US-Wahlen – E-Mails, Sex, Melania – Skandale im Wahlkampf

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US-WahlenE-Mails, Sex, Melania – Skandale im Wahlkampf

In den vergangenen Monaten lieferte der US-Wahlkampf mehr als genug Affären, Aufreger und Ereignisse. Ein Rückblick.

NEW YORK - APRIL 26: Donald Trump and his daughter Ivanka (l) and girlfriend Melania Knauss (R) attends the "Dangerous Liaisons: Fashion and Furniture in the 18th Century" Costume Institute benefit gala at the Metropolitan Museum of Art April 26, 2004 in New York City. (Photo by Evan Agostini/Getty Images) 
 *** Local Caption *** Ivanka Trump;Donald Trump;Melania Knauss

NEW YORK - APRIL 26: Donald Trump and his daughter Ivanka (l) and girlfriend Melania Knauss (R) attends the "Dangerous Liaisons: Fashion and Furniture in the 18th Century" Costume Institute benefit gala at the Metropolitan Museum of Art April 26, 2004 in New York City. (Photo by Evan Agostini/Getty Images)
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Evan Agostini

Dass im US-Wahlkampf mit harten Bandagen gekämpft werden würde, war Beobachtern und Beteiligten von Anfang an klar. Die vergangenen Monate lieferten jedoch Skandale, Vorwürfe und Wendungen, von deren Umfang selbst abgebrühte Experten anfangs nur geträumt haben dürften. Wir liefern einen Überblick über die wichtigsten Probleme, Erfolge und Ereignisse der heißen Wahlkampfphase seit den Parteitagen der Republikaner und Demokraten im Juli.

Trumps Skandale

• Am meisten geschadet haben dürften Donald Trump die Vorwürfe um sexuelle Übergriffe auf Frauen und um seine sexistischen Äußerungen. Rund ein Dutzend Frauen werfen dem republikanischen Präsidentschaftskandidaten sexuelle Belästigung vor. Ein Video, in dem Trump schildert, wie er als Prominenter Frauen einfach an die Genitalien greift, entfachte einen Sturm der Entrüstung.

• Berichte um mögliche Steuervermeidungstaktiken Trumps lassen Kritiker ebenfalls an seiner Eignung als Präsident zweifeln. Die New York Times schrieb mehrmals über dubiose Tricks, mit denen sich der Immobilienmogul womöglich vor dem Fiskus drückte. Trumps Weigerung, seine Steuererklärungen zu veröffentlichen, wurden ihm ebenso negativ ausgelegt.

• Ärger bereitet dem Kandidaten auch seine Trump Foundation. Anfang Oktober wurde bekannt, dass der Stiftung wegen Verstößen gegen Vorschriften das Spendensammeln untersagt worden war. Im Sommer war zudem darüber spekuliert worden, dass Trump mehrere private Anschaffungen über die Stiftung finanzierte.

• Trumps unbedachte Äußerungen – sei es zu US-Atomwaffen, zum russischen Präsidenten, zur Geografie Europas oder zu mexikanischen Einwanderern – rufen weltweit immer wieder Kopfschütteln hervor. Das Clinton-Lager geht gar von einer expliziten Gefahr für die Welt aus, sollte Trump das Kommando über die Atommacht USA haben.

• Im Juli sorgte Trumps Ehefrau Melania für negative Schlagzeilen, als publik wurde, dass Teile ihrer Parteitagsrede in Cleveland von derjenigen der aktuellen First Lady Michelle Obama abgekupfert waren.

Clintons Stolpersteine

• Die Demokratin Hillary Clinton gerät wenige Tage vor der Wahl durch mehrere FBI-Veröffentlichungen in Bedrängnis. Aus alten Dokumenten der Bundespolizei geht hervor, dass die umstrittene Begnadigung des Investors Marc Rich durch Bill Clinton im Jahr 2001 in Zusammenhang mit einer hohen Spende an die Clinton Foundation stehen könnte.

• Kurz zuvor rollte das FBI die E-Mail-Affäre um Clinton wieder auf. Es seien neue Mails aufgetaucht, die untersucht würden, erklärte FBI-Chef James Comey. Clinton hatte als Außenministerin unter VerStoß gegen geltende Regeln private und nicht besonders geschützte Server für ihre dienstliche Kommunikation genutzt.

• Zudem fügt Wikileaks mit regelmäßigen Veröffentlichungen gehackter E-Mails aus dem Clinton-Umfeld den Demokraten Schaden zu. Zuletzt kam der Verdacht auf, dass Ex-Präsident Bill Clinton als Vorsitzender der Clinton-Stiftung Millionensummen für profitorientierte Tätigkeiten einnahm. Zuvor sorgte Wikileaks unter anderem mit gehackten E-Mails führender Demokraten und der Veröffentlichung von Clintons Rede-Manuskripten für Aufsehen.

• Im Zusammenhang mit der E-Mail-Affäre stehen Spekulationen um die gemeinnützige Clinton Foundation. Immer wieder wird spekuliert, ob Privatgönner der Stiftung ihres Mannes leichteren Zugang zu ihr hatten, als Hillary Clinton Außenministerin war. Bill Clinton sah sich außerdem Kritik an seinen üppig bezahlten Reden ausgesetzt. Hillarys Weigerung, die Transkripte ihrer lukrativen Wallstreet-Reden freizugeben, schadete ihr ebenfalls.

• Ein gefundenes Fressen für die Republikaner war Hillary Clintons Schwächeanfall im September, der wohl auf eine Lungenentzündung zurückzuführen war. Immer wieder hatte das Trump-Lager über Clintons angeschlagene Gesundheit spekuliert.

Die TV-Debatten

In drei TV-Debatten im September und Oktober rangen Hillary Clinton und Donald Trump um die Gunst der Wähler. Medien und Wahlexperten sahen Clinton mehrheitlich als Siegerin aller drei TV-Duelle, wenn auch manchmal nur mit leichtem Vorsprung. In der dritten Debatte konnte Trump zunächst durch seine Disziplin punkten – seine Ankündigung, das Wahlresultat nicht in jedem Fall zu akzeptieren, machte seine vorherigen Anstrengungen aber zunichte.

Die Umfragewerte

Zurzeit sehen die Umfragen Hillary Clinton nur knapp vor Donald Trump. Für Clinton sah es aber auch schon besser aus – noch Mitte Oktober lag sie sieben Prozentpunkte vor Trump. Jeder neue Skandal wirkt sich direkt auf die Beliebtheitskurven der Kandidaten aus.

(L'essentiel/Mareike Rehberg)

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