Pop-Drop – Ein simpler Trick, und ein Song wird zum Hit

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Pop-DropEin simpler Trick, und ein Song wird zum Hit

Die Schöpfer vieler Pop-Hits des Jahres 2016 wandten denselben Kniff an, um ihre Songs zu Ohrwürmern zu machen: Sie haben den sogenannten Pop-Drop eingebaut.

Es ist Ihnen wahrscheinlich gar nie bewusst aufgefallen – oder Sie wussten nicht, wie Sie es nennen sollten –, aber viele Songs, welche letztes Jahr weit vorne in den Charts waren (oder immer noch sind), funktionieren nach demselben Prinzip: dem des Pop-Drop, wie das Branchenportal Billboard.com schreibt.

Dabei ist nicht wie gewohnt der Refrain das Highlight des Popsongs, sondern das, was danach kommt. Die Struktur wird sozusagen verschoben: Der Refrain, normalerweise der mitsingtauglichste Teil eines Liedes, wird nach vorn an die Stelle der Bridge verlegt, der Refrain mit dem Songtitel im Text fungiert als neue Bridge und dann, wenn wir eigentlich den Refrain erwarten würden, folgt stattdessen der Pop-Drop (im Video oben haben wir das Prinzip veranschaulicht).

«Rockabye» von Clean Bandit mit Sean Paul und Anne-Marie ist ein Musterbeispiel für die Verwendung des Pop-Drop. (Quelle: Youtube/Clean Bandit)

Erprobte Methode

Der Drop ist seit langem ein probates Stilmittel des EDM, um musikalische Spannung aufzubauen, das Publikum kurz durchatmen zu lassen und dann den Bass zu droppen, mit dem es nach der Verschnaufpause gnadenlos pumpend weitergeht. Weil instrumentale Clubmusik in den Charts in der Regel nicht funktioniert, haben findige Produzenten wie DJ Snake oder Skrillex und Diplo (alias Jack Ü) diesen Kniff mit einer Pop-Stimme kombiniert – in ihrem Fall Justin Bieber –, um so charten zu können.

Beim Pop-Drop droppt die Stimme raus und wird meist durch Synthesizer ersetzt. Diese verzerren manchmal den Gesang (so sehr, dass er nur noch angedeutet wird), manchmal wird mit wenigen Worten darüber gesungen, manchmal intensivieren sie die Melodie, manchmal führen sie auch ein ganz neues Element ein. Gemeinsam aber haben sie alle, dass sie den Refrain in den Schatten stellen und den eigentlichen Höhepunkt der Nummer bilden.

Pop-Drop in Reinform: «Alone» von Alan Walker, der mit «Faded» schon Ende 2015 einen großen Hit mit dieser Songstruktur ablieferte. (Quelle: Youtube/Alan Walker)

Die Pop-Drop-Könige

Laut Billboard.com wurde der Pop-Drop 2016 ungefähr in jedem fünften Song der amerikanischen Billboard-Hot-100-Charts verwendet. Die Spitzenreiter in dieser Disziplin seien The Chainsmokers. Das New Yorker DJ-Duo platzierte mit «Roses», «Don't Let Me Down», «All We Know» und der Überhit «Closer» mit Halsey ganze vier Pop-Drop-Songs in den Hot 100. Weitere erfolgreiche Anwender – neben den bereits genannten und denen ganz oben im Video – dieses Prinzips sind Maroon 5 («Don't Wanna Know»), Major Lazer («Cold Water» mit Justin Bieber und MØ) und Tory Lanez («Luv»).

Wie lange der Pop-Drop-Trend wohl noch anhalten wird? Wird die Popmusik 2017 ebenfalls fest in seiner Hand sein oder bahnt sich bereits ein neues Phänomen an? Diskutieren Sie mit!

Neben «This Is What You Came For» mit Rihanna lieferte Calvin Harris dieses Jahr noch einen Pop-Drop-Hit ab: «My Way». (Quelle: Youtube/CalvinHarrisVEVO)

(L'essentiel/shy)

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