Syrien – Dutzende Tote bei Anschlägen in Damaskus

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SyrienDutzende Tote bei Anschlägen in Damaskus

Bei drei Explosionen nahe einem schiitischen Heiligtum sind in der syrischen Hauptstadt mindestens 60 Menschen getötet und mehrere verletzt worden.

Tote und Verletzte nach Attentat: Erneuter Anschlag in der Nähe des Schreins von Sajjida Seinab in Damaskus. (14. Juni 2012)

Tote und Verletzte nach Attentat: Erneuter Anschlag in der Nähe des Schreins von Sajjida Seinab in Damaskus. (14. Juni 2012)

Youssef Badawi

Zum Doppelanschlag in Damaskus bekannte sich der Islamische Staat (IS). Unter den Opfern seien 25 Kämpfer einer regimetreuen Schiiten-Miliz sowie Zivilisten, berichtete die der Opposition nahestehende Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Dutzende weitere Menschen seien zum Teil schwer verletzt worden, es sei damit zu rechnen, dass die Zahl der Opfer noch steige.

Auch das staatliche Fernsehen berichtete von wenigstens 45 Todesopfern. Damaskus wird größtenteils von Regimetruppen kontrolliert. Ziel der Selbstmordattentäter im Stadtteil Sajeda Seinab sei ein Bus mit schiitischen Milizkämpfern gewesen, sagte der Chef der Beobachtungsstelle Rami Abdulrahman.

Anschlag auf Helfer

Nach einem Bericht der amtlichen Nachrichtenagentur Sana wurde an einem Kontrollpunkt im Schiitenbezirk Sajeda Sainab zunächst eine Autobombe gezündet. Als dann Rettungskräfte Opfern zu Hilfe kamen, hätten sich zwei Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt.

Eine unabhängige Bestätigung der Angaben ist nicht möglich. Die Beobachtungsstelle mit Sitz in Großbritannien bezieht ihre Informationen jedoch aus einem dichten Netz an Informanten in Syrien. Sie gelten als gut informiert und zuverlässig.

Der Chefunterhändler der Regierungsdelegation bei den Friedensverhandlungen in Genf, Baschar Dschaafari, sagte, die Anschläge zeigten einmal mehr, das es eine Verbindung zwischen der von Saudi-Arabien finanzierten islamischen Opposition und dem Terrorismus gebe.

Angriff gegen Abtrünnige vom «wahren Glauben»

In einer zunächst nicht überprüfbaren Botschaft im Internet bekannte sich die sunnitische Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zu der Tat. Bei zwei Einsätzen sei die wichtigste Hochburg der schiitischen Milizen in Damaskus getroffen worden, hieß es bei der Nachrichtenagentur Amak, die den IS unterstützt.

Auch die Beobachtungsstelle berichtete, der Angriff sei von zwei IS-Mitgliedern ausgeführt worden. Die Terrormiliz sieht in Muslimen schiitischer Glaubensrichtung Abtrünnige vom «wahren Glauben».

Heiligstätte für Schiiten aus aller Welt

In dem Stadtteil sind zahlreiche schiitische Milizen aus dem Libanon, dem Irak und dem Iran aktiv, die an der Seite der Regierung die sunnitischen Jihadisten in Syrien bekämpfen. Dort befindet sich der Schrein der Tochter des Mohammed-Cousins Ali ibn Abi Taleb, den die Schiiten als rechtmäßigen Nachfolger des Propheten erachten. Das Heiligtum ist eine Pilgerstätte für Schiiten aus aller Welt.

Der Nachfolge-Streit ist der Grund für die Spaltung des Islam in Schiiten und Sunniten. In den ersten Jahren des syrischen Bürgerkrieges war Sajeda Seinab Schauplatz heftiger Kämpfe. Diese ließen nach, seit die syrische Armee und Schiiten-Milizen unter Führung der libanesischen Hizbollah den Stadtteil absichern.

(L'essentiel/nag/fal/sda/afp)

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