Trinkwasser – Ein Drittel der Quellen mit Pestiziden belastet

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TrinkwasserEin Drittel der Quellen mit Pestiziden belastet

LUXEMBURG – Das Trinkwasser ist mit Pestiziden verunreinigt. Um das Problem in den Griff zu bekommen, will die Regierung das Wasser verdünnen und Schutzzonen ausweisen.

Pestizide aus dem Rapsanbau belasten das Luxemburger Trinkwasser.

Pestizide aus dem Rapsanbau belasten das Luxemburger Trinkwasser.

AFP

Sechs Wochen ist es her, dass im Luxemburger Trinkwasser Rückstände des Pestizids Metazachlor gefunden wurden – und zwar nicht nur im Oberflächenwasser, sondern auch in den Tiefbrunnen. Die Regierung hat darauf hin eine «Derogation» beschlossen. Das ist eine temporäre Erhöhung der Grenzwerte, die in der europäischen Trinkwasserverordnung niedergeschrieben sind. Für drei Jahre wird eine solche Derogation gewährt. So lange hat die luxemburgische Regierung jetzt Zeit, das Problem zu lösen.

Als ersten Schritt hat das Ministerium für nachhaltige Entwicklung und Infrastrukturen alle luxemburgischen Trinkwasserquellen auf die Pestizide untersucht. Zwischen dem 9. und dem 17. Oktober wurden insgesamt 105 Wasserproben analysiert. Das Resultat: in 33 Prozent der Quellen wird der EU-Grenzwert überschritten. Nahezu 60 Prozent der Tiefbrunnen weisen geringfügige Pestizidrückstände auf. Dabei sind die Abbauprodukte des Rapspestizids Metazachlor am meisten vertreten. Aber auch andere Pflanzengiftreste schwimmen im Trinkwasser. «Das ist insofern überraschend, da Raps keine Kulturpflanze ist, die in Luxemburg weit verbreitet ist», erklärt Camille Gira, Staatssekretär im Umweltministerium.

Vor allem südliche Kantone sind betroffen

Vor allem in den Kantonen im Süden des Landes muss die Regierung von der Derogation Gebrauch machen. Große Teile von Kapellen und Remich und der komplette Kanton Esch sind auf einer Karte der Regierung in tiefem Rot gefärbt. Das heißt: Hier werden die Metazachlorgrenzwerte überschritten. «Der höchste Wert, den wir im Trinkwasser gemessen haben, beträgt 400 Nanogramm», erklärt Luc Zwank von der Wasserverwaltung. Die Derogation sieht einen Maximalwert von 3000 Nanogramm vor. Aber, versucht Umweltministerin Carole Dieschbourg zu beruhigen: «Auch das Wasser in den Gemeinden mit der Derogation kann ohne Bedenken getrunken werden – es ist Trinkwasser.» Eine so geringe Verunreinigung sei für Menschen nicht schädlich.

Bis Oktober 2017 sollte der Metazachlorwert in den betroffenen Gemeinden dennoch wieder unter den Grenzwert gestunken sein. Das versucht die Regierung zu erreichen, in dem sie verseuchtes Trinkwasser mit sauberem mischt und so verdünnt. «Hilft auch das nicht, kommen besondere Reinigungsanlagen zum Einsatz», erklärt Brigitte Lambert von der Wasserverwaltung.

Arbeitsgruppen sollen Maßnahmen koordinieren

Doch wie will die Regierung das Wasserproblem langfristig in den Griff bekommen? Der Plan der Regierung: Drei Arbeitsgruppen koordinieren Maßnahmen in der Landwirtschaft, Empfehlungen von Wasserexperten und Handlungsanweisungen der Ministerien. Insgesamt sollen 80 Wasserschutzzonen ausgewiesen werden, in denen die Landwirte nicht einfach alles verklappen können, was sie wollen. Ob die Bauern eine Entschädigung bekommen, ist offen.

Die Schaffung von Wasserschutzgebieten ist jedoch eine langfristige Maßnahme. Denn es kann bis zu 30 Jahre dauern, bis Oberflächenwasser im Grundwasser ankommt und dort angezapft wird, erklärt Luc Zwank. «Wir machen die Maßnahme jetzt, damit wir später nicht noch länger warten müssen», sagt Camille Gira.

(sen/L'essentiel)

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