcher Abschluss auch für Verteidigungsminister Guttenberg keine Alternative wäre, räumt sogar Sekretärin Schmid ein: «Bei uns müsste er eine Dissertation schreiben, die kontrolliert würde.»

Titel geht nicht an Ehepartner

Auf jeden Fall keine Möglichkeit zur Erlangung eines Doktortitels ist die Ehe mit einem Doktor oder einer Doktorin. «Herr und Frau Doktor» sind lediglich eine hartnäckige Legende: Bei der Hochzeit geht der Titel nicht auf den Ehepartner über.

Auch keine Option ist der alte Säufer-Witz, wonach sich jemand die Studiengebühren sparen kann, wenn er sein Kind mit Vornamen «Doktor» tauft. «Ein Name darf die persönlichen Rechte eines Kindes nicht verletzen», so ist die Namensgebung in vielen europäischen Ländern geregelt. Zudem dürfen Kindern nur Namen gegeben werden, die als solche existierten. Daher dürfen Kinder in Guttenbergs bayrischer Heimat jedenfalls nicht auf den Namen «Doktor» getauft werden.

rn/L'essentiel Online

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