Umweltorganisation – «Ein großer Imageschaden für Greenpeace»

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Umweltorganisation«Ein großer Imageschaden für Greenpeace»

LUXEMBURG - Inmitten des Finanzskandals fliegt ein Luxemburger Greenpeace-Manager als CO2-Sünder auf. Die Umweltorganisation verteidigt sich.

Der Luxemburger Pascal Husting, führender Kopf bei Greenpeace International, steht wegen seiner Reiseaktivität in der Kritik.

Der Luxemburger Pascal Husting, führender Kopf bei Greenpeace International, steht wegen seiner Reiseaktivität in der Kritik.

AFP

Inmitten des Finanzskandals bei Greenpeace gerät auch der Luxemburger Pascal Husting, einer der Top-Manager der Umweltorganisation, in die Kritik. Für die knapp 400 Kilometer lange Strecke zwischen seinem Wohnort in Luxemburg und dem Büro in Amsterdam soll der internationale Programmleiter von Greenpeace regelmäßig das Flugzeug benutzen – dies trotz einer groß angelegten Greenpeace-Kampagne, den Luftverkehr zu drosseln.

Wie die englische Zeitung The Telegraph schreibt, hatte Husting vor zwei Jahren, als er den Job in den Niederlanden antrat, mit dem Pendeln begonnen. Jeweils zwei Mal pro Monat sei er zwischen Luxemburg und Amsterdam hin- und zurückgeflogen. Den Flugpreis von jeweils rund 250 Euro hätte Greenpeace bezahlt. Ehrenamtliche Mitarbeiter der Organisation reagierten mit Unverständnis, einer bezeichnete die Reisen des Managers als «fast unglaublich». Der Hin- und Rückflug verursachte gemäß der Fluggesellschaft KLM eine Emission von 142 Kilogramm Kohlendioxid. Wie die Zeitung vorrechnet, hätte das Pendeln des Greenpeace-Managers so zu Emissionen von 7,4 Tonnen Kohlendioxid geführt, was 17 Fässern Erdöl entspräche.

«Optik nicht ideal»

Rückendeckung erhält Husting von Philippe Schockweiler von Greenpeace Luxemburg. Er sagt auf Nachfrage von L'essentiel: «Ich finde, wir haben derzeit größere Probleme. Natürlich ist die Optik nicht ideal. Aber als Manager ist man auf Flugreisen angewiesen, besonders in Luxemburg, wo die Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz der Nachbarländer ja leider alles andere als gut ausgebaut ist.»

Husting erklärte, dass er jedes Mal 12 Stunden im Zug hätte sitzen müssen, wenn er auf den Flug verzichtet hätte. «Ich verbringe die halbe Zeit meines Lebens in Skype- und Video-Konferenzen», so Husting gegenüber dem Telegraph. «Aber als leitender Angestellter muss man sein Team auch mal persönlich sehen. Deshalb fliege ich während der Phase der Umstrukturierung meines Teams zwei Mal pro Monat nach Amsterdam.» Wie er beteuerte, würde er ab September einmal pro Monat auf den Zug wechseln. «Dann kommt die Umstrukturierung langsam zu einem Ende und meine Kinder sind dann auch schon älter.»

3,8 Millionen Euro verspekuliert

Bereits letzte Woche war Greenpeace in die Kritik geraten und gezwungen, sich in der Öffentlichkeit zu entschuldigen. Ein Mitarbeiter der Finanzabteilung hatte bei Devisengeschäften 3,8 Millionen Euro an Spendengeldern verspekuliert.

Schockweiler spricht gegenüber L'essentiel von einem «großen Imageschaden für Greenpeace», den nun auch das Büro in Luxemburg ausbaden muss. Er macht die fehlende Kontrollmechanismen in der Zentrale in Amsterdam für die Verluste am Währungsmarkt verantwortlich. «Dem Finanz-Mitarbeiter wurden diese Geschäfte zunächst verwehrt, aber er hat trotzdem weitergemacht. Ohne das ihn jemand gestoppt hätte. Das darf es in Zukunft nicht mehr geben», fordert der Greenpeace-Sprecher in Luxemburg rasche Konsequenzen. Er vermutet hinter den jüngsten Enthüllungen aber auch eine Intrige in der Zentrale in Amsterdam, da sich die Berichterstattung vor allem auf die Nummer 1 und 2 bei Greenpeace, den Südafrikaner Kumi Naidoo und eben Husting konzentriere.

«Wir haben in den vergangenen Wochen sehr viele kritische Rückmeldungen von unseren Unterstützern erhalten. Gekündigt hat aber bislang zum Glück niemand, weil wir alle Anfragen sehr schnell beantwortet haben und generell über ein gutes Mitgliederservice verfügen», sagt der Sprecher. Anders die Situation in Deutschland: Dort hat die Umweltorganisation nach Bekanntwerden des Spekulationsskandals immerhin 700 von insgesamt 600'000 Förderern verloren.

«Jedes verlorene Mitglied tut weh», sagt Schockweiler, der in den nächsten Tagen auch eine ausführliche Stellungnahme an die Mitglieder in Luxemburg verschicken will. Hierzulande wird Greenpeace von rund 10'000 Geldgebern unterstützt.

«Spenden aus Luxemburg nicht betroffen»

Im vergangenen Jahr erhielt die NGO von Spendern im Großherzogtum in Summe knapp über 900'000 Euro. In der Regel werden 18 Prozent des Spendenvolumens aus dem jeweils vorvergangenen Jahr an Greenpeace International (GPI) in Amsterdam überwiesen, die dort dann weiter in weltweite Umweltschutz-Kampagnen fließen. Im Vorjahr übermittelte das Büro in Luxemburg 175'000 Euro an GPI, davon 20'000 Euro für die Freilassung der 30 Greenpeace-Aktivisten in Russland. Für das verlustreiche Währungsgeschäft seien jedoch keine Spendengelder aus Luxemburg verwendet worden, versichert eine Sprecherin. «Das Geld für die Währungsgeschäfte stammt hauptsächlich aus Spenden, die direkt an Greenpeace International überwiesen wurden. Mit Luxemburger Greenpeace-Geldern wurde nicht spekuliert.»

(L'essentiel/jt mit bee)

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