Rabatt in Frankreich: Droht Luxemburg das große Tankstellen-Sterben?

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Rabatt in FrankreichDroht Luxemburg das große Tankstellen-Sterben?

LUXEMBURG – Die Tankrabatte in Frankreich und Deutschland bereiten der ohnehin schon schwächelnden Branche in Luxemburg große Sorgen.

von
Nicolas Martin

Tanken wird in Frankreich bald deutlich günstiger. Am gestrigen Mittwoch hat die Nationalversammlung ein Gesetz verabschiedet, wonach der Tankrabatt von derzeit 18 auf 30 Cent pro Liter erhöht wird. Je nach Kraftstoffart sind also Literpreise um 1,50 Euro realistisch – deutlich weniger als derzeit in Luxemburg. «Wir befürchten niedrigere Verkaufszahlen an der französischen Grenze, so wie wir es in den vergangenen Monaten an der Grenze zu Deutschland beobachten mussten», erklärt Jean-Marc Zahlen, Generalsekretär des Luxemburger Mineralölverbands GPL (Groupement Pétrolier Luxembourgeois). Dort seien im Mai und im Juni 20 bis 40 Prozent weniger durch die Zapfhähne geflossen.

Zahlen, die den Verband beunruhigen, zumal der Absatz in den vergangenen Jahren schon zurückging. Wurden 2019 in Luxemburg noch eine halbe Milliarde Liter Benzin und zwei Milliarden Liter Diesel verkauft, ging der Absatz allein im ersten Pandemiejahr 2020 um 25 Prozent zurück und hat sich seither kaum erholt. Die Verlängerung des Tankrabatts bis August in Luxemburg werde diesen Trend nicht abwenden, sondern höchstens «die Bruchlandung für die Ölkonzerne beschränken», glaubt Jean-Marc Zahlen. Da Luxemburg aufgrund des geltenden EU-Rechts die Verbrauchsteuer nicht noch weiter senken kann, blieben als Hebel nur eine Senkung der Mehrwertsteuer oder eine direkte Subvention, wie die für Heizöl.

Schon bald die ersten Tankstellen dicht?

Dass die Regierung zu derlei Mitteln greift, scheint jedoch unwahrscheinlich, hat sie sich doch vorgenommen, die CO2-Emmissionen bis 2030 um 55 Prozent zu senken. Dies ist nur möglich, wenn in Luxemburg deutlich weniger getankt wird. «Mittelfristig sollen weniger Tanktouristen nach Luxemburg kommen», bekräftigt Finanzministerin Yuriko Backes (DP).

Aussagen und Aussichten, die dem GPL gar nicht gefallen, angesichts 3600 gefährdenden Arbeitsplätze in der Branche – vor allem an den Tankstellen des Landes. «Diese politischen Maßnahmen tragen nichts zur Erfüllung von Klimazielen bei, sie führen nur dazu, dass der Verkauf in die Nachbarländer verlagert wird, und die Staatseinnahmen und die Arbeitsplätze hierzulande verloren gehen», ärgert sich Jean-Marc Zahlen.

Es sei nicht auszuschließen, dass schon bald Tankstellen im Land – zumindest vorübergehend – dicht machen, «wenn sie mit Verlust verkaufen müssen», so Zahlen. Mittelfristig könnten Tankstellen auch ganz von der Bildfläche verschwinden, auch aufgrund der Entwicklung weg vom Verbrenner.

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