Kuriose Trainerabgänge – «Du hast hier nichts mehr zu sagen, du Wichser!»

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Kuriose Trainerabgänge«Du hast hier nichts mehr zu sagen, du Wichser!»

Manche gehen wie Lucien Favre selber, die meisten aber müssen gehen. Trainerentlassungen bieten immer wieder Stoff für spezielle Geschichten.

Der überraschende Rückzug von Lucien Favre traf die Verantwortlichen von Borussia Mönchengladbach völlig unvorbereitet und mit voller Wucht. Für einmal war es der Coach, der nach einer Niederlagenserie die Reissleine zog und sein Amt zur Verfügung stellte.

Noch früher als Favre, der nach fünf Runden demissionierte, beendete einst der legendäre Guy Roux sein Comeback an der Seitenlinie. Zuvor während 44 Jahren und bis 2005 bei Auxerre, versuchte sich der Franzose 2007 bei Lens. Und musste schnell einsehen, dass er sich in der Clubwahl vertan hatte. Im vierten Ligaspiel gegen Straßburg trat er noch in der Halbzeit zurück, klagte über «fehlende Energie».

In der Pause entlassen

Was Favre und Roux machten, gehört zu den Ausnahmen. In den meisten Fällen ist die Clubführung für einen Trainerwechsel verantwortlich, sei das wegen verfehlter Ziele, schlechter Resultate, unterschiedlicher Ansichten - wie es dann offiziell oft so schön heißt - oder aus anderen Gründen. Während manche Trennungen nahezu geräuschlos über die Bühne gehen, bieten andere Stoff für kuriose Geschichten.

In einer denkwürdigen Szene verlor der frühere Weltklasse-Goalie Toni Schumacher seinen Job als Verantwortlicher von Fortuna Köln - in der Halbzeitpause. Am 15. Dezember 1999 fing Präsident Jean Löring Schumacher nach den ersten 45 Minuten gegen Waldhof Mannheim in den Stadionkatakomben ab. Die Fortuna lag 0:2 zurück, die Geduld des Präsidenten war am Ende. Also feuerte er seinen prominenten Coach mit den Worten: «Du hast hier nichts mehr zu sagen, du Wichser!» Fortuna Köln war Schumachers erste Station als Cheftrainer gewesen - es blieb seine letzte.

Trainer ließ Spieler verprügeln

Zu den spektakulärsten Abgängen in der deutschen Fußball-Geschichte gehört mit Sicherheit auch jener von Christoph Daum, dem im Oktober 2000 bei Leverkusen eine Haarprobenanalyse zum Verhängnis wurde, die ihn des Kokainkonsums überführte. Kurios war 2004 auch die Beurlaubung von Falko Götz bei 1860 München kurz nach der 1:2-Niederlage gegen den HSV. Die Öffentlichkeit wusste bereits davon, Götz hingegen bekam erst Wind von seinem Schicksal, als ihn ein TV-Reporter fragte, wie er von seiner Entlassung erfahren habe.

Geradezu gewalttätig ging es vor neun Jahren in Russland zu und her. Nach zwei Niederlagen des Drittligisten Metallurg Lipezk beschuldigten sich Trainer Stanislaw Bernikow und Spieler gegenseitig der Manipulation durch den Gegner. Bernikow sah seine Autorität untergraben - und heuerte einen Schlägertrupp an. Er ließ die kritischsten Spieler vor versammelter Mannschaft verprügeln, selbst Handfeuerwaffen sollen zum Einsatz gekommen sein. Die Spieler landeten im Krankenhaus, Bernikow war sein Amt los und wurde mit einem lebenslänglichen Berufsverbot belegt.(L'essentiel/kai)

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