Kolumbien – Ehemalige Rebellen-Geisel will Präsidentin werden
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KolumbienEhemalige Rebellen-Geisel will Präsidentin werden

Die grüne Politikerin Ingrid Betancourt, die durch ihre jahrelange Geiselhaft im Dschungel bekannt wurde, will es wissen: Sie kandidiert in Kolumbien für das Präsidentenamt.

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Ingrid Betancourt gab am Dienstag ihre Kandidatur bekannt.

Ingrid Betancourt gab am Dienstag ihre Kandidatur bekannt.

AFP
Sie will im Mai Präsidentin von Kolumbien werden.

Sie will im Mai Präsidentin von Kolumbien werden.

REUTERS
Betancourt und ihre Tochter beim zweijährigen Jubiläum ihrer Befreiung im Jahr 2010.

Betancourt und ihre Tochter beim zweijährigen Jubiläum ihrer Befreiung im Jahr 2010.

Reuters

Die kolumbianische Politikerin Ingrid Betancourt, die sechs Jahre lang Geisel der Guerillagruppe Farc war, hat am Dienstag ihre Kandidatur für das Präsidentenamt des Landes angekündigt. Vor 19 Jahren, als die Farc sie entführte, hatte sie bereits einmal für die von ihr gegründete Grüne Sauerstoffpartei für das höchste Amt des Landes kandidiert. «Heute bin ich hier, um zu Ende zu bringen, was ich 2002 mit vielen von Ihnen begonnen habe», sagte die 60-jährige Betancourt bei einer Pressekonferenz. «Ich bin hier, um die Rechte von 51 Millionen Kolumbianern einzufordern, die keine Gerechtigkeit finden, weil wir in einem System leben, das Kriminelle belohnt.»

Betancourt wurde im Februar 2002 von der Rebellenorganisation Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia (Farc) entführt und verbrachte sechs Jahre in Guerillalagern tief im Dschungel des Amazonas. Manchmal wurde sie von den Rebellen mit Metallketten an einen Baum gefesselt, um sie an der Flucht zu hindern. In Videos zum Beweis ihres Lebens forderte sie die Behörden auf, die Umstände zu untersuchen, die in ihre eigene Entführung gemündet hatten. Außerdem ersuchte sie die Regierung, die Friedensgespräche mit der Farc wiederaufzunehmen.

Engagement gegen Korruption und Gewalt

Ihre Zeit in Gefangenschaft endete 2008 durch eine Militäroperation, bei der als humanitäre Helfer getarnte kolumbianische Soldaten Betancourt und mehrere andere Geiseln der Farc befreiten, ohne einen einzigen Schuss abzugeben. Nach ihrer Freilassung zog sich Betancourt aus dem öffentlichen Leben zurück und verbrachte einen Großteil ihrer Zeit mit ihrer Familie in Frankreich. Doch im vergangenen Jahr kehrte sie auf die politische Bühne Kolumbiens zurück, als sich das Land auf die Wahlen im Mai vorbereitete.

In der Ankündigung ihrer Präsidentschaftskandidatur sagte Betancourt, sie werde sich dafür einsetzen, dass korrupte Politiker nicht länger straffrei ausgehen und die wirtschaftlichen Ungleichheiten beseitigt werden, die Kolumbien seit langem zusetzen. «Meine Geschichte ist die Geschichte aller Kolumbianer. Während ich und meine Kollegen am Hals gefesselt waren, waren die kolumbianischen Familien durch Korruption, Gewalt und Ungerechtigkeit gefesselt. Während unsere Entführer uns das Essen vorenthielten, stahlen und verschwendeten Mafiosi und Politiker weiterhin unsere Ressourcen, ohne sich um die Kinder zu kümmern, die hier in Kolumbien kein Frühstück bekommen.»

Betancourt will erneut für die Grüne Sauerstoffpartei kandidieren, die jetzt Teil einer Koalition zentristischer politischer Bewegungen ist. Allerdings muss sie erst in einer Vorwahl andere Kandidaten bezwingen. Die eigentliche Präsidentschaftswahl findet im Mai statt.

(L'essentiel/AP/trx)

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