Bezahlung via App – Ein Supermarkt ohne Personal und Kasse
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Bezahlung via AppEin Supermarkt ohne Personal und Kasse

Im schwedischen Viken öffnet sich die Tür des Dorfladens mithilfe einer App, mit der der Kunde auch die Produkte selber scannt.

Die Bewohner der südschwedischen Kleinstadt Viken können in ihrem neuen Dorfladen 24 Stunden an sieben Tagen die Woche einkaufen – und das, ohne dass jemand Überstunden schieben muss. Der Shop kommt ohne Verkaufspersonal und Kasse aus, berichtet die Zeitung Helsingborgs Dagblad.

Das Konzept basiert auf Vertrauen: Der Kunde registriert sich in einer App und kann damit sowohl die Tür des Ladens öffnen als auch die Ware selbst scannen. Bargeld braucht man keins, bezahlt wird Ende Monat auf Rechnung. Ob solche Shops auch anderswo denkbar wären?

Gutes Konzept für ländliche Gegenden

«Grundsätzlich ja», sind sich die Wirtschaftspsychologen Jörn Basel und Stefan Ryf einig. «Das Vertrauenskonzept findet man auch auf Bauernhöfen, wo man für Blumen und Lebensmittel einfach Geld in eine Kasse legen kann», sagt Ryf.

Vor allem in kleineren Ortschaften und bei persönlichen Anbietern aus der Gegend könnten Shops ohne Personal sehr gut funktionieren. «Dort herrscht eine Art soziale Kontrolle – man kennt sich ja untereinander. Die Anwohner dürften zudem daran interessiert sein, dass der Shop weiterbesteht und würden das Angebot schon deshalb nicht ausnutzen», meint Basel.

«In anonymen Großstädten dagegen bräuchte es wahrscheinlich Überwachungskameras», vermutet Ryf. Beim schwedischen Beispiel fungiere zudem die Registrierung in der App als Kontrollinstanz. Basel erklärt: «Es lässt sich nachverfolgen, wer wann im Laden war. Menschen sind ehrlicher, wenn sie wissen, dass man ihre Handlungen tracken kann.»

«Wenn jemand bescheißt, dann in kleinem Rahmen»

Der Shop-Besitzer, der IT-Spezialist Robert Ilijason, beugt Diebstahl zudem vor, indem er nur die nötigsten Sachen wie beispielsweise Milch, Brot und Windeln im Sortiment hat. Produkte wie Medikamente, Alkohol oder Tabakwaren, die sich illegal einfach weiterverkaufen ließen, gibt es in den Regalen nicht.

Basel geht davon aus, dass Menschen sowieso grundsätzlich ehrlich handeln, weil sie sich ein gutes Selbstbild bewahren wollen. «Wenn der Endverbraucher bescheißt, dann im kleinen Rahmen, indem er nur eines von vielen Produkten beim Scannen unterschlägt. Dieses Verhalten ist einfacher zu rechtfertigen. Man könnte es ja schlicht vergessen haben.»

(L'essentiel)

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