Prozess in Paris – Ein rassistischer Anfall mit Konsequenzen

Publiziert

Prozess in ParisEin rassistischer Anfall mit Konsequenzen

John Galliano wird wegen rassistischer Beleidigungen in Paris der Prozess gemacht. Nun sickerte die Gerichtsakte an die Öffentlichkeit. Sie stellt den Modeschöpfer in kein gutes Licht.

Der Abend des 24. Februar 2011, an dem John Galliano seine Karriere zerstörte, begann im Café «La Perle» im Pariser Marais-Quartier. Die Frau am Nebentisch hatte – nach eigenen Angaben – den Designer nicht erkannt. Sie dachte, er sei ein Obdachloser. Erst später, als sich die Anwälte einschalteten, erfuhr sie, mit wem sie es zu tun hatte.

Am Mittwoch beginnt in Paris der Prozess gegen Galliano wegen rassistischer Beleidigungen. In der Gerichtsakte, die der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung zu Verfügung steht, kann nachgelesen werden, wie die einstündige Episode im Pariser Trendlokal außer Kontrolle geriet. Die Unterlagen, die dem US-Magazin «Newsweek» vorliegen, schildern, wie Galliano an jenem Abend antisemitische Sprüche und rassistische Bemerkungen in den Raum schleuderte.

Gegen Juden und Asiaten

Die Aggression war vor allem gegen eine Frau gerichtet, Géraldine Bloch, eine Kuratorin des «Institut du Monde Arabe». Sie saß am Nebentisch mit ihrem Assistenten, als Galliano sie «dreckige Nutte» mit einem «hässlichen jüdischen Gesicht» nannte. Sie sollte sterben, gab er noch an. Während er an ihren Haaren riss, soll er sich über ihren «empörten Blick» lustig gemacht haben. Er verspottete zudem ihre «billigen Stiefel mit den billigen Strumpfhosen».

Als ihr Assistent Philippe Virgitti sich einmischte, wurde er von Galliano als «verdammter asiatischer Bastard» beschimpft. Später nannte er ihn auch «dreckiger Asien-Scheiß». Eine deutsche Modestudentin sollte später als Augenzeugin bei der Polizei aussagen und die Version von Virgitti erhärten: Der Designer soll den Mann gefragt haben, ob er einen Ausweis habe, und angedeutet haben, er sei ein illegaler Einwanderer.

Der Ende des Abends – und der Karriere

Galliano war bereits zu diesem Zeitpunkt für seine Ausraster in der Pariser Modeszene berüchtigt. Als Blochs Anzeige in den Medien bekannt wurde, tauchte eine weitere Frau auf, die behauptete, von Galliano vier Monate zuvor als «verdammte dreckige Juden-Nutte» beschimpft worden zu sein. Kurz danach wurde der britischen Boulevardzeitung «The Sun» ein Video zugespielt, in dem Galliano – auch im Café «La Perle» – eine Frauengruppe beleidigte: «Ich liebe Hitler», ist klar zu hören, «Leute wie ihr sollten tot sein. Eure Mütter, eure Vorfahren sollten alle vergast sein.»

Als Galliano begann, gegenüber Bloch laut zu werden, näherte sich sein Chauffeur. Er wusste, was in diesen Situationen zu tun ist. Diskret und professionell zückte er sein Handy und rief Gallianos Anwalt an. Auch sein Bodyguard versuchte, die Situation zu entspannen. Er erklärte den beiden, dass sie es mit John Galliano zu tun hätten. Der Anwalt forderte dann den Fahrer auf, Bloch ans Telefon zu bekommen, doch die Frau weigerte sich. Sie erstattete noch am gleichen Abend Anzeige. Stunden später wurde der sternhagelvolle Galliano von der Polizei aufgegriffen.

Am nächsten Tag wurde der Modedesigner auf freien Fuss gesetzt. Doch mit seiner Karriere war's vorbei: Sein Arbeitgeber, das französische Modehaus Dior, entließ ihn am 1. März. Auch das Label, das seinen Namen trägt, durfte er nicht weiter führen.

L'essentiel Online/kle

Deine Meinung