Gratifikationskrise – Ein mieser Job geht ans Herz

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GratifikationskriseEin mieser Job geht ans Herz

Eine leistungsgerechte Entlohnung sowie Anerkennung für die getane Arbeit wünscht sich jeder. Doch wehe, wenn diese Wertschätzung ausbleibt: Das Herzinfarktrisiko steigt dramatisch an.

Frust im Job? Das kann über die Jahre lebensgefährliche Folgen haben. (Bild: Colourbox)

Frust im Job? Das kann über die Jahre lebensgefährliche Folgen haben. (Bild: Colourbox)

Der psychische Druck am Arbeitsplatz hat in den vergangenen Jahrzehnten stark zugenommen: Jeder Zehnte (9,6 Prozent) – das geht aus einem Gesundheitsreport der deutschen Krankenkasse DAK hervor – leidet unter einer sogenannten Gratifikationskrise. Sie steht häufig im Zusammenhang mit einem ungleichen Verhältnis zwischen Belohnung und geleisteter Arbeit, wie die «Ärzte Zeitung» berichtet: Auch Arbeitsplatzunsicherheit, nicht vorhandene innerbetriebliche Entwicklungsmöglichkeiten sowie fehlende Anerkennung der Leistung seitens des Vorgesetzten können Gegenstand einer Gratifikationskrise sein.

Besonders besorgniserregend: Solche Missstände schaden nicht nur der Psyche, sondern auch dem Herzen: Demnach soll das Herzinfarktrisiko von Gratifikationskrisen-Geplagten im Vergleich zu nicht betroffenen Arbeitnehmern um das doppelte erhöht sein. «Je größer Selbstbestimmung und Gestaltungsmöglichkeiten am Arbeitsplatz sind, um so weniger tritt dieses Problem auf», kommentiert Herbert Rebscher, Vorstandsvorsitzender der DAK, das Ergebnis einer von der Krankenkasse durchgeführten repräsentativen Umfrage. Im Rahmen der Erhebung wurden 3000 Berufstätige in Deutschland befragt.

Gratifikationskrise: Bei Selbstständigen eher selten

Besonders oft trifft es laut Umfrageergebnis Facharbeiter (11,2 Prozent). Ebenso über dem Durchschnitt liegen mit 10,8 Prozent die Arbeiter. Seltener von einer Gratifikationskrise betroffen sind hingegen Selbstständige und Freiberufler (3,9 Prozent). Überraschend in diesem Zusammenhang ist, dass betriebliche Zielvereinbarungen, bei denen Verantwortung für messbare Arbeitsergebnisse auf Beschäftigte übertragen wird, laut DAK nicht zu mehr Gratifikationskrisen führen.

Die Studienleiter beunruhigt schließlich, dass Betroffene kaum etwas gegen ihren Zustand unternehmen. «Obwohl diese Arbeitnehmer um ihr erhöhtes Gefährdungspotential wissen, belegt der Report, dass sie sich nicht stärker um ihre Gesundheit kümmern als andere Beschäftigte», sagt Rebscher. Deshalb sei es wichtig, dass sich die Unternehmen stärker für das innerbetriebliche Gesundheitsmanagement einsetzen.

(L'essentiel Online/rre)

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