Wissenschaft und Technik: Ein luxemburgisches Start-up baut eine Weltraum-Fabrik

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Wissenschaft und TechnikEin luxemburgisches Start-up baut eine Weltraum-Fabrik

LUXEMBURG – Space Cargo Unlimited, ein europäisches Start-up, plant den Bau eines Raumfahrzeugs, das im All als Fabrik dienen soll. 2025 soll es fertig sein.

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REV1 heißt die neue Raumfähre, die ohne Astronaut an Bord ins All fliegen soll. Den Auftrag, sie zu bauen, bekam Thales Alenia Space (TAS), ein Unternehmen, das auf Druckmodule spezialisiert ist. Das gab Space Cargo Unlimited, das in Frankreich und Luxemburg ansässig ist, am Donnerstag bekannt.

Die weniger als drei Tonnen schwere Raumfähre wird 20-mal wiederverwendbar sein und in mehreren hundert Kilometern Höhe in niedriger Umlaufbahn bleiben. Jede Mission wird zwei bis drei Monate dauern.

TAS hat Erfahrung in diesem Bereich. Für die Europäische Weltraumorganisation entwickelte die Firme die Raumfähre Space Rider, nach dem IXV (Intermediate eXperimental Vehicle), das 2015 erfolgreich geflogen war. Nun soll die dabei gesammelte Erfahrung für die REV1 genutzt werden.

320 Weinpflanzen im Weltall

«Wir haben die notwendigen Summen aufgebracht, um Phase eins der Entwicklung der Raumfähre sicherzustellen», versichert Nicolas Gaume, der CEO von Space Cargo Unlimited.

Die Firma rechnet mit der Entwicklung einer neuen Wirtschaft, da die Produktion im All bis 2040 zehn Milliarden Dollar ausmachen solle, schätzt Morgan Stanley.

«Es gibt zahlreiche Anwendungsbereiche«, erklärt Nicolas Gaume, «von der Landwirtschaft bis zur Pharmakologie, bis hin zu neuen Materialien». Space Cargo hat 2020 bereits 320 Weinrebenpflanzen für 14 Monate ins All geschickt.

«Die Schwerkraft ist der einzige Parameter des Lebens, der sich nicht verändert hat»

«Sie der Umgebung im All auszusetzen, hat den Pflanzen erlaubt, eine erhöhte, natürliche Resistenz gegenüber dem Klimawandel zu entwickeln», erklärt Nicolas Gaume. Gleichzeitig ruft er in Erinnerung, dass «die Schwerkraft der einzige Bestandteil des Lebens ist, der sich seit vier Milliarden Jahren nicht verändert hat» und deren Abwesenheit «beschleunigte Entwicklungen» hervorrufe.

Die Firma plant nun, diese widerstandsfähigeren Pflanzen der Sorten Cabernet-Sauvignon und Merlot 2024 auf den Markt zu bringen.

Die Fabrikation im Weltraum, außerhalb der Schranken der Schwerkraft, kann auch die Schaffung optischer Hochpräzisions-Linsen ermöglichen. Außerdem können «perfekte Reinräume» geschaffen werden, etwa für die Fabrikation von Mikroprozessoren.

(AFP)

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