Nerd-Gläser verboten – Du sollst keine Woody-Allen-Brille tragen

Publiziert

Nerd-Gläser verbotenDu sollst keine Woody-Allen-Brille tragen

«Wir tolerieren die neue Modernität nicht», erklärt eine Bobov-Schule in New York und verbietet ihren Schülern, Nerd-Brillen zu tragen. Pate des Gläser-Banns: Moses.

Woody Allen sagte mal, man bezeichne ihn nur als intellektuellen Regisseur, weil er eine Retro-Brille mit schwarzer Fassung trage. Seine berühmte Hornbrille aus den 1960er Jahren trägt heute den coolen Namen Nerd-Brille und gehört bei Fashionistas genauso zum Look wie eine Prada-Tasche, Louboutin-Highheels oder eine Carrera-Uhr. Auch Stars wie Justin Timberlake, Johnny Depp, Jay-Z, Kayne West, Madonna, Scarlett Johansson und Justin Bieber geben sich mit der Hipster-Brille einen intellektuellen Touch.

Die modische Retro-Brille stösst jedoch nicht überall auf Gegenliebe. Wie die «New York Post» berichtet, ist die Brille der Direktion der «Bobover Yeshiva Bnei Zion»-Schule in New York ein Dorn im Auge. Die Bobover Chassidim, die ursprünglich aus Polen stammen, haben ihren Sitz in Borough Park (Brooklyn). «Ein Schüler darf die Jeschiwa nicht mit dieser Brille besuchen», schreibt die Direktion in einem Rundschreiben, das den Eltern der rund 750 Schüler kürzlich verschickt wurde.

Alle Nerd-Brillen müssen umgetauscht werden

Um das Verbot durchzusetzen, werden Eltern von Schülern, die eine Nerd-Brille tragen, aufgefordert, die «unanständige» Brillen-Fassung austauschen zu lassen und die dadurch anfallenden Kosten als «Bildungs-Mehrwert» zu betrachten. Das Optikergeschäft Lumiere Eyewear, das sich in der Nähe der Schule befindet, hat in zwei Wochen bereits 30 Brillen-Fassungen ausgetauscht – gegen dünne und unauffällige Fassungen, wie es die Schulleitung vorschreibt.

Um sicherzustellen, dass die Richtlinien der jüdisch-orthodoxen Privatschule eingehalten werden, haben Mitarbeiter lokale Optikergeschäfte besucht und die Brillen-Fassungen inspiziert. «Sie zeigten uns, welche Brillen unseres Sortiments von Chassiden getragen werden und welche nicht», erklärte ein Angestellter des Optikergeschäfts MS Optical gegenüber der «New York Post». Erlaubt sind einzig und allein randlose Fassungen, Rim-Fassungen sowie dünne, metallfarbene Fassungen.

Moses liefert die Begründung

Das Verbot der Modebrille an der Jeschiwa (Talmud-Hochschule) begründet die Direktion wie folgt: «Wir müssen uns dazu verpflichten, die neue Modernität nicht zu tolerieren.» Und doppelt mit einem biblischen Bezug nach: «Beim Auszug der Juden aus Ägypten änderten sie weder ihren Namen noch ihre Kleidung. Diese Kraft begleitet uns auch heute noch im Exil.»

Ob Woody Allen sich wohl bewusst ist, was er mit seiner Anti-Mode-Haltung ausgelöst hat? Die Geschichte birgt ohne Zweifel einen interessanten Ausgangspunkt für einen neuen Woody-Allen-Film. Zumal sich auch unter orthodoxen Juden Rebellen beziehungsweise sozial Unangepasste befinden. Nafle Frank, ein Schüler der Bobov-Jeschiwa, liefert auch gleich die Pointe dazu: «Die beiden Satmar-Großrabbiner Aaron und Zalman Teitelbaum tragen die Nerd-Brille seit 35 Jahren.» Wie nun? Schüler Nein, Rabbiner Ja? Mister Allen, klären Sie mal diese verworrene Situation auf. Und denken Sie mal über unseren Filmtitel nach, den wir Ihnen gleich mitliefern: «Moses und der Krieg gegen die Nerd-Brille».

(L'essentiel Online/Yolanda Di Mambro)

Deine Meinung