Tödliche Schüsse in Bonneweg: Ehemaliger Polizist wegen Mordes zu fünf Jahren Haft verurteilt

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Tödliche Schüsse in BonnewegEhemaliger Polizist wegen Mordes zu fünf Jahren Haft verurteilt

LUXEMBURG – Im Fall der tödlichen Schüsse auf einen Autofahrer im Jahr 2018 ist am heutigen Mittwoch ein Urteil gegen den damaligen Schützen gefallen.

Editpress/Fabrizio Pizzolante

Am Mittwochnachmittag wurde das Urteil gegen den ehemaligen Polizisten, der wegen Totschlags vor Gericht stand, gesprochen. Vor vier Jahren – am 11. April 2018 – hatte ein Polizist in Bonneweg einen 51-jährigen niederländischen Autofahrer mit einem Kopfschuss getötet, weil dieser mit dem Wagen auf ihn zugefahren war. Der damals 22-jährige Polizist gab dem Fahrer ein Zeichen, sein Auto anzuhalten. Der Fahrer soll erst so getan haben, als würde er dem Befehl Folge leisten, dann zurückgesetzt haben und auf den Polizisten zugefahren sein, so die Auswertung der Reifenspuren auf dem Boden. Im Gericht stand während des Prozesses vor allem die Frage nach dem Tatbestand der Notwehr im Zentrum.

Nun wurde der Schütze zu fünf Jahren Haft verurteilt, von denen drei zur Bewährung ausgesetzt wurden. Auf die Forderung der Verteidigung des Angeklagten, den Mann wegen Notwehr freizusprechen, ging das zuständige Gericht zwar nicht ein, jedoch gestand die Justiz dem Verurteilten zu, von dem Autofahrer damals provoziert worden zu sein. Durch diese mildernden Umstände entging der Verurteilte, der nach der Anklageerhebung umgehend vom Polizeidienst ausgeschlossen wurde, einer deutlich längeren Freiheitsstrafen.

Die Staatsanwaltschaft forderte Mitte Oktober eine 30-jährige Haftstrafe für den Ex-Polizisten und bezeichnete diesen als «gefährlichen Mann», der von Schusswaffen besessen sei und die erstbeste Gelegenheit ergriffen habe, um «jemanden zu erschießen». Der Anwalt des Angeklagten, Philippe Penning, plädierte hingegen auf Notwehr und forderte einen Freispruch für den damals 22-Jährigen.

Auch die Aussagen seiner Kollegen, die während des Prozess ein verstörendes Bild des Verurteilten gezeichnet hatten, belasteten den Mann im Laufe des Prozess zunehmend. Demnach scheint es kaum verwunderlich, dass keine Vertreter der luxemburgischen Polizei der heutigen Urteilverkündung vor Gericht beiwohnte. Während der Ex-Polizist sein Urteil entgegen nahm, schien dieser fast emotionslos. Allerdings bedeutet die Urteilsverkündung in erster Instanz noch nicht das Ende des Falls.

Die Verteidigung wird Berufung einlegen

Verteidiger Philippe Penning – der von der Unschuld seines Mandanten überzeugt ist – kündigte bereits an, Berufung einlegen zu wollen: «Diese Strafe bewahrt ihn vor einer Rückkehr ins Gefängnis, aber sie ist nicht gerecht. Das Gericht erkennt den Tatbestand der Provokation an, die eine Art Notwehr ‹light› ist, aber keine echte Notwehr», erklärt der Anwalt, der sich vorsichtig über das Urteil äußert: «Ich bin gespannt, wie die Richter ihr Urteil begründen».

Die Strafe für den ehemaligen Polizisten umfasst auch eine Geldstrafe in Höhe von 5000 Euro sowie rund 20.000 Euro Entschädigung für die Ehefrau des Opfers.

(vs/nm)

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