Anwälte in Luxemburg – «Dreisprachigkeit in vielen Bereichen absurd»

Publiziert

Anwälte in Luxemburg«Dreisprachigkeit in vielen Bereichen absurd»

LUXEMBURG –Die Rechtsanwaltskammer in Luxemburg forderte erneut mehr Flexibilität bei Sprachkenntnissen ihrer Mitglieder.

Die Gesetzgebung sei an dieser Stelle «diskriminierend», so François Prum.

Die Gesetzgebung sei an dieser Stelle «diskriminierend», so François Prum.

«Die Anwaltskammer braucht neue Mitglieder!», sagt François Kremer, stellvertretender Vorsitzender der Kammer, bei der Pressekonferenz nach der Rentrée. «Und die gegenwärtige Gesetzgebung hindert diejenigen daran, Mitglied zu werden, die das gerne wollen», bedauert François Prum, Präsident der Anwaltskammer. «Wenn man von den Anwälten verlangt, alle drei Amtssprachen zu beherrschen, beraubt man sich selbst einiger hochqualifizierter Kollegen.»

Von den mehr als 2.500 Mitgliedern der Kammer sprechen «nur ein gutes Drittel alle drei Sprachen». Aus diesem Grund hat die Kammer noch vor Beginn der Sommerpause die Initiative ergriffen und einen konkreten Vorschlag zur Gesetzesänderung beim Justizminister eingereicht.

Dreisprachigkeit in vielen Fällen «absurd»

Das Gesetz sei nämlich nicht nur hinderlich, sondern geradezu «diskriminierend», so Prum. «Wie kann man denn rechtfertigen, dass ein Anwalt, der in einem anderen EU-Land registriert ist, ohne Probleme eine Zulassung in Luxemburg bekommt, während diejenigen, die sich schon für eine Luxemburger Universität und das hiesige Rechtssystem entschieden haben, diese Akkreditierung nicht bekommen?». Die Anwaltskammer sei sich der Bedeutung der drei Sprachen im Raum Luxemburg zwar bewusst, dennoch sei es «in vielen Fachbereichen absurd, von einem Anwalt diese Dreisprachigkeit zu verlangen, obwohl er sie in seiner gesamten Laufbahn meist nicht braucht». Jeder müsse für sich selbst entscheiden können, welches «sprachliche Handwerkszeug» zur Ausübung des eigenen Berufs vonnöten sei.

«Unsere Forderung ist schlicht vernünftig und orientiert sich an der Realität», sagt Prum abschließend. Er hofft, die Verhandlungen mit dem Ministerium vor Jahresende abgeschlossen zu haben.

(Marion Chevrier/L'essentiel)

Die Robe als «Symbol der Gleichheit unter Anwälten»

Der Präsident der Anwaltskammer nutzte die Pressekonferenz auch, um die Nicht-Beeidigung einer jungen Anwaltskandidatin in der vergangenen Woche anzusprechen. Diese hatte sich geweigert, ihr Kopftuch während der Beeidigung abzunehmen. François Prum erklärte, dass ein Schleier im Gerichtsgebäude nicht akzeptiert werden könne. «Sie kann ihn auf der Straße tragen oder in der Kanzlei mit ihren Klienten, aber sobald sie die Tür zum Gericht aufmacht, muss sie ihn abnehmen.»

Die Anwaltsrobe sei ein «Symbol der Gleichheit unter Anwälten. Das gilt sowohl für Frauen als auch für Männer, für Arme und Reiche, für Anfänger und Erfahrene.» Sonstige Erkennungszeichen außer der Robe würden den Prinzipien des Berufsstandes widersprechen.

Deine Meinung