Gaza – Eine Hochzeit im Kriegsgebiet

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GazaEine Hochzeit im Kriegsgebiet

Omar und Heba haben gerheiratet - in einem Flüchtlingslager vor Gaza. Die 4000 Menschen, die dort untergebracht sind, sammelten Geld für ein Hochzeitsgeschenk.

AFP/Roberto Schmidt

Am Ende siegte die Liebe: Im Al-Schati-Flüchtlingslager in Gaza hat am Mittwochabend ein junges Paar geheiratet. Der 30-jährige Omar Abu Namar und die 23-jährige Heba Fayad gaben sich das Ja-Wort vor 4000 Gästen – genauer gesagt vor 4000 palästinensischen Flüchtlingen, die sich wie sie gezwungen sahen, nach den jüngsten Bombenangriffen Israels in das UN-Lager zu ziehen.

Omar und Heba wollten eigentlich im September heiraten. Doch dann kam der Krieg und zerstörte das Haus, in das sie einziehen wollten. Die beiden verloren einfach alles. Omar war verweifelt und wandte sich an den Leiter des Flüchtlingslagers, Abdel Salam Humaid.

Luftballons und Fähnchen

Humaid organisierte eine Spendenaktion, um ein neues Brautkleid für Heba und einen Anzug für Omar zu kaufen. Ausserdem sollte das Geld für ein Hochzeitsgeschenk reichen: zwei Nächte in einem Hotel. Den Hof dekorierte Humaid mit farbigen Luftballons und Palästina-Fähnchen. «Trotz der Verletzungen und des Schmerzes geht das Leben weiter», stand auf dem Plakat, das er über eine provisorischen Bühne hängte.

«Wenn mir jemand gesagt hätte, dass ich eines Tages unter diesen Umständen heiraten würde, hätte ich das nie geglaubt», verrät Heba. Trotzdem ist sie glücklich. Sie freue sich schon mal auf ein anständiges Bad. «Ich werde im Hotel jede Stunde duschen», sagt die 23-Jährige augenzwinkernd. «Das wird eine wohltuende Abwechslung sein. Es vergehen manchmal mehrere Tage, bis wir im Flüchtlingslager Zugang zu Wasser haben.»

Hochzeit voller Hoffnung

Auch Omar ist voller Hoffnung. «Heba ist mein Leben». Er hätte sich eine schönere Hochzeitfeier für seine Liebste gewünscht, sagt er. Jetzt aber wolle er nur eines: aus Gaza auswandern. Omar und Heba haben vor, in den nächsten Wochen in die Arabische Emirate zu ziehen. Dafür müssten sie den Grenzübergang Rafah zwischen dem Gazastreifen und Ägypten überqueren. Die Regierung Kairos hält diesen jedoch die meiste Zeit geschlossen.

In den Emiraten hat Omar Verwandte, die dem Paar in den ersten Monaten helfen könnten. Heba ist optimistisch: «Das ist eine wunderbare Chance, um ein neues Leben an Omars Seite zu beginnen.»

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