Endzeit in Damaskus? – Ein Leben für den Diktator

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Endzeit in Damaskus?Ein Leben für den Diktator

Beim Bombenanschlag auf das syrische Sicherheitskabinett wurden drei treue Diener Assads getötet. Ein Christ und ein Sunnit des Regimes. Der Dritte war sein Schwager.

Mit dem Bombenanschlag auf Assads innersten Machtzirkel ist dem bewaffneten Arm der syrischen Opposition ein Exploit gelungen. Bereits im Mai hatte die Freie Syrische Armee einen Mordanschlag auf das Sicherheitskabinett versucht, indem sie einen Koch anwies, deren Essen zu vergiften. Diesmal gelang die Mordtat. Ob diese - wie von den Rebellen behauptet - das Blatt im seit über einem Jahr wütenden Aufstand wendet, wird sich in den kommenden Tagen zeigen.

Die symbolische Bedeutung ist hoch einzuschätzen, da bis dato noch weite Bevölkerungsteile neutral am Rand stehen. Der Anschlag könnte viele überzeugen, dass die Tage Baschar Assads tatsächlich gezählt sind und damit eine neue Dynamik schaffen. Davon abgesehen handelt es sich bei den Opfern teilweise um wichtige Stützen des Assad-Regimes:

Assef Shawkat (62), Assads Schwager, engster Sicherheitsberater, Vize-Armee-Chef
Schwkat war mit Assdas Schwester Buschra verheiratet und einer der gefürchtetsten Köpfe aus dessen Entourage. Laut dem britischen «Guardian» soll er in der Gunst Anisa Makhloufs, Assads einflussreicher Mutter gestanden haben. Zusammen mit Baschar Assad und dessen Bruder Maher war er für die Niederschlagung der Proteste verantwortlich und genoss als oberster Sicherheitschef Mitspracherecht in sämtlichen Geheimdienst- und Armeeoperationen. Von 2005 bis 2009 leitete er den Militärgeheimdienst.

Dawoud Rajha (65), Verteidigungsminister, Quotenchrist
Nominell war Rajha syrischer Verteidigungsminister, doch wie in vielen anderen Ministerien war es ein alawitischer Vertrauter Assads (Assef Schwkat, siehe oben), der auf dem Vizeposten die Fäden in der Hand hielt. Rajhas christliche Konfession half dem Regime allerdings, den Eindruck eines multiethnischen Kabinetts zu vermitteln. Ohnehin gilt das Verteidigungsministerium als weniger wichtig als das Innenministerium, der Geheimdienst und Maher Assads Republikanergarde. Rajhas Anwesenheit in der verhängnisvollen Sitzung des Nationalen Sicherheitsrats vom Mittwoch signalisiert allerdings, dass auch er eine gewisse Statur im syrischen Machtgefüge innehatte.

Hassan Turkmani (77), Ex-Verteidigungsminister, Quotentürke, Folterchef
Turkmani diente 2004 bis 2009 als Verteidigungsminister und gehört der ethnisch-türkischen Minderheit Syriens an. Als Sunni hatte er eine ähnliche Funktion wie Christ Dawoud Rajha (siehe oben), sollte also dem Eindruck alawitischer Dominanz an den Schlüsselstellen der Macht zumindest vordergründig entgegentreten. Aufgrund seiner Herkunft schickte ihn Assad kurz nach Ausbruch des Aufstands im Juni 2011 zu Gesprächen in die Türkei. Damals versicherte er, die syrischen Flüchtlinge seien nur vorübergehend in der Türkei und würden bald in ihre Heimat zurückkehren. Turkmani war zuletzt Minister ohne offizielles Portfolio, galt aber als Krisenmanager und Verantwortlicher für die Foltergefängnisse.

Ob Innenminister und früherer Chef der Militärpolizei Mohammad Ibrahim al-Shaar (62) den Bombenanschlag überlebt hat, darüber gibt es im syrischen Fernsehen widersprüchliche Berichte.

(L'essentiel Online/kri)

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