Champions League – Drei Traumtore zum Titel

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Champions LeagueDrei Traumtore zum Titel

Der FC Barcelona sitzt zuoberst auf dem Fußball-Thron Europas. Das Team von Pep Guardiola gewann in London den höchst unterhaltsamen Final gegen Manchester United 3:1.

Der FC Barcelona holte zum vierten Mal nach 1992, 2006 und 2009 die wichtigste Trophäe. Damit schloss der Klub zu Bayern München und Ajax Amsterdam auf, die sich im Meistercup respektive der Champions League ebenfalls viermal durchsetzen konnten. Die Frage nach der besten Mannschaft aller Zeiten, wie sie Guardiola vor dem Final gestellt erhielt, hat nach dem Auftritt am Samstag durchaus ihre Berechtigung. Nicht nur der zweite Titel innerhalb von drei Jahren, 2009 lautete in Rom das Resultat gegen den gleichen Gegner 2:0, ist ein Indiz dafür. Guardiola stand nur gerade während 37 Europacup-Partien an der Seitenlinie Barcelonas. Nun gehört der ehemalige «Barça»-Spieler mit zwei Titeln bereits zu den Allergrößten der Gilde.

Manchesters Blitzstart

Die Nummern 1 (Manchester) und 2 (Barcelona) im ewigen Ranking der Champions League boten im Wembley Unterhaltung der allerbesten Sorte. Doch zumindest in den ersten zehn Minuten wähnte sich der siegsichere(re) Teil der 87 695 Zuschauer im falschen Film. Nicht Barcelona drückte, sondern Manchester United. Und wie. Mit unglaublich intensivem Pressing verunmöglichten es die Engländer dem technisch versierteren Gegner, sein gefürchtetes Kurzpassspiel aufzuziehen. Barcelona verlor den Ball in der Startphase meistens vor der Mittellinie, mehr als drei, vier Stationen zirkulierte er kaum. Die Überrumpelungstaktik von Manchesters Trainer Sir Alex Ferguson ging vollends auf.

Wieso Manchesters Druck zusammenfiel wie ein aufgestochener Reifen, war nicht zu erklären. Dass die hohe Pace nicht über 90 Minuten durchzustehen war, leuchtete zwar ein. Aber aus Sicht der United gab es an sich keinen Grund, von der Marschroute abzukommen. Als ob ein unsichtbarer Schalter umgelegt worden wäre, kippte die Partie. Das leicht verunsicherte Ensemble aus Katalonien mutierte wieder zu jener Mannschaft, die mit erdrückendem Ballbesitz jeden Gegner zur Verzweiflung bringen kann. Barcelonas Führungstor, darüber waren sich alle einig, schien nur eine Frage der Zeit zu sein.

Die Geduld der «Blaugrana» zahlte sich aus. In der 27. Minute lancierte Xavi mit einem an Leichtigkeit kaum zu überbietenden Außenristpass Pedro Rodriguez. Der Stürmer aus Teneriffa hatte sich geschickt von Nemanja Vidic gelöst, das fünfte Tor im laufenden Wettbewerb war ein locker erzieltes. Und es entsprach zu vollen Teilen dem Spielgeschehen. Bereits vorher hatte Barcelona durch David Villa (11./20.) oder Pedro (16./22.) gute Gelegenheiten ausgelassen.

Wayne Rooney kämpft in England gegen das Klischee, in großen Spielen nicht sein volles Rendement abrufen zu können. Manche nennen es Versagen. Gegen Barcelona zeigte sich der englische Internationale sehr bemüht, ließ sich tief in die eigene Hälfte zurückfallen - und erzielte «out of the blue» den Ausgleich. Nach einem Einwurf des Gegners eroberte er sich den Ball, wurde nach einem Doppelpass des wohl sehr knapp im Offside stehenden Ryan Giggs wieder angespielt und traf auf herrliche Weise zum 1:1. Das Tor wurde letztlich zum Eintrag in die Spielstatistik, seinen Ruf konnte Rooney nicht ablegen, einmal mehr.

Messis Rekordtor, Van der Sars Abgang

Ein zweiter Akteur der United erlebte einen wenig erbaulichen Abend, ja ein bitteres Ende seiner Karriere. Der 40-jährige Goalie Edwin van der Sar absolvierte im Wembley sein 143. und letztes Europacup-Spiel, als Held tritt der Niederländer nicht ab. Beim 0:1 entschied er sich (zu) rasch für die falsche Ecke, beim 1:2 (54.) ließ er sich von einem ziemlich genau in die Mitte getretenen Schuss von Lionel Messi düpieren. In Bestform hätte Van der Sar dies wohl verhindern können. Damit «ermöglichte» er dem einmal mehr überragenden Argentinier die Egalisierung von Ruud van Nistelrooys Torrekord aus der Saison 2002/03. Das 2:1 war Messis zwölfter Treffer in dieser Champions-League-Saison.

Und er ebnete Barcelona den Weg zum vierten Triumph im wichtigsten Klubwettbewerb Europas endgültig. Spätestens ab diesem Zeitpunkt hatte das beste Team der Welt das Geschehen völlig im Griff. Der spanische Meister frustrierte den englischen Champion mit jenen herrlichen Ballstafetten, die man nur in der Anfangsphase vermisst hatte. Er kontrollierte das Tempo nach Belieben. Und vor allem beseitigte Barcelona mit dem 3:1, einem weiteren herrlichen Treffer, die allerletzten Zweifel der Berufspessimisten. David Villa schlenzte in der 69. Minute den Ball von außerhalb des Sechzehners in die hohe Ecke. Eingeleitet wurde das Tor von Messi respektive dessen x-tem erfolgreichem Dribbling.

FC Barcelona - Manchester United 3:1 (1:1)
Wembley, London. - 87 695 Zuschauer. - SR Kassai (Un).
Tore: 27. Pedro 1:0. 34. Rooney 1:1. 54. Messi 2:1. 69. Villa 3:1.
FC Barcelona: Valdes; Dani Alves (88. Puyol), Mascherano, Piqué, Abidal; Xavi, Busquets, Iniesta; Villa (86. Keita), Messi, Pedro (91. Afellay).
Manchester United: Van der Sar; Fabio (69. Nani), Ferdinand, Vidic, Evra; Valencia, Carrick (77. Scholes), Giggs, Park; Rooney; Hernandez.
Bemerkungen: Barcelona ohne Milito (verletzt) und Ersatzgoalie Pinto (gesperrt), Manchester United ohne Berbatov (nicht im Aufgebot). Verwarnungen: 60. Dani Alves. 61. Carrick (beide wegen Fouls). 80. Valencia (Foul). 85. Valdes (Unsportlichkeit).

Barcelonas Pedro trifft im Champions-League-Final zum 1:0 gegen Manchester United:

(Quelle: YouTube)

L'essentiel Online/si

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