«TV Total» – Ein bisschen traurig ist es ja schon, Stefan!

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«TV Total»Ein bisschen traurig ist es ja schon, Stefan!

Es ist vorbei: Heute moderiert Stefan Raab zum letzten Mal «TV Total». Der Entertainer hat die Fernsehlandschaft in den letzten Jahren entscheidend mitgeprägt.

16 Jahre lang hat er die Sache bei ProSieben durchgezogen. Seine flapsigen Sprüche, seine hemdsärmlige Art, der Spott und die Respektlosigkeiten. Aber auch: seine Ideen, seine Kreativität und seine Geradlinigkeit. Raab, der Alleskönner.

Am Mittwoch präsentiert der mittlerweile 49-jährige Entertainer sein Late-Night-Format «TV Total» zum letzten Mal. Zwei Tage später geht er mit der finalen Ausgabe von «Schlag den Raab» endgültig in Rente. Damit stirbt auch ein Stück der jüngeren Fernseh-Unterhaltungsgeschichte.

1. Der Aufstieg

1993 bietet sich Raab bei Viva an. Er will dem deutschen Musiksender Werbe-Jingles verkaufen. Doch bald wird klar, dass der gelernte Metzger zu Höherem berufen ist. Mit 27 moderiert Raab «Vivasion»: Er veralbert Menschen in Straßenumfragen oder im Studio. Der Humor – er geht meist auf die Kosten anderer.

2. Der Durchbruch

1999 nimmt ProSieben den Kölner unter Vertrag und gibt ihm eine eigene Show. «TV Total» wird schnell zum Quotenhit: Zunächst einmal, dann viermal pro Woche nimmt Raab alles aufs Korn, was die Fernsehlandschaft gerade so hergibt. Er ist der Vorschlaghammer der Unterhaltungsszene; wo er lästert, wächst kein Gras mehr.

3. Die besten Sprüche

«Julio Iglesias hatte über 1000 Frauen ... Eigentlich nur 900, wenn man die Transen abzieht, die er nicht erkannt hat.»

«Jeanette Biedermann wird bei ihren Shows mit Teddys beworfen: Wer dreimal trifft, darf früher gehen!»

«Hat einer den Til-Schweiger-‹Tatort› gesehen? 19 Tote gab es! So viele gibt es bei der ARD sonst nur beim ‹Musikantenstadl› – im Publikum.»

4. Die legendärsten Szenen

Im Jahr 2000 überrascht Raab Rudi Carrell (†) mit einem seiner Raabigramme. Und fragt rotzfrech: «Wann wirst du endlich wieder witzig?» – in Anspielung an dessen Lied «Wann wirds mal wieder richtig Sommer?» Außerdem boxt er im Ring gegen Regina Halmich, treibt McDonald's-Kunden zur Verzweiflung und stellt ungebildete Jugendliche im «Erstwählercheck» vor aller Augen bloß.

5. Raab, das Musik-Genie

Unvergessen, wie Raab aus den simplen, wenn auch von Regina Zindler lustig ausgesprochenen Wörtern «Maschendrahtzaun» und «Knallerbsenstrauch» einen Nummer-1-Hit zaubert. Ähnliches Geschick beweist er mit den Ö La Palöma Boys oder Gerhard Schröders Satz «Hol mir mal 'ne Flasche Bier». Alle Songs landen in den Charts. 2010 gewinnt Raab mit Lena Meyer-Landrut den Eurovision Song Contest. Zudem entdeckt er neue Talente wie Stefanie Heinzmann oder Max Mutzke.

6. Der größte Skandal

In Erinnerung bleibt vor allem die Geschichte mit Lisa Loch: 2001 macht sich Raab über den Namen der 16-jährigen Schülerin lustig und prophezeit ihr gute Chancen in der Pornobranche. Die junge Frau verklagt den Moderator, dieser muss 70.000 Euro Schadensersatz zahlen.

7. Das Raab-Imperium

Der selbsternannte «König Lustig» verhilft dem längst tot geglaubten TV-Samstagabend zu neuem Glanz: In der «Stock Car Crash Challenge» fährt er haufenweise Autos zu Schrott, pokert sich die Nächte um die Ohren und fordert Kandidaten bei «Schlag den Raab» gleich selbst zum Duell. Sein Antrieb? Der Ehrgeiz. Raab würde auch um ein halbes Mettbrötchen spielen. Hauptsache, er verliert nicht.

8. Sein Privatleben

Über das Multitalent ist nur wenig bekannt: Er ist verheiratet, hat zwei Kinder, lebt in der Nähe von Köln. Und er fliegt gern.

Jetzt sagt Raab also tschüss. Schlimm ist das nicht: Mit den «TV Total»-Quoten ging es in den letzten Jahren stetig abwärts. Dennoch sind Typen wie er im Fernsehen rar. Denn: Auch wenn er kein Sympathieträger ist, ein bisschen bedauerlich ist sein Rücktritt ja schon.

Apropos Rücktritt: Den hat er damals, im Juni 2015, an einem späten Mittwochabend angekündigt. Damit die Boulevardpresse, mit der er seit jeher auf Kriegsfuß steht, für ihre gedruckten Ausgaben eine Sonderschicht einlegen musste. Raab wird sich gesagt haben: Wenn ich schon gehe, bestimme ich, wie und wann. Der Hofnarr diktiert die Regeln, das war schon immer so.

(L'essentiel/Yves Schott)

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