Arbeit in Luxemburg – Ein Viertel der Arbeitnehmer denkt an Jobwechsel
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Arbeit in LuxemburgEin Viertel der Arbeitnehmer denkt an Jobwechsel

LUXEMBURG – Die Pandemie hat die Arbeitswelt verändert und für eine ganz neue Wahrnehmung der Work-Life-Balance gesorgt.

Die Wahrnehmung für die Work-Life-Balance hat sich bei den Luxemburger Arbeitnehmern verändert.

Die Wahrnehmung für die Work-Life-Balance hat sich bei den Luxemburger Arbeitnehmern verändert.

Pixabay (Symbollbild)

Der Index für die Bewertung der Arbeitsbedingungen und des Wohlbefindens der Arbeitnehmer, gemessen durch den Quality of Work Index, blieb 2021 (53,9 Punkte) im Vergleich zu 2020 (53,5) relativ stabil, aber im Vergleich zu den anderen Jahren auf einem recht niedrigen Niveau (zwischen 54,7 und 56,2 Punkten). Die Ergebnisse dieser Umfrage unter ansässigen Arbeitnehmern und Grenzgängern, die jedes Jahr von der Arbeitnehmerkammer, der Universität Luxemburg und einem Sozialforschungsinstitut durchgeführt wird, ist am Donnerstag vorgestellt worden.

Der Umfrage zufolge haben 24 Prozent der Arbeitnehmer die Absicht, in naher Zukunft den Arbeitsplatz zu wechseln. Dieser Wert war seit der Einführung des Quality of Work Index im Jahr 2016 noch nie so hoch. «Seit Jahren verschärfen sich die Konflikte zwischen Arbeits- und Privatleben. Das ist auch 2021 noch der Fall. Man kann interpretieren, dass durch die Pandemie viele Menschen ihre Arbeitssituation hinterfragt haben, sich der Auswirkungen bewusst geworden sind, die ihr Arbeitsplatz dennoch auf ihr Privatleben hat, und insbesondere die Absicht haben, in naher Zukunft den Arbeitsplatz zu wechseln. Wir sind jetzt bei fast einem Viertel der Beschäftigten, früher waren es 18 bis 19 Prozent», sagt David Büchel.

Um diesen Konflikten bei der Work-Life-Balance entgegenzuwirken, fordert die Arbeitnehmerkammer, dass die europäische Richtlinie zu diesem Thema in luxemburgisches Recht umgesetzt wird. Für sie müssen Unternehmen, die wirklich Kompetenzen und Talente anziehen und halten wollen, «innovativ sein und konkrete Maßnahmen ergreifen, um Privat- und Berufsleben besser zu vereinbaren, auch wenn dies bedeutet, dass sie sich neu erfinden müssen, zum Beispiel in Bezug auf die Arbeitszeiten».

« Rate der Depressionen und des Depressionsrisikos ist im Vergleich zum Vorjahr gestiegen »

Die Bewertung der Lebensqualität am Arbeitsplatz unterscheidet sich je nach Alter, Familienstand, Art der Arbeitszeiten, Berufsgruppen und Tätigkeitssektoren. So gehören die über 55-Jährigen, Alleinerziehende, Arbeitnehmer mit atypischen Arbeitszeiten, Beschäftigte in Handel, Industrie, Handwerk, Anlagenführer und einfache Berufe zu denjenigen, bei denen sich die Qualität des Arbeitslebens verschlechtert hat.

Die Studie, die im zweiten Jahr der Pandemie durchgeführt wurde, bestätigt die Entstehung von zwei Klassen von Arbeitnehmern. «Vor der Pandemie war die Bewertung der Qualität des Arbeitslebens zwischen Arbeitnehmern und Telearbeitern gleich. Im Jahr 2020 entstand mit der Pandemie eine Diskrepanz zu Ungunsten der Arbeitnehmer vor Ort, die auch 2021 gleich blieb. Arbeitnehmer vor Ort bewerteten ihre Arbeitsqualität schlechter als Telearbeiter», fügte er hinzu. Der Index liegt bei 56,7 Punkten für Telearbeiter gegenüber 52 Punkten für Arbeitnehmer am Standort.

Die Zufriedenheit der Arbeitnehmer mit ihrem Gehalt bleibt stabil, während die Arbeitsplatzsicherheit nach einem Rückgang im Jahr 2020 wieder zugenommen hat. Im Gegensatz dazu «erreichen die Arbeitsmotivation und das allgemeine Wohlbefinden ihren Tiefststand», stellt David Büchel, Koordinator des Quality of Work Index bei der Arbeitnehmerkammer, fest. «Die Rate der Depressionen und des Depressionsrisikos ist im Vergleich zum Vorjahr gestiegen».

(Marion Mellinger/L'essentiel)

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