Bis zu 50 Grad heiß – Dürre im Iran führt zu gewalttätigen Protesten

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Bis zu 50 Grad heißDürre im Iran führt zu gewalttätigen Protesten

Über 50 Grad und das Trinkwasser wird knapp: Die Bevölkerung der Provinz Khuzestan fühlt sich von der Regierung vernachlässigt und ihres Wassers beraubt.

Der Südwesten Irans leidet derzeit an einer der schlimmsten Dürreperioden der letzten 50 Jahre. Landwirte in der Provinz Khuzestan bangen um ihre Ernte, selbst Trinkwasser ist knapp. Die anhaltende Wasserknappheit, aber auch wiederkehrende Stromausfälle, bringen die Bevölkerung dazu, auf die Straße zu gehen und zu protestieren. Die Auseinandersetzungen forderten am Samstag ein Todesopfer und gipfelten zwischenzeitlich am Mittwoch in der Tötung eines Beamten. «Randalierer» hätten von einem Hausdach in der Stadt Mahschar aus das Feuer auf Polizisten eröffnet, meldete die amtliche Nachrichtenagentur Irna am Mittwoch unter Berufung auf die örtlichen Behörden.

Wasser wird für Industrie abgezweigt

Die Niederschläge im Iran lagen den Behörden zufolge um die Hälfte unter dem langjährigen Mittel – sie verweisen damit auf den Klimawandel. Umweltexperten werfen der Regierung aber auch eine verfehlte Wasserpolitik und Missmanagement vor, schreibt die «NZZ». Denn in den letzten Jahrzehnten hat die Regierung Dutzende von großen Staudämmen gebaut, die in der Sommerhitze die Verdunstung von Wasser begünstigen. Derzeit herrschen in der Region Temperaturen bis 50 Grad.

Mit den Talsperren wird der Karun, wichtigster Fluss der Region und der wasserreichste des Landes, aufgestaut. Laut der «Süddeutschen» wird ein guter Teil des Wassers für Industrieprojekte weiter im Norden umgeleitet.

Regierung gibt Sanktionen die Schuld

Präsident Hannan Ruhani wird zudem vorgeworfen, in den letzten acht Jahren die veraltete Infrastruktur nicht erneuert zu haben. Der aber schiebt die Schuld auf die durch US-Sanktionen verursachte Wirtschaftskrise im Land. Die Sanktionen haben Ruhani zufolge keinen Raum für neue Finanzierungen und Modernisierung der Infrastruktur gelassen.

In der Provinz Khuzestan lebt eine große sunnitisch-arabische Minderheit, deren Angehörige seit langem über Ausgrenzung im mehrheitlich schiitischen Iran klagen.

(L'essentiel/DPA/pco)

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