Kylian Mbappé – Ein Hosenscheißer für 120 Millionen Euro
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Kylian MbappéEin Hosenscheißer für 120 Millionen Euro

Er ist die neuste Sensation im europäischen Fußball. Gut möglich, dass Monacos Kylian Mbappé früher oder später zum teuersten Spieler der Welt wird.

Sein Spitzname ist nicht gerade schmeichelhaft. Aber Spitznamen verfolgen ja ohnehin meist einen anderen Zweck, als jemanden zu hofieren.

Kylian Mbappé muss sich also damit abfinden, dass ihn seine Teamkollegen der AS Monaco «Razmoket» rufen, Hosenscheißer. Das ist allerdings einzig seinem Äußeren geschuldet. Sein Gesicht erinnert die Mitspieler an eine Figur aus der US-Zeichentrickserie «Rugrats», die in Frankreich einst als «Les Razmoket» ausgestrahlt wurde.

Herausragende Statistik

Auf dem Fußballplatz hat der 18-jährige Franzose so gar nichts gemein mit einem Hosenscheißer, vielmehr ist er es, der die Gegner das Fürchten lehrt. Die Größe der Bühne spielt dabei keine Rolle. Nachdem Mbappé mit 16 in der ersten Mannschaft der Monegassen debütiert, sich in Windeseile etabliert und die Ligue 1 aufgemischt hat, macht er auch in der Champions League nicht halt.

Beim 3:2 am Mittwoch in Dortmund, als der Sport für einmal nur nebensächlich war, wurde er zum jüngsten Spieler in der Geschichte der Königsklasse, der in der K.-o.-Runde doppelt traf. Seine Statistik dieser Saison stünde auch einem älteren Angreifer von Weltformat gut an: 34 Spiele, 21 Tore, 11 Assists.

Ein kompletter Spieler

Es sind nicht nur solch herausragende Zahlen, die Fachleute schwärmen lassen. Ob Mitspieler, Gegner, Trainer oder Experten, sie alle stimmen in die Lobeshymnen auf den jungen Mann ein, weil sie in ihm etwas ganz Besonderes sehen. Nationaltrainer Didier Deschamps, der Mbappé im März erstmals für die Länderspiele gegen Luxemburg und Spanien aufbot, sagt: «Er ist schon sehr reif. Er hat diese Ruhe im Eins-gegen-Eins mit dem Goalie, diese Kaltblütigkeit, diese Klarheit im Kopf, die ihn so effizient macht. Das unterscheidet ihn von Gleichaltrigen.»

Im vergangenen Sommer führte Mbappé Frankreichs U19 zum EM-Titel. Trainer Ludovic Batelli, der kraft seines Amtes schon manches Versprechen für die Zukunft unter seinen Fittichen hatte, sagt: «Kylian ist unberechenbar, handelt instinktiv und ist unglaublich schnell. Ein wahres Talent macht Dinge, die du so noch nie gesehen hast und auch nicht erwarten würdest. Genau das tut er.» Mbappé habe die Charakterstärke eines Martial (Man United), Coman (Bayern) oder Dembélé (Dortmund), «aber er ist ihnen voraus».

Poster von Ronaldo an der Wand

Mbappé ist der Sohn eines kamerunischen Einwanderers und einer Algerierin, die einst Handball spielte. Er wuchs in einer Pariser Banlieue auf, sein Vater war sein Trainer bei der AS Bondy, ehe ihn der nationale Verband ins Leistungszentrum nach Clairefontaine berief. Mit 14 schloss sich Mbappé der AS Monaco an, obwohl er zuvor auch Probetrainings bei Chelsea und Real absolviert hatte.

Gerade Madrid und die Begegnung mit Cristiano Ronaldo hatten ihn beeindruckt. Es gibt da dieses Foto von vor sechs Jahren, Mbappé sitzt in seinem Zimmer auf dem Bett, die Wände sind tapeziert mit Postern des Portugiesen. Dass er dennoch ins Fürstentum wechselte, erklärt Mbappé heute so: «Ich wollte mich in der heimischen Liga durchsetzen, ehe ich ins Ausland gehe.»

«Er braucht sein Gehirn»

Sein Werdegang und seine Spielweise bringen Mbappé allenthalben Vergleiche mit dem erfolgreichsten französischen Goalgetter ein: Thierry Henry. Davon haben beide zwar längst genug, was aber nichts daran ändert, dass es markante Parallelen gibt. Auch Arsène Wenger, der Henry einst in Monaco aus dem Nachwuchs zu den Profis beförderte und später bei Arsenal zum Weltstar formte, kann die Gemeinsamkeiten nicht von der Hand weisen. «Er hat denselben cleveren Blick, dieselbe Spielintelligenz und ist ähnlich begabt im Abschluss», sagt der Arsenal-Manager.

Henry selbst traut seinem Landsmann ebenfalls eine große Karriere zu. «Wie gut er schon ist», sagt er. «Er ist schnell, kräftig, sprunggewaltig. Und wenn ich ihn dribbeln sehe, denkt er, er braucht sein Gehirn. Das ist für mich ein Zeichen, dass es dieser Junge sehr weit bringen kann.» Henry hatte mit 18 Jahren und 114 Tagen – so alt ist Mbappé am heutigen Donnerstag – 21 Spiele für Monaco bestritten und fünf Tore erzielt. Mbappé steht bei 48 Partien und 22 Treffern.

Der Gelobte bleibt bescheiden

Der Hype um den Wunderstürmer hat inzwischen beträchtliche Ausmaße angenommen. Dem Vernehmen nach soll Monaco kürzlich ein 110-Millionen-Euro-Angebot aus der Premier League abgelehnt haben. Der Begehrte, dessen Vertrag bis 2019 läuft, gibt sich gelassen. «Ich habe noch nicht genug erreicht, um Monaco zu verlassen», sagt er.

Sicher ist, dass sein nächster Club ein ganz großer sein wird. «Wir wissen alle, dass er früher oder später bei Real Madrid oder Barcelona landen wird», sagt Teamkollege Fabinho. Die Königlichen dürften dabei die besseren Karten haben. Wie verriet doch deren Trainer Zinédine Zidane jüngst: «2013 stand er kurz vor der Unterschrift bei uns, ging dann aber zu Monaco.»

Sollte es dereinst tatsächlich zu dieser Liaison kommen, wird Real etwas tiefer in die Tasche greifen müssen. Monaco soll unter 120 Millionen Euro nicht zu Verhandlungen bereit sein.

(L'essentiel)

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