Reaktionen auf Raabs Abschied – «Eine kastrierte Show»

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Reaktionen auf Raabs Abschied«Eine kastrierte Show»

Fast sechs Stunden lang kämpfte sich Raab durch seine letzte Sendung von «Schlag den Raab». Die Presseschau zu seinem definitiven Abschied.

Stefan Raabs berüchtigter Ehrgeiz ist das, was die Show, die fast zehn Jahre lang auf ProSieben lief, ausmachte, so das Medienecho nach der fast sechsstündigen und letzten Sondersendung von «Schlag den Raab». Sämtliche deutsche Pressetitel würdigten am Sonntag das Unterhaltungstalent — mit Samthandschuhen wird die Sendung von Samstagabend dennoch nicht angefasst:

Raab in «der Rolle des Unsympathen», einer der meckert, um sein Leben spielt und keine Gnade gegenüber seinen Gegenspieler walten lässt, schreibt Spiegel Online, kam gestern nicht zur Geltung. Der Grund: Der Kandidat Jörn, einer der 15 Wettkämpfer, der es gegen Raab im Dosenschießen aufnahm, spielte den Finsterling. Erst meckerte er wegen des ungeraden Aufbaus der Dosenpyramide und fühlte sich danach durch die herumliegenden Dosen gestört. «Schließlich trat er die Blechbehälter selbst genervt aus dem Blickfeld», wie Spiegel Online schreibt.

«Eine kastrierte Show»

Dass dieses Mal gleich 15 Kandidaten aus dem Publikum anstatt einer gegen Raab antraten, bemängelte auch «Die Welt»: «Wo bei jedem einzelnen Spiel die Karten neu gemischt werden, bleibt eben nur ein Bruchteil davon übrig: eine kastrierte Show.» Und weiter: «Nichts mit Duell, einer gegen einen. Der Thrill blieb weg.» Man fühlte sich als Zuschauer, so die «Welt», um die letzte, originale «Schlag den Raab»-Sendung «betrogen».

Zum Karriereende schauen viele Journalisten allerdings über das streitbare Konzept der finalen Sendung von «Schlag den Raab» hinweg und üben sich stattdessen in der Beweihräucherung der 20-jährigen Fernsehkarriere von Stefan Raab. So schreibt «Die Zeit»: «Stefan Raab behandelte das deutsche Fernsehen wie Mark Zuckerberg das Internet. Er machte es seiner Marke untertan» – und lobte Raab noch einmal für seine innovativen Ideen und die diversen Formate im Fernsehgeschäft.

Krönender Abschied

Die letzten 20 Jahre mit Raab sind ein Stück Mediengeschichte. Die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» streicht online Raabs besondere Stellung für den Privatsender ProSieben heraus, «im Alleingang» habe Raab das Unterhaltungangebot des Privatsenders die letzten 17 Jahren bestritten. Und zwar so, «sass zu befürchten stand, der Sender würde an dem Tag, an dem er ohne Stefan Raab auskommen muss, ein Testbild senden».

Lorbeeren gab es auch von Bild.de, als Raab nach fast nach sechs Stunden Wettkampf, mit Mantel und Rentier-Ohren, gemeinsam mit den Heavy Tones zum Abschiedssong ansetzte:«So wie Stefan Raab vor über 20 Jahren das deutsche Fernsehen überfiel, wollte er auch wieder abtreten.»

(L'essentiel/hau)

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