Geschichte dokumentiert – Ein anderer Blick auf Luxemburg im Jahr 1940
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Geschichte dokumentiertEin anderer Blick auf Luxemburg im Jahr 1940

LUXEMBURG – Der Historiker Valentin Schneider hat unveröffentlichte Aufnahmen des Einmarschs der Wehrmacht in Luxemburg entdeckt.

Der zweite Weltkrieg hat für Valentin Schneider noch lange nicht alle seine Geheimnisse preisgegeben. Der 33-jährige deutsche Historiker hat nun in zwei Werken hunderte Aufnahmen des jungen Wehrmachtssoldaten Egon Pfende zusammengetragen.

Nicht nur eröffnen diese wertvollen historischen Fotographien einen neuen Blick in das Alltagsleben des Militärs, sondern decken auch einige Geheimnisse über den Durchmarsch der deutschen Armee durch das Großherzogtum auf. «Man sieht sie beim Einmarsch in Wasserbillig, bei der Ankunft am Hauptbahnhof in Luxemburg-Stadt oder bei der Besichtigung der Hauptstadt», erklärt der Historiker die Aufnahmen.

Wichtige historische Bilder

Das Regiment von Egon Pfende war einen Monat lang in Luxemburg stationiert, «erst in Sandweiler um einen Flugplatz, den Vorgänger des heutigen Findel, zu bauen, dann in Fels». Von 260 Seiten Aufnahmen des Soldaten, handeln 70 allein von seiner Zeit im Großherzogtum. «Das lässt es zu, den Männern ein Gesicht zu geben, die oft als anonym wahrgenommen werden», sagt der Historiker, der sich auf den Zweiten Weltkrieg spezialisiert hat.

«Man sieht dort die Soldaten ohne Uniform, wie sie sich amüsieren und Grimassen schneiden. Die Suche nach Vertrautheit mit den Kameraden, aber auch mit der lokalen Bevölkerung ist stets präsent», interpretiert Valentin Schneider. Es sind wichtige historische Bilder einer dunklen Stunde der Luxemburger Geschichte.

(Thomas Holzer/L'essentiel)

Der Fotograph ist ein unbekannter Soldat

Die Fotos wären nie verlegt worden, hätte ein Sammler die Aufnahmen nicht Valentin Schneider zukommen lassen. Als der Kontakt aufgenommen wurde und der junge Historiker die Fotos in den Hände bekam, begann eine lange Recherche. So wurde etwa ein Zeugenaufruf in der deutschen Regionalpresse gestartet, um den bis dato unbekannten deutschen Fotographen zu identifizieren. Er erschien nur einmal, «in einem Spiegel in einer der Aufnahmen». Tatsächlich konnte der unbekannte Knipser zwei Tage später identifiziert werden. Es handelte sich um Egon Pfende, einen Soldaten der deutschen Luftwaffe. Geboren am 23. August 1920 in Nysa, im heutigen polen, war der junge Offizier der Sohn eines Polizisten. Mit einer Kodak Duo 620 Kamera hielt er das alltägliche Leben seines Regiments fest – von der Vorkriegszeit bis zur Belagerung Frankreichs verbringt er einen Großteil seiner Freizeit hinter der Linse. Die drei folgenden Bände der Kollektion handeln von der Besatzung Frankreichs.

Die Kollektion «Egon Pfende»

beim Verlag Schneider Media.

Preis: 19,90 Euros.

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