Darmerkrankung – Ehec-verseuchte Gurken in Luxemburg?

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DarmerkrankungEhec-verseuchte Gurken in Luxemburg?

In Tschechien sind Gurken aus einer EHEC-verseuchten Charge in den Handel gelangt. Gurken aus derselben Produktion sind vermutlich auch nach Luxemburg gelangt.

In den Laboren wird weiter geforscht.

In den Laboren wird weiter geforscht.

AFP

In Tschechien sind Gurken aus einer Ehec-verseuchten Charge in den Handel gelangt. Bis zu 120 Bio-Salatgurken seien bereits an Geschäfte ausgeliefert worden und könnten auch schon an Endkunden verkauft worden sein, bestätigte die staatliche Lebensmittelinspektion SZPI am Sonntag der Nachrichtenagentur CTK. Tests der bedenklichen Gurken stehen allerdings noch aus. Die Behörde kontrolliere derzeit die einzelnen Geschäfte. Erkrankungsfälle seien in Tschechien noch nicht festgestellt worden.

Die aus einer verseuchten spanischen Produktion stammenden Gurken seien von einer tschechischen Firma aus Deutschland importiert worden, erläuterte SZPI-Sprecher Michal Spacil in einer Mitteilung auf der Internetseite der Behörde. Gurken aus derselben Produktion seien vermutlich auch nach Ungarn, Österreich und Luxemburg geliefert worden. Die Information über das bedenkliche Gemüse habe man über das Frühwarnsystem der Europäischen Union erhalten und sofort ein Verkaufsverbot erlassen, erklärte die tschechische Behörde auf ihrer Internetseite.

Zehn Todesfälle in Deutschland

In Deutschland hat sich am Wochenende die Zahl der Todesfälle, die in Verbindung mit dem Erreger gebracht werden, auf zehn erhöht. Die deutsche Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) hält angesichts Hunderter Erkrankungen an der Warnung vor dem Verzehr roher Gurken, Blattsalate und ungekochter Tomaten fest. «Solange es den Experten in Deutschland und Spanien nicht gelungen ist, die Quelle des Erregers zweifelsfrei zu benennen, haben die allgemeinen Warnhinweise für Gemüse weiterhin Bestand», sagte Aigner der Zeitung «Bild am Sonntag».

Allein am Samstag wurden vier Fälle in Norddeutschland bekannt, bei denen Patienten an den Folgen der Infektion verstarben. Eine 86 Jahre alte Frau erlag im Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Lübeck den Folgen einer schweren Darminfektion, dem sogenannten Hämolytisch-Urämischen Syndrom (HUS), wie ein Kliniksprecher auf dapd-Anfrage mitteilte. Auch deren Ehemann sei mit Verdacht auf eine Ehec-Infektion aufgenommen worden. Ob er ebenfalls an HUS leide, stehe noch nicht fest.

In einem Krankenhaus im Kreis Herzogtum-Lauenburg in Schleswig-Holstein starb laut dem Kieler Gesundheitsministerium eine 84-Jährige an den Folgen von HUS. Zuvor war eine 87-Jährige in Hamburg verstorben, wie eine Sprecherin des Universitätsklinikums Eppendorf (UKE) sagte. Erst am Samstag wurde bekannt, dass in Kiel am Donnerstag auch eine 38-Jährige dem Darmkeim erlegen war.

Ärzte setzen auf neues Medikament

Unterdessen setzen die Ärzte auf ein neues Medikament. Am UKW erhalten Schwerstkranke mittlerweile einen Antikörper. «Erst in einigen Wochen werden wir wissen, wie erfolgreich diese Therapie sein wird», sagte der ärztliche Leiter Rolf Stahl. Das Medikament soll neurologischen Veränderungen und Nierenschäden entgegenwirken. Der Antikörper war zuvor in einer Studie bereits erfolgreich bei drei Kleinkindern zum Einsatz gekommen.

Aus Angst vor dem Erreger meidet die Mehrheit der Deutschen einer Umfrage zufolge Gemüse wie ungekochte Tomaten, rohe Gurken und Salat. 58 Prozent der Deutschen folgen demnach dem Rat des Robert-Koch-Instituts (RKI) und verzichten auf den Verzehr von rohen Gurken, ungekochten Tomaten und Salat, wie eine Emnid-Umfrage für die «Bild am Sonntag» ergab. Zur Kritik von Bauernverbänden und Lebensmittelhändlern an der Warnung des RKI sagte Aigner, der Schutz der Verbraucher habe immer Vorrang vor wirtschaftlichen Interessen. «Deshalb war es richtig, dass die deutschen Fachbehörden frühzeitig gewarnt haben», sagte sie.

Erkrankungen nehmen zu

Die Zahl der Menschen, die an der Darminfektion erkrankten, nahm am Wochenende weiter zu. Allein in Hamburg gab es am Samstag 467 Ehec-Erkrankungen beziehungsweise Verdachtsfälle, darunter 91 HUS-Fälle. «Der geringere Anstieg an Ehec-Fällen stimmt vorsichtig optimistisch, aber auch am Wochenende hat sich die Hoffnung nicht erfüllt, dass der Zuwachs an neuen HUS-Fällen deutlich geringer wird», sagte Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD).

Die Suche nach der Herkunft des gefährlichen Durchfallerregers läuft weiter auf Hochtouren. An vier Salatgurken aus dem Großmarkt der Hansestadt war das Bakterium nachgewiesen worden. Drei der Gurken stammen laut der Hamburger Gesundheitsbehörde aus Spanien. Bei der vierten Gurke deuteten die Hinweise weiter auf Lieferwege aus den Niederlanden hin, hieß es.

L'essentiel Online/dapd/rre/dpa

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