Schwergewichts-WM – Ein Wirrkopf reizt Weltmeister Klitschko

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Schwergewichts-WMEin Wirrkopf reizt Weltmeister Klitschko

Tyson Fury heißt der nächste Herausforderer von Wladimir Klitschko. Der Brite könnte den Weltmeister in Bedrängnis bringen.

Verbal hat es Tyson Fury schon mal geschafft. Mit einer kruden Mischung aus Show, großer Klappe und wirren politisch-religiösen Äußerungen stiehlt der 27-jährige Herausforderer aus Großbritannien dem zwölf Jahre älteren Titelverteidiger seit Wochen die Show.

So erschien er im September in einem skurrilen Batman-Kostüm zu einer Medienkonferenz in London, vermöbelte dort in bester Wrestling-Manier einen als Joker verkleideten Komparsen – und drohte Wladimir Klitschko am 28. November im Boxkampf um den Schwergewichtstitel ein ähnliches Erlebnis an.

Irritierende Äußerungen

Die Äußerungen des Briten irritieren, und nicht nur jene, die der Provokation des Gegners dienen. Tyson Fury – sein ebenfalls boxender Vater benannte ihn nach dem früheren Box-Weltmeister Mike Tyson – ist ein sogenannter «born-again Christian», ein bibeltreuer Evangelikaler. Homosexualität lehnt der zweifache Vater genauso ab wie Abtreibung.

Beides hält er für Übel der Menschheit und stellt sie – jetzt kommts – auf eine Stufe mit der Pädophilie. Dass Homosexualität und Abtreibung zumindest in aufgeklärten Ländern legalisiert wurden, interpretiert er als Sieg des Teufels. Der warte nämlich nur darauf, sein Vernichtungswerk zu vollenden. Aha.

Klitschko äußerte sich in den letzten Tagen zunehmend genervt über seinen Herausforderer mit der lockeren Zunge. Fury unterstellte dem Weltmeister das «Charisma einer Unterhose», nannte ihn einen «Narren, Idioten und Roboter». Beim traditionellen «Staredown» – dem gegenseitigen Anstarren – laberte Fury unentwegt, deutete (seiner Homophobie zum Trotz) ein Küsschen an und raunte dem Ukrainer deutlich hörbar zu: «Du siehst sexy aus. Und du riechst gut!»

Nun ist es für den 39-Jährigen keine gänzlich neue Erfahrung, vor Titelkämpfen provoziert zu werden. Stets traten die Herausforderer großmäulig auf, um dann vom Weltmeister im Schwergewicht nach Version der IBF, WBO, WBA und IBO nach allen Regeln der Kunst vermöbelt zu werden. Seit 2004 hat «Dr. Eisenfaust» keinen Kampf mehr verloren. Der Fight am Samstagabend in Düsseldorf (22.45 Uhr auf RTL) ist sein 28. Titelkampf.

Fury ist noch nie einem Gegner dieses Kalibers gegenübergestanden, aber auf die leichte Schulter darf Klitschko den Provokateur aus Manchester nicht nehmen. Mit 2,06 Metern Körpergröße ist Fury acht Zentimeter größer als Klitschko und er hat zehn Zentimeter mehr Reichweite. Zudem legt er mal mit links aus, um dann auf rechts zu wechseln. Von bislang 24 Kämpfen hat er 24 gewonnen. 18-mal ging sein Gegner k.o.

(L'essentiel)

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