Aufstieg und Fall – Eine Frau mit zwei Gesichtern

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Aufstieg und FallEine Frau mit zwei Gesichtern

Rebekah Brooks, einst Rupert Murdochs Darling und Wunderkind der britischen Presse, ist nach dem Abhörskandal zum Symbol des skrupellosen Journalismus geworden.

Rupert Murdoch und sein einstiger Liebling Rebekah Brooks: Jetzt befindet sie sich im Auge des Sturms. (Bild: Reuters)

Rupert Murdoch und sein einstiger Liebling Rebekah Brooks: Jetzt befindet sie sich im Auge des Sturms. (Bild: Reuters)

Wer sie kennt, beschreibt sie als Frau mit zwei Gesichtern. Zum einen ist sie in der Lage, eine Schlange zu verzaubern, zum anderen kann sie sie köpfen, sagen diejenigen, die mit ihr zu tun hatten. Jetzt, nach den Enthüllungen um dem Abhörskandal bei der Boulevardzeitung «News of the World», steht Brooks als die Böse im Film da. Sie ist die Verkörperung der Journalistin, die für eine Exklusiv-Story ihre Seele dem Teufel verkaufen würde.

Rebekah Brooks war bisher der Liebling des Medienunternehmers Rupert Murdoch. Ohne seine Unterstützung wäre es kaum vorstellbar, dass die Rothaarige eine derart hohe Position in einer von Männern dominierten Medienwelt ergattert hätte.

Erst am Tisch des Premiers, jetzt Spottfigur

An Weihnachten dinierte Rebekah Brooks noch mit dem britischen Premierminister David Cameron und selbst als der Abhörskandal auf seinen bisherigen Höhepunkt zusteuerte – der Einstellung der Zeitung «News of the World» nach 168 Jahren – erhielt sie öffentlich Unterstützung von ihrem Chef Rupert Murdoch. Nun ermitteln die Behörden gegen die 43-Jährige. All ihre Macht und ihre Kontakte sind mit einem Mal nichts mehr wert.

Am Freitag trat Brooks als Chefin der britischen Zeitungssparte des Medienimperiums von Murdoch zurück. Am Sonntag wurde sie festgenommen. Mit einer atemberaubenden Geschwindigkeit verwandelte sie sich von einer der einflussreichsten Frauen Großbritanniens zu einer Figur, über die öffentlich gespottet wird.

Die Billig-Fluglinie Ryanair schaltete am Sonntag im «Observer» eine Anzeige mit einem Foto von Brooks und einem Text, der den Lesern in Anspielung auf den Abhörskandal mitteilt, dass Brooks mit Ryanair günstig dem Schlamassel entfliegen wolle.

Die Murdochs vor Parlament

Die Auswirkungen von Brooks Festnahme gehen aber weit über ihre Person hinaus. Es stellt sich die Frage, wie ihr Rücktritt das Machtgefüge in Murdochs Medienunternehmen beeinflussen wird und wie die Affäre das Ansehen von Premierminister Cameron und anderen Politikern beschädigt, die bislang ein kuscheliges Verhältnis zum 80-jährigen Medienbaron pflegten.

Les Hinton, Geschäftsführer des «Wall Street Journal» und langjähriger Mitstreiter Murdochs musste ebenfalls am Freitag nach 50 Jahren an der Seite des Australiers seinen Hut nehmen. Murdochs Sohn James, Chef der europäischen und asiatischen Geschäfte von Murdochs Stammunternehmen NewsCorp., steht unter besonderer Beobachtung. Er, sein Vater und Brooks sollen sich am Dienstagnachmittag den Fragen britischer Abgeordneter stellen.

Brooks im Auge des Sturms

Doch seit der Skandal hochkochte, stand Brooks im Fokus. Die mit ihren langen roten Locken optisch auffällige Frau war stets eine treue Statthalterin Murdochs – das Verhältnis zwischen den beiden soll so eng sein, dass sie praktisch zur Familie gehört. Allerdings war Brooks Chefredakteurin der «News of the World», als die Journalisten der Zeitung Telefone gehackt haben sollen.

Seit Jahren sickerten immer wieder Berichte über Abhöraktionen durch. Aber erst die Enthüllung, dass Journalisten sich 2002 Zugang zu dem Mobiltelefon des 13-jährigen Entführungsopfers Milly Dowler verschafft hatten, weckte den Zorn der Öffentlichkeit. Doch während 200 Journalisten der «News of the World» mit dem Ende der Zeitung ihren Job verloren, hielt Brooks an ihrem Posten fest. Das brachte ihr Unverständnis, Verachtung und Häme ein.

Rasante Karriere

Brooks Karriere bei «News of the World» begann 1989, nachdem sie zuvor kurz für ein Unternehmen Murdochs als Sekretärin gearbeitet hatte. Sie startete als Reporterin, wurde Assistentin der Chefredaktion und schliesslich stellvertretende Chefredakteurin. 1998 verließ sie die eine Boulevardzeitung für eine andere. Zwei Jahre arbeitete sie in London bei der ebenfalls zum Murdoch-Imperium gehörenden Zeitung «The Sun». Als Brooks 2000 als Chefredakteurin zu «News of the World» zurückkehrte, war sie gerade einmal 31 Jahre alt – ein Husarenstück in der britischen Presselandschaft.

Mit Skandalen aus dem Leben berühmter Persönlichkeiten peppte sie das Blatt auf. Viel Lob erhielt sie dafür, dass sie die Zeitung als Plattform zur Unterstützung schärferer Gesetze gegen sexuellen Missbrauch nutzte. Brooks Kampagne, Pädophile öffentlich an den Pranger zu stellen, war umstritten. Die Polizei warnte davor, dass dadurch die Ermittlungen erschwert werden könnten und die Gefahr von Verwechslungen bestehe. Brooks aber verteidigte ihr Vorgehen damit, dass die Öffentlichkeit ein Recht auf diese Informationen habe.

Auf dem Gipfel

2003 wurde Brooks die erste Chefredakteurin in der Geschichte der «Sun». Gleich mit der ersten Ausgabe unter ihrer Verantwortung überraschte sie ihre Kritiker. Sie stampfte nicht wie erwartet die Serie mit den nackten Mädchen auf Seite drei ein. Stattdessen liess sie unter der Überschrift «Rebekah aus Wapping» das Bild eines Nacktmodels drucken, das ihren Vornamen trug.

Sechs Jahre und etliche Schlagzeilen später wurde Brooks zur Chefin von News International befördert. Zwar machte Brooks fortan die Schlagzeilen nicht mehr selbst, doch fand sie sich des Öfteren darin wieder – etwa nach Abendessen oder Treffen mit Politikern oder nach einem kurzen Konflikt mit dem Gesetz.

Ehemann angegriffen?

2005 wurde Brooks festgenommen, weil sie ihren ersten Ehemann, den Fernsehschauspieler Ross Kemp, angegriffen haben soll. Allerdings wurde nie Anzeige erstattet. 2009 heiratete Brooks erneut, diesmal den ehemaligen Rennpferdetrainer Charlie Brooks. Das Paar wurde bekannt für sein enges Verhältnis zu einigen britischen Politikern und seine Auftritte bei gesellschaftlichen Anlässen etwa in Windsor Castle oder Wimbledon.

Brooks pflegte nicht nur mit dem konservativen Premierminister Cameron eine enge Freundschaft, sondern auch mit den Frauen der früheren Premierminister Gordon Brown und Tony Blair von der Labour-Partei.

L'essentiel Online/kle/dapd

Dienstagnachmittag vor dem Parlament

Illegale Abhörpraktiken und Bestechung von Polizisten: Was hat Rupert Murdoch von den Geschehnissen bei seiner inzwischen eingestellten Skandalzeitung «News of the World» gewusst? Die Frage, die ganz Großbritannien bewegt, soll der 80-Jährige am Nachmittag (ab 15.30 Uhr MESZ) vor einem Parlamentsausschuss öffentlich beantworten. Auch sein Sohn James und seine langjährige Vertraute Rebekah Brooks, müssen aussagen.

Die Macht des Ausschusses ist begrenzt. Er kann nur Empfehlungen weitergeben. Eine Aussage unter Eid ist nicht möglich. Beobachter erwarten, dass sich die Vorgeladenen streng an die Vorgaben ihrer Juristen halten werden.

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