Wo ist Sofía Velzi? – Eine ganze Stadt sucht ein Phantom-Mädchen

Publiziert

Wo ist Sofía Velzi?Eine ganze Stadt sucht ein Phantom-Mädchen

Tagelang suchten die Menschen im argentinischen Colón fieberhaft nach Sofía Velzi. Dann die böse Überraschung: Die junge Frau existiert nur auf Facebook.

Die Bewohner der Kleinstadt Colón in der argentinischen Provinz Entre Ríos sind außer sich vor Wut: Sie sind reingelegt worden – von zwei gelangweilten Teenagern.

Die Geschichte beginnt vor einem Jahr. Wie das Nachrichtenportal Infobae schreibt, stößt der junge Feuerwehrmann Luciano Benitez per Zufall auf das Facebook-Profil einer gewissen Sofía Velzi. Er mag die Bilder, die er von ihr sieht, und kontaktiert sie. Die beiden tauschen Handy-Nummern aus, zu einem persönlichen Treffen kommt es aber nie: Sofía erzählt, sie wohne bei einer Tante in Jujuy, 1500 Kilometer nordwestlich von Colón entfernt.

Trotz allem verliebt sich Luciano in Sofía. Ihre traurige Lebensgeschichte berührt ihn: Sofía hatte Luciano erzählt, sie sei Waise und leide an Leukämie. Wenige Wochen nach dem ersten Kontakt gibt er auf seinem Profil an, mit der 18-Jährigen in einer Beziehung zu sein.

Dramatische Reise

Vor Kurzem lud Luciano seine Freundin ein, ihn in Colón zu besuchen. Weil er so hartnäckig darauf bestand, sie endlich persönlich kennenzulernen, blieb Sofía keine andere Wahl, als die Einladung anzunehmen.

Am 19. Februar meldet sich eine gewisse Jessica telefonisch bei Luciano. Sie sei eine Freundin Sofías und habe ihm Schreckliches mitzuteilen: Sofía sei es während der Busreise nach Colón schlecht geworden. Der Chauffeur habe sie darum aufgefordert, in Paraná, 260 Kilometer vor ihrem Ziel, auszusteigen und ein Spital aufzusuchen, so Jessica (siehe Karte unten).

Die ganze Gemeinde mobilisiert

Von da an verliert Luciano die Spur seiner Geliebten. Sofías Handy ist plötzlich ausgeschaltet. Luciano kontaktiert ihre Freundinnen und Verwandte auf Facebook. Keiner weiß etwas von ihr. Auch die Suche in den Spitälern der Region bleibt erfolglos.

Luciano ist verzweifelt: Er mobilisiert seine Feuerwehrkollegen und die ganze Nachbarschaft, die Gegend zu durchkämmen. Der junge Mann erstellt eine Facebook-Seite, in der er alle auffordert, «nicht zu ruhen, bis wir Sofía gefunden haben». Die halbe Stadt geht am Wochenende auf die Straße und fordert die Behörden auf, «für mehr Sicherheit zu sorgen».

Aus Langeweile ein Leben ruiniert

Am Montag meldete sich die Staatsanwaltschaft und die Polizei von Colón bei der Familie Benítez mit einer schockierenden Nachricht: Sofía Velzi gibt es gar nicht. Das Facebook-Profil sei ein Fake, erklären die Behörden Luciano. Die Bilder der schlanken, langhaarigen Frau gehörten Eliana Licurse aus Buenos Aires, die mit dem Betrug nichts zu tun habe.

Die Ermittler klären auf: Die Tante in Jujuy gibt es nicht und die Handy-Nummer gehört eigentlich Jessica. Diese habe zusammen mit ihrer Kollegin Marisa López gestanden, aus Langeweile ein Profil kreiert zu haben, um Männer anzumachen. Als den beiden die Geschichte mit Luciano zu brenzlig wurde, seien sie auf die Idee gekommen, Sofía verschwinden zu lassen.

Der Fall sei nun abgeschlossen, so die Behörden. Mit welchen rechtlichen Mitteln Jessica und Marisa belangt werden können, ist nicht bekannt. Klar ist nur: Luciano Benítez ist am Boden zerstört und versteht die Welt nicht mehr. Seit er weiß, dass es Sofía nicht gibt, hat er mit niemandem mehr gesprochen.

(L'essentiel/kle)

Deine Meinung